Handball

Kiels Trainer Gislason will zum Abschied den DHB-Pokal

Im Halbfinale am Sonnabend geht es für den THW gegen die Füchse Berlin. Das soll nur ein Schritt auf dem Weg zum ganz großen Erfolg werden.

Kiels Trainer Alfred Gislason

Kiels Trainer Alfred Gislason

Foto: Frank Molter / dpa

Berlin. Anfang der Woche nahm sich Alfred Gislason nochmal eine kleine Auszeit. Nach getaner Arbeit erholte sich der Trainer des THW Kiel an seinem heimischen Herdfeuer.

Entspannen, Kraft tanken und voll fokussieren. Auf das, was da kommt. Auf das Final Four des DHB-Pokals am Wochenende in Hamburg, auf den Inbegriff der ersten Titelhoffnung für den Handball-Rekordmeister.

Im zweiten Halbfinale spielen Hannover und Magdeburg ums Finale

„Natürlich werde ich alles dafür geben, dass wir ein letztes Mal zusammen den Pokal gewinnen“, sagt Gislason. Das letzte Mal wäre gleichzeitig das sechste Mal für den Isländer, der am Ende der Saison seine Trainer-Karriere beim THW beendet. Auch wenn sein bevorstehender Abschied für den 59-Jährigen „nebensächlich“ sei, wie er selbst sagt. Das Ergebnis am Sonnabend ist es nicht.

Im Halbfinale wartet auf den Rekordtitelträger (zehn Siege) des DHB-Pokals das Hauptstadt-Team der Füchse Berlin (18.30 Uhr, frei empfangbar auf Sky Sport News HD). Gefühlt ein Pflichtsieg, schließlich haben die Berliner zuletzt in der Liga wenig überzeugen können und nur im EHF-Pokal hin und wieder ihre Klasse aufblitzen lassen. „Das wird eine schwierige Aufgabe. Berlin spielt manchmal sehr gut, manchmal weniger gut. Bei denen geht es auf und ab“, sagt Kiels Rückraumspieler Harald Reinkind der „Handballwoche“.

Im Finale am Sonntag (15.10 Uhr, ARD) würde der THW dann entweder gegen den SC Magdeburg oder gegen die TSV Hannover-Burgdorf (erstes Halbfinale am Sonnabend um 15.50 Uhr, ARD) um seinen insgesamt elften Pokalsieg kämpfen.

In Wendgräben in Brandenburg wird er sich zur Ruhe setzen

Die Chancen stehen gut. Immer wenn Gislason mit dem Klub von der Förde für das Final Four qualifiziert war, holte er auch den Titel. Letztes Mal 2017. „Ich bin dankbar, dass ich das ein letztes Mal auf der Bank miterleben darf“, sagt Gislason, der passionierte Rosenzüchter, der in Wendgräben in Brandenburg auf einem alten Bauernhof lebt und sich nach 22 Jahren Bundesliga auf die freie Zeit mit seinen Enkelkindern freut.

Doch bevor es soweit ist, hat der Coach, der seit 2008 mit Kiel sechs Mal deutscher Meister wurde, zweimal die Champions League gewann, eben jene fünf Pokalsiege holte und einmal Klub-Weltmeister wurde, noch eine Mission zu erfüllen.

Seine elfte Saison soll nicht ohne einen großen Erfolg enden. „Ohne Titel zu gehen, wäre schlimm“, hatte Gislason kurz vor Weihnachten gesagt. Als Flensburg in der Bundesliga davonzog.

Verjüngtes Team soll sich beweisen

Mittlerweile haben die Kieler den Abstand zum Nachbarn im Norden wieder auf zwei Punkte verkürzt, sind für das Final Four im EHF-Pokal Mitte Mai in eigener Halle qualifiziert und haben sich mit dem DHB-Pokal noch eine dritte Titelchance offen gehalten. „Ein oder zwei Titel wären ein großartiger Abschluss“, sagt Gislason.

Das wird Andreas Wolff ähnlich sehen. Auch der Nationaltorhüter verlässt Kiel im Sommer und will sich mit einem Titel verabschieden. Der Rest der Mannschaft um Torjäger Niclas Ekberg, Superstar Domagoj Duvnjak und dem deutschen Abwehr-Duo Hendrik Pekeler und Patrick Wiencek hat das dringende Bedürfnis zu zeigen, dass der Umbruch in Kiel, bei dem sie dem Team vor drei Jahren eine Verjüngungskur verordneten, doch mehr Erfolge nach sich zieht als nur den Pokalsieg vor zwei Jahren.

Welthandballer Jicha übernimmt für den Isländer

Und dann steht in der neuen Saison auch schon Umbruch Nummer zwei bevor. Welthandballer Filip Jicha wird an der Seitenlinie übernehmen, soll nach elf Gislason-Jahren neue Impulse beim THW setzen. Dazu wird Weltklasse-Spieler Sander Sagosen (kommt von Paris St. Germain) ab 2020 für Kiel auflaufen.

Die Zukunft an der Förde soll schließlich titelreich werden. Sowohl die der kommenden Monate, als auch die der nächsten Jahre. Nur dann eben ohne Alfred Gislason. Der genießt dann seine dauerhafte Auszeit.