Beachvolleyball

Laboureur will auch mit neuer Partnerin Nummer eins werden

Chantal Laboureur ärgert sich über erzwungenen Partnerwechsel, startet aber mit großen Zielen in die Weltserien-Saison.

Beachvolleyball Sandra Ittlinger Chantal Laboureur (l.)

Beachvolleyball Sandra Ittlinger Chantal Laboureur (l.)

Foto: Privat

Ohne Beachvolleyball hätte das Tennisstadion am Hamburger Rothenbaum womöglich keine Zukunft gehabt. Aber der sandige Trendsport, der bei Olympia 2016 in Rio die besten Einschaltquoten im deutschen Fernsehen generierte, hat die 10.000-Mann-Arena, mit der einst Boris Becker und Michael Stich gehuldigt wurde, zu seiner Kultstätte auserkoren. Und so finden hier nach den World Tour Finals 2018 im Juni auch die Weltmeisterschaften im Beachvolleyball statt.

Nach den Olympiasiegen von Julius Brink/Jonas Reckermann 2012 und Laura Ludwig/Kira Walkenhorst 2016 soll die Heim-WM zum Sommermärchen werden und dem Beachvolley-Boom die Krone aufsetzen. Das verschließbare Dach der Arena wird so schon vor einer Komplettsanierung im Herbst modernisiert. Dank zugesagter Fernsehübertragungen freuen sich die WM-Vermarkter dabei über riesiges Sponsoreninteresse, so steigt der Discounter Aldi Nord erstmals groß bei einem Sportevent ein.

Auch Laura Ludwig muss nach Babypause neu beginnen

Beachvolleyball als neue Massenware? Funktionieren kann das wohl nur mit deutschen Erfolgen. Aber wer da zum Hero taugt, ist derzeit eine spannende Frage. Auch und besonders für Chantal Laboureur. Die 29-Jährige war im Vorjahr zwar Deutschlands Beachvolleyballerin des Jahres und für eine Woche sogar Nummer eins der Welt. Doch kurz nach dem Jahreswechsel stand die Medizinstudentin plötzlich als Verliererin da. Das verletzungsbedingte Karriereende von Olympiasiegerin Kira Walkenhorst (die sich zudem über Drillinge freute) hatte eine Kettenreaktion an Partnerwechseln in Gang gesetzt, die irgendwann auch Laboureurs Leben auf den Kopf stellte. Die Stuttgarterin stand ausgerechnet am Geburtstag ohne Partnerin da, weil Julia Sude (31) fortan lieber mit Karla Borger zusammenspielt, nachdem deren bisherige Blockspielerin Magareta Kozuch (32) dem Ruf von Walkenhorsts Goldpartnerin Laura Ludwig (32) folgte.

Nach dem großen Frauentausch im Winter steigt für Superstar Ludwig nach eineinhalbjähriger Babypause nun nächste Woche in Xiamen (China) die Premiere in neuer Konstellation, auch Laboureur wird in Fernost erstmals mit Sandra Ittlinger (24) antreten. „Mir hatte Julias Wechsel-Entscheidung den Boden unter den Füßen weggezogen. Aber wer mich kennt, der weiß, dass ich eine Kämpferin bin“, erzählt Laboureur. „Ich sehe mit Sandra großes Potenzial, auch für ganz oben. Und der Druck liegt ja eher bei den anderen Teams, die sich so dringend verbessern wollten.“

Nun sind neue Partner im Beachvolleyball wie ein völlig neues Leben, und die ersten Trainingscamps auf Kreta und Teneriffa waren demnach so etwas wie die Flitterwochen. „Wir haben beide Power. Sandra springt so extrem hoch wie keine andere auf der Tour“, schwärmt Laboureur über Ittlinger, die sie bis vor kurzem kaum kannte. Nun lernt man täglich übereinander hinzu. „Bei Turnieren kommt es auch vor, dass nicht jede von uns ihren besten Tag hat. Dann ist es wichtig, kleine Krisen mit mehr Leistung, mehr Kommunikation oder auch mehr Vertrauen auszugleichen. Daran arbeiten wir intensiv“, erzählt Ittlinger, die für den VC Olympia Berlin startet und mit 1,81 Meter Körpergröße nicht zu den großen Blockspielerinnen zählt – Kozuch und Sude sind sieben bzw vier Zentimeter größer. „Aber ich weiß inzwischen, warum Chantal bei Umfragen von Profis zur Lieblings-Abwehrspielerin gewählt wurde. Bei ihr kann man sich noch besser auf seine Blockarbeit konzentrieren.“

Positives Denken ist im Beachvolleyball immer hilfreich, nicht nur auf dem Feld. Trotz Unterstützung durch den Deutschen Volleyball-Verband und die Bundeswehr gehen die Spielerinnen auch finanziell durchaus ins Risiko. Für den Erfolg bringen beide ihre bisherigen Privattrainer mit ein, die nun jeweils allein bezahlt werden müssen, dazu müssen Therapeuten und Psychologin finanziert werden. Aufgehen kann die Kostenrechnung letztlich nur bei entsprechendem Erfolg, also wenn auch genügend Preisgelder eingespielt werden.

Vier Topteams kämpfen um nur zwei Olympiastartplätze

Garantieren kann das keiner, deswegen hat die Experimentierfreude auch die Verbandsführung überrascht. „Ob das für alle die klügste Entscheidung war, wird man sehen“, meint Walkenhorst, die Olympiaheldin a. D. Und auch Brink orakelt bei Sport1: „Am Ende werden die Ergebnisse zeigen, ob Karla die bessere Spielerin für Julia ist.“ Niclas Hildebrand als Sportdirektor Beach im Deutschen Volleyball-Verband räumt ein: „Rein analytisch war der Zeitpunkt der Neufindung nicht optimal.“

Aber letztlich sei alles ja auf die Spiele 2020 in Tokio ausgerichtet, und bis dahin bleibt genügend Zeit für Fortschritte, die für einen von nur zwei Startplätzen reichen. Die WM-Tickets für Hamburg haben die vier Frauen-Teams dagegen quasi sicher, auch wenn es mit Victoria Bieneck/Isabel Schneider derzeit nur ein eingespieltes Duo gibt, das ohne Partnertausch auskam. Fakt ist auch, dass die Wechsel für Motivation sorgen. Laboureur mag nicht mal ausschließen, dass sie bei direkten Duellen auf dem Feld noch mal an die unerwartete Trennung denken muss. „Das wird für mich selber spannend zu sehen, was dann mit mir passiert. Wir werden sicher oft gegeneinander spielen, um es zu erfahren. Aber letztlich ist Julia eine Gegnerin wie jede andere, die man bezwingen will.“ Gute Unterhaltung scheint da garantiert, nicht nur bei der WM in Hamburg, sondern auch bei der EM in Moskau und den Deutschen Meisterschaften in Timmendorfer Strand (jeweils August). Denn natürlich wollen Laboureur/Ittlinger den Status als deutsches Paar Nummer eins, den sie dank der gemeinsam eingebrachten Ranglistenpunkte vor ihrem ersten Turnierauftritt einnehmen, nur zu gern verteidigen.