Handball

EM-Ticket krönt Gensheimers Rekordwoche

Deutschlands Handball-Star überholt beim Sieg gegen Polen nach Kretzschmar den nächsten großen Namen in der ewigen Torschützenliste.

Uwe Gensheimer (r.) freut sich mit seinen Teamkollegen über das EM-Ticket.

Uwe Gensheimer (r.) freut sich mit seinen Teamkollegen über das EM-Ticket.

Foto: Guido Kirchner / dpa

Dank der Tore von Linksaußen Uwe Gensheimer und der Paraden von Torhüter Silvio Heinevetter haben sich die deutschen Handballer vorzeitig für die EM 2020 in Österreich, Schweden und Norwegen qualifiziert. Das Team von Bundestrainer Christian Prokop gewann das Quali-Rückspiel gegen Polen vor 10.400 Zuschauern in Halle/Westfalen mit 29:24 (16:16) und ist damit zwei Spieltage vor dem Ende der Qualifikation nicht mehr von der Tabellenspitze der Gruppe 1 zu verdrängen.

Bester Werfer der deutschen Mannschaft war einmal mehr Kapitän Gensheimer, der insgesamt zehn Tore erzielte und sich dabei unter anderem fünfmal als sicherer Siebenmeterschütze erwies. Im Tor war Heinevetter „on fire“ und rechtfertigte mit etlichen Großtaten seine Nominierung.

„Unsere Leistung in der ersten Halbzeit stellt uns nicht zufrieden, in der Abwehr hatten wir nicht den zugriff“, sagte Prokop im ZDF: „In der zweiten Halbzeit hat sich die Mannschaft herausgekämpft und war auch stärker im Abschluss. Jetzt freue wir uns über das Ticket.“

Gensheimer ist seit Samstag der drittbeste Torschütze in der deutschen Länderspielgeschichte. Mit seinem zehn Toren gegen Polen verbesserte er seine Trefferquote auf 828 in 172 Länderspielen und überflügelte damit in dieser Woche nach Stefan Kretzschmar nun auch den bisher drittplatzierten Florian Kehrmann.

Vor Gensheimer liegen nur noch Frank-Michael Wahl, der für die DDR (1338) und die BRD (74) 1412 Tore in 344 Länderspielen erzielte, und Christian Schwarzer (966/319). „Das hört sich gut an“, sagte Gensheimer, der im Sommer von Paris Saint-Germain zu den Rhein-Neckar Löwen wechseln wird. : „Ich habe Florian vor dem Spiel auf der Tribüne gesehen und mir gesagt, den muss ich heute einholen.“

Prokop begann mit zwei Linkshändern in der Startformation, Fabian Wiede spielte auf Mitte, Steffen Weinhold im rechten Rückraum. Zudem stand Fabian Böhm, der beim 26:18 im Hinspiel am vergangenen Mittwoch in Gleiwitz noch geschont worden war, von Beginn an auf der Platte. Im Tor erhielt Heinevetter den Vorzug vor Wolff, und der Berliner bedankte sich bereits in den ersten Minuten mit zwei starken Paraden und einem gehaltenen Siebenmeter.

Seine Vorderleute fanden dagegen nicht so recht ins Spiel. Im Angriff scheiterten Patrick Wiencek, Steffen Weinhold und Fabian Böhm mehrfach am ausgezeichneten polnischen Keeper Mateusz Kornecki, die Abwehr packte bei weitem nicht so konsequent zu wie üblich.

Während die Torausbeute nicht zuletzt dank der erneut gut funktionierenden Flügelzange mit Gensheimer und Patrick Groetzki von Minute zu Minute besser wurde, ließ sich die hochstehende 3-2-1-Deckung mit Hendrik Pekeler an vorgezogener Position zu häufig von den Polen überrumpeln. Zur Pause hatte Deutschland lediglich zwei Gegentore weniger kassiert als in Gleiwitz während des gesamten Spiels.

Nach der Pause zeigten die Gastgeber zur Freude der Zuschauer ein anderes Gesicht. Schnell ging Deutschland mit 19:16 in Führung und ließ die Polen im weiteren Verlauf der Partie nicht mehr näher als bis auf zwei Treffer rankommen. Deutsche Tore fielen nun endlich auch aus der zweiten Reihe, dagegen scheiterten die Polen ein ums andere Mal am überragenden Heinevetter.

Dennoch bleibt für Prokop noch einiges zu tun, in den noch ausstehenden Qualifikationsspielen in Israel (12. Juni) und gegen den Kosovo (16. Juni) hat er mit dem EM-Ticket in der Tasche aber Zeit zum Experimentieren. Es ist zu erwarten, dass wie schon beim Testspiel im März in Düsseldorf gegen die Schweiz etliche junge Spieler und möglicherweise auch einige Debütanten zum Einsatz kommen werden.