Berliner Halbmarathon

Weltrekord vom Winde verweht

Die Niederländerin Hassan dominiert den Halbmarathon, verpasst aber eine neue Bestmarke. Bei den Männern liegen drei Kenianer vorn.

Konkurrenzlos als Erste im Ziel: Sifan Hassan ließ die Zweitplatzierte am Sonntag knapp drei Minuten hinter sich.

Konkurrenzlos als Erste im Ziel: Sifan Hassan ließ die Zweitplatzierte am Sonntag knapp drei Minuten hinter sich.

Foto: Jan Huebner/Lakomskivia www.imago-images.de / imago images / Jan Huebner

Berlin. Eigentlich sei das Wahnsinn, sagte Mark Milde. Da war die Niederländerin Sifan Hassan beim Berliner Halbmarathon mit 65:45 Minuten soeben Streckenrekord gelaufen, die zweitbeste Zeit einer Europäerin aller Zeiten. Doch der Renndirektor musste sich trotzdem fast dafür entschuldigen, dass es am Ende nicht der erhoffte Weltrekord geworden war.

Erfolg verpflichtet eben – wann immer in Berlin ein großes Straßenrennen ansteht, erwartet das Publikum die schnellstmöglichen Zeiten. „Im ersten Moment denkt man natürlich: Schade, dass es keinen Weltrekord gab. Aber das ist wirklich klagen auf hohem Niveau“, sagte Milde. „Es war wieder ein super Erlebnis für alle Teilnehmer.“

Auf dem Kudamm verlieren die Tempomacher den Anschluss

Das fand offenbar auch Siegerin Sifan Hassan, die direkt ankündigte, im nächsten Jahr wiederzukommen, um dann womöglich wirklich noch ein wenig schneller zu laufen. Auf den ersten Kilometern hatte die 26-Jährige noch auf Weltrekordkurs gelegen, anfangs von begleitet von Veronica Nyaruai aus Kenia, die allerdings bald darauf abreißen lassen musste.

Auf dem Kurfürstendamm wurde Hassan dann aber vom starken Gegenwind ausgebremst. Ausgerechnet in dieser Phase ließen ihre Tempomacher die Lücke etwas zu groß werden. „Ich habe getan, was ich konnte, aber am Ende wurden die Beine schwer“, sagte sie. Weil die Leichtathletik-WM in Doha (Katar) dieses Mal erst ungewöhnlich spät Ende September stattfindet, fehlte zum jetzigen Zeitpunkt der Saison noch die nötige Tempohärte.

Schnellste Berlinerin ist Deborah Schöneborn

Im Ziel lag Hassan dennoch deutlich vor Nyaruai (68:51), die mit über drei Minuten Rückstand Zweite wurde. Seit dem Jahr 2000 hat keine Siegerin mehr derart dominiert wie die gebürtige Äthiopierin. Beste deutsche Läuferin war auf Platz sechs Fabienne Amrhein in 71:39 Minuten, gleich dahinter kam mit Deborah Schöneborn (LG Nord/73:00) schon die schnellste Berlinerin. Zuletzt war 2001 eine Hauptstadtläuferin im Halbmarathon so flott unterwegs gewesen.

Auch das Männerrennen konnte die hochgesteckten Erwartungen nicht ganz erfüllen, zumindest was die Siegerzeit angeht, die seit 2005 nicht mehr so langsam ausfiel. Dafür ging es so spannend zu wie selten: Gerade einmal zwei Sekunden lagen die drei Erstplatzierten im Ziel auseinander.

Für Debütant Ringer ist die Spitzengruppe in Sicht

Es siegte William Wanjiku aus Kenia (61:00), dicht gefolgt von seinen Landsleuten Kilimo Rhonzas (61:01) und Alfred Ngeno (61:02), der eigentlich nur das Tempo sorgen sollte. Erst unterwegs entschied er sich, das Rennen doch zu Ende zu laufen. „Es war ein harter Kampf. Bis zum letzten Meter war ich mir nicht sicher, dass ich gewinnen würde“, sagte William Wanjiku.

Ein starkes Debüt auf der Straße feierte Richard Ringer, der nach 62:10 Minuten als Siebter und damit bester Deutscher ankam. Er hatte von Anfang an ein hohes Tempo angeschlagen und noch am Potsdamer Platz sogar Sichtkontakt zur Spitze. „Ich habe kurz überlegt, ob ich zur ersten Gruppe aufschließen soll“, erzählte er später. „Gut, dass ich das nicht gemacht habe: Zwischen Kilometer 15 und 20 konnte ich auch so kaum noch Gas geben. Da ist mein Körper einfach noch nicht so weit“, sagte Ringer, der sonst auf der Bahn über deutlich kürzere Distanzen unterwegs ist.

Bei den Skatern siegen zwei Franzosen

Bemerkenswert auch das Ergebnis von 69:37 Minuten von Triathlet Patrick Lange: Deutschlands Sportler des Jahres war in Berlin hauptsächlich zum Spaß mitgelaufen und schwärmte anschließend von der Organisation und der Atmosphäre entlang der Strecke. Am schnellsten absolvierte diese am Sonntag jedoch der Franzose Nolan Beddiaf: Der Sieger bei den Skatern benötigte für die 21,0975 Kilometer gerade einmal 30:41 Minuten. Bei den rollenden Frauen kam die Gewinnerin mit Chloé Geoffroy (36:59) ebenfalls aus Frankreich.