Berliner Champions

Annabell Krüger ist ein guter Fang für die Füchse

Die Handball-Torhüterin ist mit nur 16 Jahren schon ein starker Rückhalt für ihr Team. Etwas muss sie aber noch dazu lernen.

Annabell Krüger ist die einzige Berlinerin, die in einem Nachwuchs-Team des Deutschen Handballbundes spielt.

Annabell Krüger ist die einzige Berlinerin, die in einem Nachwuchs-Team des Deutschen Handballbundes spielt.

Foto: Sergej Glanze / Glanze/Berliner Morgenpost

Berlin.  Mit der Achtung vor dem Alter ist es so eine Sache. An sich handelt es sich dabei um eine edle Tugend, doch bei den Frauen der Füchse Berlin hätte man trotzdem nichts dagegen, wenn ihre Torhüterin Annabell Krüger ihre guten Sitten einfach vergessen würde. „Aktuell arbeiten wir daran, dass Annabell der Abwehr klar und lautstark ihre Wünsche und Korrekturen mitteilt, egal wer da steht“, sagt Managerin Britta Lorenz.

Die Schülerin ist die Jüngste im Team

Was sie damit eigentlich sagen will: Krüger soll ihre Teamkolleginnen ruhig auch einmal anschreien, von denen einige fast doppelt so alt sind wie sie. Momentan scheut sie sich da noch – der Respekt vor den Älteren ist zu groß. Die Schülerin ist gerade 16 Jahre alt und damit mit Abstand die Jüngste im Aufgebot der Spreefüxxe, und das auf der womöglich wichtigsten Position. Trotzdem hat sie ihrer Mannschaft schon so manchen Punkt gerettet. „Sie ist deutlich weiter als die meisten in ihrem Alter“, sagt Lorenz. Mit 1,82 Meter hat Krüger genau die richtige Größe für eine Torhüterin und deckt ihren Kasten optimal ab. Wo andere zwei Schritte benötigen, ist sie mit einem in der richtigen Ecke.

Die Berlinerin spielte bis vor zwei Jahren auf dem Feld

Genau genommen war das einst auch der Grund, weshalb sie sich überhaupt ins Tor stellte. „Ich wollte nicht so viel laufen“, sagt sie. Zwar spielte sie bis vor zwei Jahren gelegentlich auch noch im Feld, wovon sie heute profitiert. „Es hilft ungemein, wenn man sich als Torwart auch in die Rolle der Abwehr hineinversetzen kann“, so die Friedrichshagenerin. Doch am liebsten steht sie zwischen den Pfosten. Ein bisschen verrückt müsse man als Handballtorwart allerdings sein, um sich dem Ball entgegenzuwerfen, der mit bis zu 100 Stundenkilometern auf einen zufliegt: „Wir freuen uns darüber, wenn wir abgeworfen werden, weil wir dann alles richtig gemacht haben. Dafür muss man schon ein Stück weit einen an der Waffel haben.“

Schon ihre Mutter war Torhüterin

Als Sechsjährige begann Annabell Krügel beim KSV Ajax in Köpenick mit dem Handballspielen. Beide Eltern waren ebenfalls Handballer, die Mutter Torhüterin wie sie. Über den Berliner TSC kam Krüger zu den Spreefüxxen und steht dort seit 2017 fest im Zweitligakader, nachdem sie zuvor bereits mittrainiert hatte. Die Aufgabe im Tor teilt sie sich dort mit Natascha Faßold.

Das Ziel ist das Tor der Nationalmannschaft

Theoretisch wäre die Elftklässlerin auch noch in der B-Jugend spielberechtigt, doch ihre ganze Konzentration gilt dem Frauenteam. „Für meine Entwicklung kann es nur gut sein, so früh wie möglich gegen Erwachsene zu spielen. Da bekomme ich ganz andere Würfe, das ist ein anderes Kaliber als in der Jugend“, sagt sie. Für Britta Lorenz bringt Krüger alle Voraussetzungen mit, um den Sprung nach ganz oben zu schaffen. „Sie arbeitet fokussiert an ihrer Karriere. Das Ziel muss sein, dass sie irgendwann im Tor der deutschen A-Nationalmannschaft steht“, sagt sie.

Irgendwann möchte sie auch Bundesliga spielen

Momentan spielt Annabell Krüger im U18-Nationalteam des Deutschen Handballbunds (DHB); sie ist aktuell die einzige Berlinerin im weiblichen DHB-Nachwuchs. Ziel in diesem Jahr ist die Europameisterschaft, bei der Deutschland als Titelverteidiger antritt. Mit dem Verein würde sie gern in die Bundesliga aufsteigen, wo die Berlinerinnen bis 2016 schon einmal vertreten waren. „Wir sind eine junge Mannschaft und haben noch viel Potenzial“, sagt Krüger, doch die größte Hürde dürfte eher im finanziellen Bereich liegen.

Das fehlende Geld war vor drei Jahren auch der Grund gewesen, weshalb sich die Füchse-Frauen aus dem Oberhaus zurückziehen mussten. Gerade erst hat Krüger ihren Vertrag in Berlin verlängert, doch notfalls würde sie auch wechseln, um sich ihren Traum zu erfüllen. „Ich möchte so hoch spielen wie möglich“, sagt sie. In dieser Hinsicht formuliert sie ihre Wünsche schon jetzt klar und deutlich.