Leichtathletik

Harting: „Leistungssportler verzichten auf ihre Jugend“

Diskus-Olympiasieger Christoph Harting rät Jugendlichen von einer Karriere im Leistungssport ab. Er bezeichnet sich selbst als „Vollidiot“.

Christoph Harting rät Kindern vom Leistungssport ab.

Christoph Harting rät Kindern vom Leistungssport ab.

Foto: BEAUTIFUL SPORTS/Peter Weber / imago/Beautiful Sports

Berlin. Diskus-Olympiasieger Christoph Harting rät Jugendlichen von einer Karriere im Leistungssport ab. „Du verzichtest auf deine Jugend“, sagte der 29-Jährige im Interview mit der „Sport Bild“: „Ich würde heute einen anderen Weg gehen.“ Er selbst sei ein „Vollidiot“, dass er sich mit Zwölf für die Sportschule und gegen das Mathe-Gymnasium entschieden habe: „Rückblickend war mein Leben bisher geprägt von Disziplin, Verzicht und Einsamkeit. Das ist kein Jammern. Doch darf man sich die Frage stellen: wofür?“

Berliner will bis Olympia 2028 weitermachen

Der Berliner Harting erklärte, er habe zuletzt mit 14 „richtig Spaß am Werfen“ empfunden. „Die Leute denken: Man muss doch eine gewisse Leidenschaft oder Freude empfinden, wenn man das macht. Nein! Muss man nicht“, sagte er. Dennoch will Harting bis Olympia 2028 weitermachen, es sei denn, er wird vorher von deutschen Werfern überflügelt.

Diese Gefahr allerdings bestehe nicht. „Da kommt keiner nach. Unser Diskus-Kader ist, mit Verlaub, erschreckend“, sagte er. „Von daher habe ich das Gefühl, dass man mich später einmal mit dem Rollstuhl aus dem Ring schieben wird.“

WM-Start in Doha noch ungewiss

Seine Teilnahme an der WM in Doha (27. September bis 6. Oktober) ließ Harting offen. „Da nehme ich mir die Freiheit zu sagen: Ich muss nicht. Ich möchte“, sagte er: „Wenn es reinpasst, ich mich gut fühle, nicht verletzt bin und sie meine Vorbereitung für Olympia 2020 in Tokio nicht stört, mache ich die WM mit. Aber ich muss nicht hinfahren, um mit 63 Metern Achter zu werden.“