Leichtathletik

Robert Hartings Erfolge sind mit Windeln aufzuwiegen

Der Berliner Leichtathletik-Verband verabschiedet einen seiner größten Sportler und stellt das Team für die Zukunft vor.

Die Zeiten sind vorbei: Robert Harting hat sich im vergangenen September beim Istaf im Olympiastadion aus dem Diskusring verabschiedet.

Die Zeiten sind vorbei: Robert Harting hat sich im vergangenen September beim Istaf im Olympiastadion aus dem Diskusring verabschiedet.

Foto: Sascha Fromm / Thueringer Allgem / FUNKE Foto Services

Berlin. Am liebsten hätte er sie alle sofort aufgerissen. So wie er es immer mit seinem Trikot gemacht hatte. Aber Robert Harting geduldete sich brav und posierte eben mit den unversehrten Windel-Packungen für die Fotografen. Schließlich ist der Geburtstermin seiner Zwillinge irgendwann „von jetzt bis bald“, wie der Diskus-Olympiasieger von 2012 am Freitagabend bei einer Veranstaltung des Berliner Leichtathletik-Verbandes im Olympiastadion verriet.

24 internationale Medaillen helfen auch seinem Nachwuchs

Was die Windel-Versorgung betrifft, könnte der Nachwuchs im Hause Harting jedenfalls sofort kommen. Der BLV verabschiedete sein Aushängeschild nämlich mit einer ganz besonderen Prämie. Mit knapp 2500 Windeln.

Und das obwohl man im Sport allgemeinhin ja der Meinung ist, dass Erfolge mit nichts aufzuwiegen sind. Nicht mit Gold, nicht mit Silber, nicht mit Bronze. Hartings 24 internationale Medaillen aber haben sie beim BLV mit Windeln aufgewogen. Für jedes Gold (immerhin 17 Medaillen) gab es drei Päckchen Windeln, für Silber (was er sechs Mal gewonnen hat) zwei Päckchen und für Bronze (einmal) eben ein Paket.

Komische Gefühle in seiner Abschiedssaison

Robert Harting und seine Frau Julia sind also gerüstet für das, was da in den nächsten Monaten auf sie zukommt. Noch gibt sich der dreimalige Weltmeister, der im vergangenen September seine lange und erfolgreiche Karriere beendet hatte, entspannt. „Ich bin in einer sehr angenehmen Phase. In dieser Abschiedssaison war alles neu für mich. Ich bin es als Sportler gewohnt gewesen, immer nach vorne zu schauen. Da musste ich plötzlich zurückblicken und da kamen komische Gefühle auf“, gestand Harting.

Einen Rückblick erlaubte sich der Vorzeigeathlet des SCC Berlin auch am Freitagabend noch. Die Erinnerung an die Olympischen Spiele 2012, an den wohl größten Moment seiner Karriere, als er in London Gold holte. „Was da passiert ist, ist nie ganz durchgedrungen“, sagte Harting. „Ich hab eine Woche nicht geschlafen, weil alles so aufregend war.“

Mit Schlafmangel kann der 2,01-Meter-Hüne also problemlos umgehen. Gute Voraussetzungen.

Berliner Quartett bereitet sich auf Staffel-WM vor

Während sich ein großer Sportler also endgültig aus dem Diskusring an den Wickeltisch verabschiedete, präsentierte der BLV neue Talente und aussichtsreiche Medaillenhoffnungen für die anstehende Leichtathletik-Saison. Wie aussichtsreich zeigte sich auch darin, dass mit Lisa Marie Kwayie, Marc Koch, Svea Köhrbrück und Lucas Jakubczyk gleich vier Berliner Athleten in Japan im Trainingslager weilen. Die Sprinter bereiten sich mit dem Bundeskader auf die anstehende Staffel-WM in Yokohama (11./12. Mai) vor.

Das Highlight für die Berliner Athleten werden aber wohl die Deutschen Meisterschaften im Olympiastadion sein (3./4. August). Dort „mit einer Medaille nach Hause zu gehen“, ist auch das Ziel von Melanie Bauschke. Die Weitspringerin gehört ebenso zum Berliner Leichtathletik-Team, das dank verschiedener Sponsoren ihren Lebens- und Trainingsmittelpunkt in der Hauptstadt hat, wie Geherin Emilia Lehmeyer, Weitspringer Stephan Hartmann, Hochspringerin Jossie Graumann und 1500-Meter-Läuferin Caterina Granz.

Julia Harting will ihre Karriere fortsetzen

Auch Julia Harting, die nach der Geburt ihrer Zwillinge ihre sportliche Karriere fortsetzen will, zählt weiter zum Team Berlin. „Ich trainiere immer noch einmal am Tag, so gut wie das mit dem runden Bauch jetzt eben geht“, erzählte die Diskuswerferin. „Der Plan ist es, Ende Oktober wieder ins Training einzusteigen.“ Bis dahin dürfte Robert Harting dann auch schon die eine oder andere Windelpackung aufgerissen haben.