Leichtathletik

Richard Ringer startet auf hartem Pflaster

Der 10.000-Meter-Spezialist gibt am Sonntag beim Berliner Halbmarathon sein Debüt auf der Straße.

Bei der Leichtathletik-EM 2018 musste Richard Ringer (r.) sein Rennen über 10.000 Meter verletzungsbedingt abbrechen.

Bei der Leichtathletik-EM 2018 musste Richard Ringer (r.) sein Rennen über 10.000 Meter verletzungsbedingt abbrechen.

Foto: Gladys Chai von der Laage / picture alliance / Gladys Chai von der Laage

Berlin. Eigentlich hatte Richard Ringer sein Ziel klar verfehlt. Als Tempomacher war der Läufer im vergangenen Herbst beim Frankfurt-Marathon an der Seite von Arne Gabius unterwegs – vorgesehen war, dass er nach 28 Kilometern aussteigt, weil dort eine Bahnstation in der Nähe war, von der aus er schnell wieder in Richtung Hauptbahnhof gekommen wäre. Doch Ringer verpasste den richtigen Augenblick und lief so kurzerhand noch drei Kilometer weiter.

Weniger als 62 Minuten sind das Ziel

Umso größer war nach dem Rennen allerdings die Anerkennung für den Rehlinger, der ansonsten hauptsächlich auf der Laufbahn im Stadion über 5000 und 10.000 Meter zu Hause ist. Etliche Leichtathletik-Experten rieten ihm, möglichst bald den Umstieg auf die Straße anzugehen.

Am Sonntag ist es nun so weit, Ringer startet beim Berliner Halbmarathon und hat dort große Ambitionen: „Ich möchte auf jeden Fall unter 62 Minuten bleiben“, sagt Ringer. Derart schnell war in den zurückliegenden zwei Dekaden nur ein deutscher Läufer gewesen: der Frankfurter Homiyu Tesfaye, der im vergangenen Jahr 61:20 Minuten gelaufen war.

Er trainiert vor allem seine Grundlagenausdauer

Für seinen ersten ernsthaften Versuch im Halbmarathon hat sich Ringer die schnellste Strecke Deutschlands ausgesucht. An seinen letzten Auftritt in Berlin hat der 30-Jährige allerdings keine guten Erinnerungen. Als Europas Jahresschnellster und Mitfavorit über 10.000 Meter war er bei der EM 2018 im Olympiastadion angetreten, doch er musste das Rennen aufgrund einer Wadenverletzung vorzeitig abbrechen.

Über 5000 Meter ging er einige Tage später erst gar nicht an den Start. Für dieses Jahr beschloss er, die Dinge etwas anders anzugehen. Anstatt wie sonst in der Halle zu laufen, legte Ringer den Fokus verstärkt auf die Grundlagenausdauer.

Halbmarathon soll Abwechslung in den Trainingsalltag bringen

Weil jedoch die Weltmeisterschaften in Doha (Katar) dieses Mal erst im Herbst (27. September bis zum 6. Oktober) stattfinden und Ringer daher sowieso später als sonst in die Bahnsaison einsteigt, dient die Teilnahme am Halbmarathon gewissermaßen als Ablenkung, um bis dahin keinen Lagerkoller zu bekommen.

„Man kann ja nicht immer nur trainieren, sondern will sich zwischendurch auch einmal im Wettkampf messen“, erklärt er. Einen vollständigen Wechsel zum Straßenlauf schließt er vorerst allerdings aus, bis zu den Olympischen Spielen 2020 in Tokio sieht er seine Zukunft weiterhin auf der Bahn. „Ich habe das Gefühl, dass ich auch dort noch nicht mein ganzes Potenzial ausgereizt habe“, sagt er. Oder anders ausgedrückt: Mit dem Ergebnis der vergangenen Europameisterschaften will sich Richard Ringer nicht von der Tartanbahn verabschieden.

Mit besonderer Rennstrategie auf die ungewohnte Distanz

Ursprünglich wollte er sein erstes Rennen über 21,0975 Kilometer bereits im Februar in Japan absolvieren, doch da fühlte er sich noch nicht in der richtigen Verfassung. Umso mehr steht er nun in Berlin im Rampenlicht. Seine Taktik: „Ich will es auf den ersten fünf Kilometern ruhig angehen lassen und mich dann hinten raus steigern.“

Mit einigem Respekt geht er die ungewohnte Distanz an, schließlich sei selbst ein Weltklassemann wie Dieter Baumann im Straßenlauf nie wirklich zurechtgekommen. „Auf der Straße ist ein ganz anderer Laufschritt gefragt“, erklärt Ringer.

Aus dem Trainingslager auf die Straße

Hinzu kommt, dass er erst am Donnerstagabend direkt aus dem Höhentrainingslager in den USA nach Berlin anreist, was durchaus ein Risiko darstellt. „Wir müssen abwarten, wie ich die Höhe und den langen Flug überstanden habe“, sagt er. Grundsätzlich komme er mit dem ausdauerbetonten Training bislang aber gut zurecht.

Bei den deutschen Crossmeisterschaften schaffte Ringer unlängst als erster Leichtathlet das Double mit Siegen sowohl über die Mittel- als auch über die Langstrecke. Auch deshalb ist er zuversichtlich, dass er sein Ziel am Sonntag nicht noch einmal verfehlen wird.