Herthas Gegner

Friedhelm Funkel ist einfach gut

Dass Herthas früherer Trainer nun mit Fortuna Düsseldorf die Klasse hält, liegt auch an seiner simplen Fußball-Lehre.

Wer zuletzt lacht: Friedhelm Funkel war als Trainer schon abgeschrieben. Mit Düsseldorf gelingt dem 65-Jährigen jedoch ein grandioses Spätwerk.

Wer zuletzt lacht: Friedhelm Funkel war als Trainer schon abgeschrieben. Mit Düsseldorf gelingt dem 65-Jährigen jedoch ein grandioses Spätwerk.

Foto: Rolf Vennenbernd / dpa

Eigentlich ist Friedhelm Funkel (65) schon zu lange dabei, eigentlich hat er schon zu viel erlebt als Fußballer und als Trainer, um sich frühzeitig sicher zu fühlen. Aber in all den Jahren, 30 sind es nun schon an der Zahl als Trainer, hat sich auch eine milde Gelassenheit eingestellt. Und ein gesunder Realismus. Mit Fortuna Düsseldorf liegt er vor dem Gastspiel am Sonnabend bei Hertha BSC (15.30 Uhr) auf Platz elf, der Vorsprung auf den Relegationsplatz beträgt 14 Punkte bei noch sieben ausstehenden Spielen. Also, was soll da noch passieren? „Ich bin fest davon überzeugt, dass wir in der Bundesliga bleiben“, sagt Funkel.

4:1-Hinspielsieg gegen Berlin als Wendepunkt der Saison

Düsseldorf wird auch im kommenden Jahr in der höchsten deutschen Spielklasse antreten, das kann als gewiss gelten, und wer das vorher prophezeit hätte, hätte mindestens als Fantast oder Spinner gegolten. Erst recht, hätte er darauf bestanden, dass diese Sicherheit bereits Anfang April herrscht.

Funkel und die Fortuna haben eine der überraschendsten Geschichten der letzten Jahre geschrieben in einem immer vorhersehbarer werdenden Wettbewerb. Wenn Funkel sagt, „ich war noch nie so abgeschrieben wie mit der Fortuna“, dann ist das keine der branchenüblichen Untertreibungen, in die sich Trainer von Außenseitern gern flüchten. Es ist schlicht die Wahrheit.

Düsseldorfs Aufstieg wurde bereits als eine Laune der Zweiten Liga wahrgenommen, als Betriebsunfall, der sich in der Bundesliga schon korrigieren würde. Mit einem Team voller unbekannter Aufstiegshelden war Düsseldorf im Sommer angetreten, das durch genauso unbekannte Zugänge verstärkt wurde. Neben Mitaufsteiger Nürnberg galt Düsseldorf als erster Abstiegskandidat. „Wir haben Spieler, die woanders keine Stammspieler waren und erst bei uns an die Bundesliga herangeführt wurden. Ich bezeichne uns gern als heranwachsende Bundesligamannschaft“, sagt Funkel. Dass es mit dem Erwachsenwerden so schnell vorangehen würde, hatte er nicht erwartet.

Ausschlaggebend war ein Tag im November. Düsseldorf empfing damals als Tabellenletzter Hertha BSC und schickte die Berliner 4:1 nach Hause. Zuvor hatte die Fortuna sechs Spiele in Folge verloren, bei einem Torverhältnis von 2:20. „Das war der Wendepunkt, dieses Spiel hat uns Selbstvertrauen gegeben, weil wir gesehen haben, dass wir doch in der Bundesliga bestehen können“, sagt Funkel. Es folgte eine beachtliche Serie mit einem Punkt beim FC Bayern (3:3) und drei Siegen vor der Winterpause.

Herthas Pal Dardai hält große Stücke auf seinen Ex-Coach

In Berlin wurde das Resultat in Düsseldorf als große Schmach wahrgenommen, vor dem Rückspiel haben sich die Kräfteverhältnisse verschoben. Fortuna liegt nur noch einen Punkt hinter Hertha und angesichts von jüngst drei Niederlagen wären sie bei Hertha schon froh, überhaupt gewinnen zu können.

Ausgerechnet Funkel werden einige sagen. Der trainierte vor neun Jahren kurz auch Hertha BSC und stieg am Ende mit den Berlinern ab. Funkel galt als personifizierte Mutlosigkeit, als einer, der nicht gern viel riskierte und am Ende lieber das Unentschieden mitnahm, statt auf Sieg zu spielen. Bei seinen Spielern war er dennoch beliebt, sein menschlicher Umgang kam an. „Er hat auch damals in Berlin schon gut gearbeitet, aber er hatte das Pech, dass die Stürmer nicht getroffen haben“, sagt Pal Dardai, der zu dieser Zeit noch Profi war, „er ist ein guter Mensch und ein guter Trainer.“

Nach seiner Etappe in Berlin galt Funkel in einer immer jünger werdenden Trainerbranche als verbraucht, sein Image als Retter hatte gelitten und auch spätere Anstellungen in Bochum, Aachen oder bei 1860 München stellten den Ruf nicht wieder her. Erst als er entgegen seiner eigentlichen Absicht mit Fortuna Düsseldorf noch mal eine Mannschaft übernahm, kehrte der Erfolg zurück.

Funkel passt mit seiner unaufgeregten Art zu diesem aufgeregten Standort, er weiß um die Fähigkeiten seiner Spieler. Und noch wichtiger, er weiß was sie nicht können. Er versucht nicht, sie durch überladene Trainingseinheiten zu verunsichern oder mit waghalsigen Matchplänen ins Verderben zu schicken. Funkel reduziert Fußball auf seine Grundelemente und das kann durchaus guttun, wenn Fußballer nicht über die Qualitäten ihrer Kollegen von Manchester City oder Paris St. Germain verfügen.

„Wir haben von Anfang an gewusst, dass wir gegen den Abstieg spielen und uns auch nicht durch Negativserien aus der Ruhe bringen lassen“, sagt Funkel. Ein 0:4 gegen Leipzig wurde als normalste Sache der Welt gewertet, prompt folgte ein 1:1 in Hoffenheim.

Die Saison ist aus Düsseldorfer Sicht zu schön, um wahr zu sein, und wäre da nicht die Posse um Funkels Vertragsverlängerung gewesen, sie würde glatt als perfekt durchgehen. Fortunas Bosse wollten erst nicht mit dem Trainer weitermachen, als der Druck von Fans und Team zu groß wurde, mussten sich doch einlenken. Es wäre auch ein unwürdiges Ende einer Geschichte gewesen, die Friedhelm Funkel „eine der schönsten meiner gesamten Karriere“ nennt.