Finals 2019 in Berlin

Staatssekretär Dzembritzki: „Das ist eine kleine Olympiade“

Noch 100 Tage sind es bis zu den Finals 2019, dann wird ganz Berlin an einem Wochenende zu einer großen Sportarena.

Einige der Athleten, die bei den Finals dabei sein werden, posieren vor dem Olympiastadion

Einige der Athleten, die bei den Finals dabei sein werden, posieren vor dem Olympiastadion

Foto: Britta Pedersen / dpa

Berlin. Theo Reinhardt hatte sein Arbeitsgerät dabei. Das Wetter war herrlich, der Anlass sportlich, das Rad also eine logische Wahl für den Radsportler, um den Weg zum Olympiastadion anzutreten. Ein gutes Fotomotiv gab er damit auch noch ab, um 100 Tage vor den Finals 2019 quasi den Countdown für selbige einzuläuten.

Finals, das sind in diesem Fall deutsche Meisterschaften. „Eigentlich nimmt man die so mit“, sagt der zweimalige Madison-Weltmeister aus Berlin. Aber diesmal „will man schon gut aussehen“. Denn es ist alles anders, vor allem viel größer. Gleich neun Verbände suchen in zehn Sportarten ihre Meister bei den Finals 2019. Von etwa 3400 Athleten werden am 3./4. August 194 in Berlin zu Titelträgern gekürt.

Fast 20 Stunden live im Fernsehen

Die ganze Stadt verwandelt sich also in eine große Sportarena. „Das ist eine kleine Olympiade, eine Veranstaltung mit sehr hohem Stellenwert“, sagt Aleksander Dzembritzki, Staatssekretär für Sport des Landes Berlin. Für die meisten das Wichtigste dabei ist, dass ARD und ZDF zum Live-Marathon bitten. Fast 20 Stunden Sport im Fernsehen an einem Wochenende, dazu alle Wettkämpfe live im Internet.

Für die kleinen Sportarten schafft das teilweise völlig unbekannte Perspektiven. Die Modernen Fünfkämpfer etwa tragen ihre nationalen Titelkämpfe am gleichen Ort aus „wie alle Jahre vorher, aber hoffentlich mit Zuschauern und medialem Interesse, das ist was ganz Neues. Ich bin ganz gespannt, wie es ablaufen wird“, sagt Annika Schleu, vierfache Staffel-Weltmeisterin. Triathleten, Amateurboxern oder Bogenschützen geht es kaum anders. „Vor einer großen Kulisse ist der Wunsch, zu zeigen, was man kann“, erzählt Camilo Mayer, fünffacher deutscher Meister mit dem Recurve-Bogen. Die Dimension der Veranstaltung versetzt die Sportler in eine gewisse Aufregung.

Kanuten erweitern sogar ihr Programm

Mini-Olympia, Sport an allen Ecken der Stadt, riesige Begeisterung für die Athleten – so lauten die Vorstellungen der Veranstalter. Mit über 2,5 Millionen Euro beteiligt sich das Land Berlin an der Organisation, Dzembritzki lässt den Stolz durchklingen, dass die Idee dazu „bei uns in der Sportabteilung geboren worden“ ist. Umgesetzt wird sie vor allem durch das Interesse von ARD und ZDF, in den Sommersportarten ähnlich wie bei den Wintersportarten an einem Wochenende viele verschiedene Wettkämpfe zu bündeln und zu übertragen. Und so mit der quasi-olympischen Ebene ordentliche Quotenerfolge zu feiern sowie dem Vorwurf entgegenzutreten, man berichte nur über Fußball.

In Berlin sind auch die Schwimmer, Turner, Leichtathleten und Wasserspringer mit dabei. Die Kanuten haben sogar ihr Programm eigens für die Finals erweitert. Denn die normalen Meisterschaften finden wie gehabt nach der Weltmeisterschaft am Saisonende statt. Bei den Finals wird deshalb erstmals in einem Parallelsprint über 160 Meter ein Titel vergeben. „Das verspricht sehr schnelle und enge Rennen“, sagt der vierfache Olympiamedaillengewinner Ronny Rauhe, der von der Streckenwahl sehr angetan ist.

Familiensportfest des LSB als großer Rahmen

An der Oberbaumbrücke paddeln die Kanuten, also in der Innenstadt, mit Blick auf den Fernsehturm, nicht wie sonst auf abseits liegenden Regattastrecken. „Das bietet eine coole Kulisse sowohl für die Athleten als auch für die Fans. Ich freue mich da sehr drauf“, sagt der Berliner Rauhe. Wegen der Kanu-Wettkämpfe hatte es viel Hin und Her gegeben, weil einige der möglichen Austragungsorte von den jeweiligen Bezirken abgelehnt worden waren.

Weniger problematisch war es bei den anderen Sportarten, Berlins Sport-Infrastruktur bietet viele Möglichkeiten. Die Triathleten starten im Strandbad Wannsee und bewegen sich dann zum Olympiastadion, wo die Leichtathleten antreten. Der Olympiapark, das Velodrom, die Max-Schmeling-Halle, die Schwimm- und Sprunghalle an der Landsberger Allee sind weitere Austragungsorte. Alles wird eingerahmt vom Familiensportfest des Landessportbundes Berlin (LSB) im Olympiapark, das eigens auf zwei Tage ausgeweitet wird. „Ein kleines olympisches Gefühl nimmt man da schon mit“, sagt LSB-Präsident Thomas Härtel.

Produktionsaufwand wie sonst bei Olympia

Die Zeitpläne so abzustimmen, dass sie fernseh-kompatibel sind, sei die größte organisatorische Herausforderung, wie ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky erzählte. ARD und ZDF betrieben einen Produktionsaufwand, wie sonst nur bei Fußball-WM und -EM oder eben Olympia, um den in den Medien unterrepräsentierten, kleinen Sportarten ein größeres Forum zu bieten. „Das ist eine Neuerung, die sich hoffentlich durchsetzt. Das setzt das Niveau der Veranstaltung extrem nach oben“, sagt Theo Reinhardt. Ein Weltmeister, der dieses Jahr sogar bei den nationalen Titelkämpfen das Gefühl bekommt, bei einem Mega-Event dabei zu sein.