Bayern München

Nach Neuers Verletzung liegt der Titel in Ulreichs Händen

Weil der Nationaltorwart erneut eine Zwangspause einlegen muss, kommt es im Meisterschafts-Endspurt auf München Nummer zwei an.

Übergabe: Sven Ulreich (r.) wird beim 4:1 gegen Düsseldorf für Manuel Neuer eingewechselt.

Übergabe: Sven Ulreich (r.) wird beim 4:1 gegen Düsseldorf für Manuel Neuer eingewechselt.

Foto: Martin Meissner / pa/AP Photo

Düsseldorf/München.  Behandlung statt Training, Krücken statt Orden: Manuel Neuer bleibt vom Pech verfolgt. Der Nationaltorwart von Bayern München muss im Titel-Endspurt zwangsläufig für mindestens zwei Wochen wieder in die Zuschauerrolle schlüpfen. Der 33-Jährige wird das Bundesliga-Heimspiel am Sonnabend gegen Werder Bremen genauso verpassen wie das Halbfinale im DFB-Pokal gegen die Hanseaten nur vier Tage später.

Über seine Social-Media-Kanäle teilte Neuer zwar am Montag mit, er sei „optimistisch, im Saisonendspurt wieder im Tor zu stehen“. Sein einstweiliger Ausfall ist aber ein Rückschlag, der den Münchnern Sorgen bereitet. „Das trifft uns natürlich“, sagte Bayern-Trainer Niko Kovac nach dem 4:1 (2:0) bei Fortuna Düsseldorf.

Muskelfaserriss in der Wade

Allerdings, so Kovac weiter, habe er in Neuers Stellvertreter Sven Ulreich „hundertprozentiges Vertrauen“. Die Nummer zwei des Rekordmeisters, die Neuer in der Vorsaison in 47 Pflichtspielen vertreten hatte, demonstrierte nach dem Kurzeinsatz in Düsseldorf entsprechend großes Selbstbewusstsein: „Wenn es so sein sollte, dass ich noch öfter spielen werde, bin ich bereit und fit.“

Und Ulreich (30) wird öfter spielen. Neuer zog sich einen Muskelfaserriss in der Wade zu, wie eine Kernspintomografie nach der Rückkehr am Sonntagabend in München ergab. Eigentlich sollte der Weltmeister von 2014 zu dieser Zeit aus den Händen von Ministerpräsident Armin Laschet den Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen erhalten – für sein soziales Engagement.

Unglücklicher Ausfallschritt als Ursache

In der 52. Minute der Partie hatte Neuer nach einem unglücklichen Ausfallschritt das Signal an die Bank gegeben, dass es für ihn nicht mehr weitergeht. Der Keeper humpelte vom Feld, klatschte seinen Ersatzmann Ulreich kurz ab und schleppte sich später kommentarlos an Krücken in den Mannschaftsbus.

Sorgenfalten in seinem Gesicht ließen schon zu diesem Zeitpunkt nichts Gutes vermuten. Neuer wusste wohl schon, dass seine Verletzungsmisere anhalten würde. Wadenprobleme, Fingerverletzung, Mittelfußbruch – insgesamt musste Neuer seit der Saison 2017/18 schon 379 Tage wegen Blessuren pausieren und verpasste 59 Spiele.

Rückschlag auch im Duell mit DFB-Konkurrent ter Stegen

Die neuerliche Verletzung bedeutet nicht nur für ihn persönlich einen herben Rückschlag, etwa im Zweikampf mit Marc-Andre ter Stegen um die Nummer eins bei der Nationalmannschaft. Sie trifft auch für den Rekordmeister im spannenden Saisonendspurt um die Meisterschaft mit Borussia Dortmund.

Ulreich wunderte sich allerdings über die Verletzung, da Neuer zuletzt keine Schwierigkeiten gehabt habe. „Er hat im Training nicht den Eindruck gemacht, dass er nicht voll draufgehen kann“, sagte Ulreich, der aber auch eine Erklärung für die Muskelprobleme seines Kollegen parat hatte.

„Es ist einfach schwierig, nach so langer Verletzungspause wieder zurückzukommen“, sagte er, „es sind einfach brutal viele Spiele in der Saison, deswegen ist er schon sehr gefordert.“

Hummels: „Haben alles selbst in der Hand“

Zunächst ist jetzt Ulreich selbst gefordert. Da Münchens Nummer drei Christian Früchtl nach wie vor wegen einer Ellenbogenverletzung ausfällt, könnte Ron-Thorben Hoffmann aus dem Regionalligateam wieder auf die Bank rücken.

Ungeachtet der Personalprobleme – Innenverteidiger Mats Hummels erlitt in Düsseldorf eine Zerrung – wähnt sich Spitzenreiter Bayern auf dem richtigen Weg zu seinem 29. Meistertitel.

„Wir haben Dortmund auf Distanz gehalten und alles selbst in der Hand“, konstatierte Angreifer Thomas Müller. Auch Coach Kovac stellte klar: „Den ersten Platz wollen wir jetzt nicht mehr hergeben.“