Hertha-Gegner

Ishak Belfodil ist Hoffenheims Lewandowski light

Bei Hertha-Gegner Hoffenheim ist Stürmer Ishak Belfodil derzeit nicht zu stoppen. Nur Bayerns Top-Star traf 2019 häufiger

Die neun Rückrundentore von Ishak Belfodil (l.), hier gegen Herthas Derrick Luckassen, werden aktuell nur von Bayerns Robert Lewandowski (11) getoppt.

Die neun Rückrundentore von Ishak Belfodil (l.), hier gegen Herthas Derrick Luckassen, werden aktuell nur von Bayerns Robert Lewandowski (11) getoppt.

Foto: Soeren Stache / picture alliance/dpa

Berlin. Sebastian Langkamp (31) befindet sich inzwischen in der angenehmen Situation, bei Werder Bremen recht regelmäßig zum Einsatz zu kommen. An die Zeiten als Ersatzkraft denkt der frühere Hertha-Profi dennoch nicht ungern zurück, auch sie hatten ihre Vorzüge – etwa wenn es in den Abschlussspielen im Training zum Klassiker Startelf gegen Reservisten kam.

Bei Werders Reservisten spielte in der vergangenen Saison noch einer mit Langkamp, der inzwischen bei Herthas kommendem Gegner TSG Hoffenheim untergekommen ist und dieser Tage als einer der treffsichersten Stürmer der Bundesliga reüssiert. Die Rede ist von Ishak Belfodil (27), mit fünf Toren in den vergangenen zwei Spielen so etwas wie der Stürmer der Stunde.

Neun seiner 13 Saisontore schoss er in der Rückrunde

Insgesamt steht er schon bei 13 Treffern. Will Hertha am Sonntag (13.30 Uhr, Eurosport-Player) bei der TSG nicht die fünfte Niederlage infolge kassieren, werden die Berliner Belfodil aus dem Spiel nehmen müssen. Die Frage ist nur wie?

„Er war einer der unangenehmsten Gegenspieler meiner gesamten Laufbahn“, sagt Langkamp, „deshalb war ich immer froh, wenn ich im Training nicht gegen ihn spielen musste und er in meinem Team war.“ Was den Algerier so gefährlich macht? „Er ist schnell, körperlich robust, hat ein gutes Timing, ein gutes Kopfballspiel und ist beidfüßig“, erklärt Langkamp, „er ist einfach schwer aufzuhalten.“

Bei einer Körpergröße von 1,91 Meter und 85 Kilogramm wirkt der Nationalspieler bullig, kann neben seiner Körperlichkeit aber auch auf eine hervorragende Technik zählen. Seine Tricks sind schwer auszurechnen, seine Tempodribblings ein Graus für alle Gegner.

Ex-Kollege Langkamp warnt vor dem kompletten Angreifer

„Neben Robert Lewandowski ist er für mich als Gegenspieler der unangenehmste Stürmer der Bundesliga, eben weil er so komplett ist“, sagt Langkamp.

Dass Belfodil eine derart beeindruckende Saison spielen würde, war trotz seiner Anlagen nicht zu erwarten. In Bremen hatte er es in 26 Einsätzen nur auf vier Treffer gebracht, da wirkten die 5,5 Millionen Euro, die Hoffenheim im Sommer 2018 offerierte, wie ein Angebot, dass man aus Werder-Sicht auf keinen Fall abschlagen sollte.

Während seiner Karriere hatte sich Belfodil den Ruf erworben, nicht zu den einfachsten Typen zu zählen, zu einer gewissen Sprunghaftigkeit zu neigen. In den vergangenen sieben Jahren heuerte er bei neun verschiedenen Klubs an – in Frankreich, Italien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Belgien und Deutschland. Rastlos streifte der Angreifer durch die Fußballwelt und auch in Hoffenheim sah es zunächst so aus, als würde er dort nur kurz verweilen.

Von Trainer Nagelsmann suspendiert

Die Hinrunde lief nicht gut für ihn, meist kam er nur von der Bank, manchmal wurde er gar nicht berücksichtigt. Vor dem ersten Champions-League-Spiel gegen Donezk wurde er von Trainer Julian Nagelsmann gar suspendiert, weil er eine Mannschaftssitzung verpasst hatte. Das alles passte zum divenhaften Bild eines Luftikus, das sich Belfodil im Laufe seiner Karriere erworben hatte.

„Manche sagen, er wäre arrogant, andere empfinden ihn für einen Mannschaftssportler als zu sehr für sich, aber ich kann das nicht bestätigen“, sagt Langkamp. „Im Fußball ist alles ein Tick weit Fassade und vielleicht ist die angebliche Arroganz seine Fassade. Ich bin mit ihm immer gut klargekommen. Er besitzt einen trockenen Humor und kann über sich selbst lachen.“

In Hoffenheim kommen sie mit Belfodil auch immer besser klar, nicht nur wegen seiner Selbstironie und der vielen Tore, die er inzwischen schießt. Der Stürmer arbeitet nun mehr für die Mannschaft, sein Verhalten bei gegnerischem Ballbesitz habe sich verbessert, erzählte Nagelsmann unlängst. Hoffenheims Trainer hatte dem Neuen eine gewisse Eingewöhnungszeit zugestanden, wohlwissend um den hohen Anspruch seiner Fußball-Lehre.

Nun zählt auch Belfodil zu den Jüngern, der Nagelsmanns Anweisungen artig folgt. Mit dem Kroaten Andrej Kramaric, der 15 Tore schoss, bildet Belfodil eines der gefährlichsten Angriffsduos der Liga.

Einzige Schwäche ist die schlechte Chancenverwertung

Überhaupt die Hoffenheimer Offensive. Nur der FC Bayern und Borussia Dortmund haben bisher mehr Tore erzielt als die TSG. Und es hätten noch mehr sein können, würde Belfodil über eine bessere Chancenverwertung verfügen. „Das ist seine einzige Schwäche“, sagt Langkamp, „manchmal ist er zu egoistisch, aber das ist wohl normal für einen Stürmer seiner Klasse.“

Am vorletzten Spieltag muss der Ex-Herthaner mit Werder zur TSG, dann könnte es zum Duell mit Belfodil kommen. Vermutlich wird es dann auch darum gehen, wer in der kommenden Saison im Europapokal antreten darf. „Das könnte eine Art Endspiel werden, darauf freue ich mich“, sagt Langkamp. Was das direkte Aufeinandertreffen mit Ishak Belfodil angeht, hält sich seine Freude eher in Grenzen.