Halbmarathon in Berlin

Wenn man beim Sporttreiben geblitzt wird

Inline-Speedskater wie Paul Schlichting erreichen nicht nur beim Halbmarathon Geschwindigkeiten, die über dem Tempolimit für Autos liegen.

Inline-Speedskater Paul Schlichting startet heute auch beim Halbmarathon.

Inline-Speedskater Paul Schlichting startet heute auch beim Halbmarathon.

Foto: jörg Krauthöfer /Funke MedienGruppe

Der Schlumpf muss mit, da macht Paul Schlichting keine Ausnahme. Wenn der Speed-Inlineskater vor dem Halbmarathon seine Sachen packt, ist die kleine Gummifigur mit Skates, Helm und Sonnenbrille, die er einst als Glücksbringer von seiner Mutter bekam, natürlich mit im Gepäck. Doch es gibt noch eine andere Sache, die Schlichting auf keinen Fall vergessen darf, und das ist ausreichend Babypuder. Ohne das würde der 18-Jährige gar nicht erst in seine maßgefertigten Karbonschuhe hineinkommen. Doch wenn die Skates erst einmal sitzen, gibt es kein Halten mehr.

Mit rund 50 Stundenkilometern wird der junge Schöneberger am Sonntag durch die Stadt rasen, „das ist ein absoluter Adrenalinkick“, sagt er. So schnell ist er unterwegs, dass er aufpassen muss, dass er von den stationären Messgeräten entlang der Strecke nicht plötzlich geblitzt wird. Schlichting geht als Lokalmatador ins Rennen. Er startet für den SCC Skating sowie für das Profiteam der IKK-BB, dem auch der Vorjahressieger Sebastian Mirsch angehört. Schon als Kind hatte er auf dem Winterfeldtplatz seine ersten Versuche auf Rollen unternommen. Im Verein hatte ihn seine Mutter ursprünglich nur deshalb angemeldet, damit er dort das Bremsen lernen würde. Inzwischen geht es eher um die optimale Beschleunigung.

„Für Speedskating braucht man eine gute Körperbeherrschung“, erklärt Paul Schlichting, schließlich würde der Abdruck nicht nur aus den Beinen erfolgen, sondern größtenteils aus der entsprechenden Gewichtsverlagerung des gesamten Körpers. Das Ganze erinnert auf den ersten Blick an Eisschnelllauf und tatsächlich gibt es zwischen beiden Sportarten viele Gemeinsamkeiten. Allerdings rollt es sich auf Skates nicht ganz so flüssig wie man auf den Kufen dahingleitet. Zudem läuft auf dem Eis – mit Ausnahme des Massenstarts – jeder sein eigenes Rennen auf seiner Bahn, während die Inlineskater immer das direkte Duell Mann gegen Mann erleben, Körperkontakt inklusive.

Auf die richtige Taktik kommt es an. Im Training übt Schlichting deshalb regelmäßig, die optimale Position zu erkämpfen und zu verteidigen oder wie man kräftesparend im Windschatten fährt. Bis zu 30 Prozent Energie lassen sich auf diese Weise einsparen.

Längst gehören die Inlineskater bei großen Laufveranstaltungen zum festen Programm. Der Berliner Halbmarathon am Sonntag ist sogar das weltgrößte Inlinerennen über diese Distanz und zudem Auftakt für den German Inline Cup. Auf der Straße werden aber auch kürzere Distanzen ausgetragen. Daneben gibt es Bahnwettbewerbe auf Betonbelag, der sehr viel reibungsloser ist als Straßenasphalt. Die Distanzen liegen zwischen 300 Metern und 20.000 Metern, was 100 Runden auf der 200-Meter-Bahn entspricht. Dabei gibt es unterschiedliche Rennmodi, darunter ein Punkterennen analog zum Sechstagerennen im Radsport sowie Ausscheidungswettkämpfe.

Paul Schlichting tritt wie die meisten Speed-Inlineskater sowohl auf der Bahn als auch auf der Straße an. Einen Unterschied gibt es eher zwischen Sprintern und Langstrecklern. Die Lieblingsstrecke des Berliners sind die 1000 Meter. Auf dieser Strecke rechnet er sich auch bei der Junioren-EM im September in Pamplona (Spanien) Chancen aus. „Mein Ziel ist eine Medaille“, sagt er. Bei den Weltmeisterschaften in Barcelona peilt er im Juni ebenfalls eine vordere Platzierung an. Im Juniorenbereich werden immer zwei Jahrgängen zusammengewertet – in den vergangenen beiden Jahren hatte Schlichting Pech, dass er aufgrund einer Regeländerung gleich zwei Mal zum jüngeren Jahrgang gehörte. Die Taktik im deutschen Team war auf die älteren Fahrer ausgerichtet, für ihn blieb nur die Rolle des Adjutanten. „Jetzt bin ich endlich der ältere Jahrgang und 2019 wird hoffentlich mein Jahr“, sagt er. Der Schlumpf wird dabei stets an seiner Seite sein.