Radsport

Politt Zweiter in der Hölle des Nordens

Der Deutsche muss sich nach 257 Kilometern über viele Kopfsteinpflaster-Passagen im Sprint dem Belgier Gilbert geschlagen geben

Nils Politt vom Team Katusha-Alpecin auf der Fahrt über das Kopfsteinpflaster

Nils Politt vom Team Katusha-Alpecin auf der Fahrt über das Kopfsteinpflaster

Foto: Dirk Waem / dpa

Roubaix. Im Baskenland zeigten gerade Emanuel Buchmann (Ravensburg) und Maximilian Schachmann (Berlin), was in ihnen steckt. Auf dem holprigen Weg von Paris nach Roubaix durch die „Hölle des Nordens“, wie die kraftraubende Strecke über 257 Kilometer und viele Kopfsteinpflaster-Passagen genannt wird, fuhr nun der Kölner Nils Politt lange vorweg.

Der 25-Jährige vom Team Katusha-Alpecin musste sich im ehrwürdigen Velodrome von Roubaix nur dem belgischen Ex-Weltmeister Philippe Gilbert geschlagen geben. Das Duo hatte sich 13 Kilometer vor dem Ziel auf einem der härtesten von insgesamt 29 Kopfsteinpflaster-Abschnitten aus einer kleinen Spitzengruppe abgesetzt. Auf der Betonpiste im Velodrome kam es schließlich zum Zwei-Mann-Sprint, den Gilbert knapp gewann. John Degenkolb (Frankfurt/Trek-Segafredo) verpasste den maßgeblichen Angriff und damit auch sein Ziel, das Rennen nach 2015 noch einmal zu gewinnen.

„Das ist unglaublich“, sagte der völlig entkräftete Politt nach der Zieldurchfahrt – dreckverschmiert, völlig fertig, aber überglücklich. Nach einer famosen Fahrt beim spektakulären Höhepunkt der Klassikersaison überwogen beim Kölner die Glücksgefühle. „Gegen Gilbert zu verlieren, ist keine Schande“, sagte Politt, nachdem er seine Frau innig umarmt hatte. Politt glänzte mit einer besonderen Widerstandsfähigkeit, kämpfte sich immer wieder verbissen heran, wenn er den Anschluss an die Spitze zu verlieren drohte.

„Ich bin glücklich, dass ich mich getraut habe, einen Angriff zu wagen. Ich habe gedacht: alles oder nichts“, so Politt, dem im Endspurt die Kraft fehlte: „Gilbert hat gepokert, und ich war einfach nicht mehr endschnell.“ Für das Team Katusha ist das Ergebnis besonders wegen der Formschwäche von Topsprinter Marcel Kittel wie Balsam auf die geschundene Seele. Gut 60 Kilometer vor dem Ziel entwickelte sich die entscheidende Rennsituation. Politt, zuletzt schon starker Fünfter bei der Flandern-Rundfahrt, verschärfte in einer Verpflegungszone das Tempo und forderte die Top-Favoriten um den dreimaligen Weltmeister und Vorjahressieger Peter Sagan (Slowakei) vom deutschen Team Bora-hansgrohe heraus, der schließlich Fünfter wurde.

Wie jedes Jahr gehörten auch schwere Stürze zum Renngeschehen. Unter anderem erwischte es den Niederländer Taco van der Hoorn (Jumbo-Visma) heftig, auch der belgische Routinier Iljo Keisse (Quick Step) war betroffen.