Tischtennis

Fieber: Timo Boll wieder vom eigenen Körper bezwungen

Wegen Fiebers kann Timo Boll bei der WM nicht mehr im Einzel antreten. Der 38-Jährige verpasst eine fast schon einmalige Chance.

Timo Boll steht im Achtelfinale. (Archivbild)

Timo Boll steht im Achtelfinale. (Archivbild)

Foto: Abel F. Ros / dpa

Budapest. Timo Boll scheint eine würdige Krönung seiner großen Laufbahn nicht vergönnt: Plötzlich aufgetretenes Fieber hat den deutschen Tischtennis-Star bei der WM in Budapest zur kurzfristigen Absage seines Einzel-Achtelfinales gegen den Südkoreaner Jang Woojin gezwungen. Damit musste Boll zum zweiten Mal bei einem WM-Turnier auf dem besten Weg zu einer Medaille oder gar einem Titel vor seinem Körper kapitulieren.

"Es ist extrem bitter, weil Timo bei dieser WM sehr gut gespielt hat und auch eine gute Auslosung hatte", kommentierte Bundestrainer Jörg Roßkopf auf SID-Anfrage die Hiobsbotschaft aus dem Mannschaftshotel.

Über Bolls Teilnahme am Doppel-Viertelfinale mit Patrick Franziska am Donnerstagabend sollte laut Roßkopf ("Das Doppel hat bis zum Achtelfinale auch gut funktioniert, und das Finale ist drin") erst 20 Minuten vor Spielbeginn entschieden werden. "Wir versuchen, das in den Griff zu bekommen", sagte Sportdirektor Richard Prause vom Deutschen Tischtennis-Bund (DTTB).

Fieber hatte sich nicht abgezeichnet

Die Erkrankung des Weltranglistenfünften habe sich bis Mittwochabend noch nicht abgezeichnet, berichtete Roßkopf: "Es gab keine Anzeichen, aber wie das mit Fieber so ist: Es kommt und ist dann da. So bitter es ist, können wir nichts daran ändern: Wenn ein Spieler krank ist, dann ist er krank."

Bitter ist durchaus noch eine Untertreibung, geht es um die erneute sportliche Tragik des besten deutschen Spielers der Geschichte. Dem Düsseldorfer, der in seiner Karriere mehrfach mit muskulären Problemen am Rücken und Nacken zu kämpfen hatte, fehlten in Ungarn nur noch zwei Siege zu seiner zweiten WM-Einzelmedaille nach Bronze 2011 in Rotterdam.

Zum anderen hatte sich das Turnier so günstig wie womöglich niemals zuvor für den 38-Jährigen entwickelt: In seiner unteren Tableauhälfte wartete keiner der topgesetzten Chinesen mehr, "oben" war Chinas Weltranglistenerster Fan Zhendong auch schon gescheitert - kurz: Bolls erste Endspielteilnahme erschien nach unzähligen vergeblichen Anläufen gegen die "chinesische Mauer" plötzlich durchaus realistisch, selbst der historische Titelgewinn war keine Utopie mehr.

Für Timo Boll wiederholt sich die Geschichte

Noch nach seinem Achtelfinal-Einzug am Mittwoch war Boll aufgrund seiner anhaltenden Formsteigerung nach ernsthafteren Problemen im WM-Vorfeld bestens gelaunt gewesen. "Ich habe die Baustellen der vergangenen Wochen etwas behoben, und es fühlt sich besser an. Ich habe mich gut bewegt. Das ist wichtig, weil meine Beine nicht mehr so schnell wie früher sind", sagte der Rekordeuropameister.

Kurz danach aber wiederholte sich für Boll, der 2015 wegen einer Knieoperation schon das Ende seiner Laufbahn befürchten musste, die Geschichte. Schon bei der WM 2005 in Shanghai hatte er in der Nacht vor dem Doppelfinale mit Christian Süß gegen die Chinesen Kong Linghui/Wang Hao über 39 Grad Fieber bekommen. Der ehemalige Weltranglistenerste war trotzdem zum Endspiel angetreten - und wenige Minuten nach der 1:4-Niederlage mit einem Schwindelanfall zusammengebrochen. "Ich war eigentlich gar nicht spielfähig", sagte Boll damals nach seiner Erholung mit immer noch aschfahlem Gesicht.

Weil Boll auch am Donnerstagvormittag nicht spielfähig war, riss in Budapest eine einmalige Serie: Bei seinen fünf vorherigen WM-Teilnahmen seit 2007 hatte der deutsche Rekordmeister immer das Viertelfinale erreicht und um eine Medaille gespielt.