Fussball

Union scheitert erneut an den eigenen Nerven

Trotz Führung und Überzahl kommt Union nicht über ein 1:1 in Fürth hinaus. Trainer Fischer ist enttäuscht von seinen Profis

Rudelbildung in Fürth nach einem Foul von Unions Felix Kroos (am Boden)

Rudelbildung in Fürth nach einem Foul von Unions Felix Kroos (am Boden)

Foto: Daniel Karmann / dpa

Fürth/Berlin. Seit Stefan Leitl die Spielvereinigung Greuther Fürth trainiert, seit über zwei Monaten also, läuft es für die Franken ziemlich gut zu Hause. Fünf Partien absolvierten sie daheim, fünf Mal blieben sie ungeschlagen. Das schafft ein Gefühl, bei dem Name und Rang des Gegners irgendwann kaum mehr Respekt einflößen. In den ersten Minuten der Partie gegen den 1. FC Union, immerhin als Dritter der zweiten Fußball-Bundesliga angereist, war das deutlich zu sehen. In den letzten Minuten ebenso. Zwischendrin schienen die Berliner ihre Gefühlswelt wieder etwas zu ordnen – um schließlich doch nicht mehr als Enttäuschung zu verspüren.

Paderborn zieht an Union vorbei auf Platz drei

Nach vier Spielen ohne Sieg bot sich der Mannschaft von Trainer Urs Fischer eine große Gelegenheit, wieder drei Punkte zu verbuchen. Die Köpenicker führten, hatten einen Mann mehr auf dem Platz, lagen virtuell sogar auf Rang zwei. Nach dem Schlusspfiff durfte sich Union mit dem 1:1 (1:0) aber sogar noch geschmeichelt fühlen „Ich bin heute sehr enttäuscht. Wir hatten in keiner Phase Zugriff im Spiel, alle Dinge, die wir uns unter der Woche vorgenommen hatten, konnten wir nicht zeigen. Heute müssen wir uns bei Rafal Gikiewicz bedanken. Viele andere Spieler kamen aber nicht auf ihr Niveau, deshalb müssen wir mit dem Punkt leben“, so Fischer, der seinem Torhüter großes Lob zusprach.

Mit dem Abrutschen auf Platz vier musste Union einen Rückschlag im Rennen um den Aufstieg hinnehmen. Denn mit einem 2:1 (0:0) beim Verfolgerduell in Kiel konnte sich der SC Paderborn an den Berlinern vorbeischieben und den dritten Rang mit einem Zähler Vorsprung erobern. Der Abstand zu Platz zwei ist für Union jedoch gleich geblieben, da der Hamburger SV gegen Erzgebirge Aue ebenfalls nur zu einem 1:1 (0:1) kam. Drei Zähler liegen die Hanseaten vor den Berlinern, die den HSV am nächsten, dem viertletzten Spieltag in der Alten Försterei empfangen.

Köpenicker holen aus fünf Spielen nur drei Punkte

Von 15 möglichen Punkten holte Union in den vergangenen fünf Spielen lediglich drei Zähler mit nun drei Unentschieden in Folge. Zwar sind die Aufstiegschancen für das Fischer-Team weiterhin intakt, der Relegationsrang wäre mit einem Sieg gegen den HSV aus eigener Kraft zu erreichen. Die aktuelle Bilanz von Union spricht jedoch eher dafür, dass die Nerven in der entscheidenden Saisonphase nicht mehr stabil genug sind. Die Partie in Fürth bot dafür ein gutes Beispiel. „Wenn man nur einen Punkt mitnimmt, können wir nicht zufrieden sein“, so Angreifer Sebastian Polter.

Forsch begannen die Gastgeber, hatten einige Chancen, hielten die Köpenicker ohne Probleme vom eigenen Tor fern. Erst nach 20 Minuten erwachte die Offensive der Berliner mit ein paar zaghaften Angriffen. Nach einem schnellen Antritt infolge eines Ballgewinns an der Strafraumgrenze stand Robert Zulj aber allein vor Fürth-Keeper Sascha Burchert, der Ball prallte nach dessen Parade zu Joshua Mees, der schließlich zur Führung einköpfte (35.). Als Daniel Keita-Ruel kurz darauf Felix Kroos hart anging nach einem Revanchefoul, sah der Franke die Rote Karte (37.) – und Union hielt plötzlich alle Trümpfe in der Hand.

Berliner können ihre Vorteile nicht nutzen

Sie auszuspielen, daran scheiterte Fischers Mannschaft – trotz aller Bekundungen in den Tagen zuvor, mit konzentrierter Abwehrarbeit zu einem zielstrebigen Auftreten finden zu wollen. Obwohl Polter in die Startformation zurückgekehrt war, brachten die Berliner nur wenig Offensivkraft auf den Rasen. Gerade in dem Moment, als die Berliner ihre Überzahl nutzen zu schienen durch mehrere Schussversuche von Mees und Ken Reichel, drehte sich das Spiel. Nach einer Ecke köpfte Marco Caligiuri völlig unbedrängt das 1:1 (67.). Wenig später grätsche Nicolai Rapp, der für den verletzten Florian Hübner in die Innenverteidigung gerückt war, den starken Julian Green um und musste ebenfalls mit Rot vom Platz (70.).

Selbst die offensiven Wechsel von Fischer brachten sein Team nicht mehr auf Kurs, stattdessen kam Fürth zu einigen gefährlichen Chancen. Doch auch ohne einen weiteren Gegentreffer gehen die Berliner nun mit der Gewissheit in die Partie gegen den HSV, dass ihnen ein echtes Endspiel um den Aufstieg bevorsteht.