Basketball

Satou Sabally ist eine für den Wow-Moment

Die Berlinerin zählt zu den besten Basketball-Spielerinnen der USA und will es in die Profiliga schaffen.

Satou Sabally (r.) will es mit den Oregon Ducks ins Finale der College-Liga schaffen.

Satou Sabally (r.) will es mit den Oregon Ducks ins Finale der College-Liga schaffen.

Foto: Thurman James / picture alliance / newscom

Berlin/Portland. So ganz kriegen es die Amerikaner immer noch nicht hin mit ihrem Namen. Wenn sie über Satou Sabally sprechen, dann ziehen sie meistens die letzte Silbe ihres Vornamens extrem in die Länge – „Satuuuu“. Als die Berlinerin gerade frisch ans College gewechselt war, reagierte sie anfangs oft gar nicht darauf, wenn sie so genannt wurde, weil sie gar nicht wusste, dass sie überhaupt gemeint war.

Sportlich hat sich die 21-Jährige in Übersee dagegen längst einen Namen gemacht. In ihrem zweiten Jahr an der Universität von Oregon zählt Sabally mittlerweile zu den absoluten Leistungsträgern. Wenn im April der Cheryl Miller Award für den besten Small Forward der Saison vergeben wird, zählt sie zum Kreis der fünf Finalistinnen.

Zuschauer kommen, um sie spielen zu sehen

Ihre große Stärke ist ihre Vielseitigkeit: Sabally fühlt sich unter dem Korb genauso wohl wie im Spielaufbau, sie kann ebenso gut blocken wie Dreier werfen. „Sie ist in jeder Partie für einen Wow-Moment gut“, sagt ihr Trainer Kelly Graves. Er bezeichnet ihr Spiel als Poesie in Bewegung. „Sie bringt uns hunderte neue Zuschauer, weil es einfach so schön ist, ihr zuzuschauen.“

Mit ihrer Mannschaft bestreitet Satou Sabally momentan das Play-off der amerikanischen Hochschulliga, besser bekannt als „March Madness“, weil in diesem wahnsinnigen März Überraschungen an der Tagesordnung sind und jede Niederlage das plötzliche Saisonende bedeutet.

Gegen Portland erzielt sie so viele Rebounds wie nie zuvor

Die in ihrem Abschnitt an zwei gesetzten Oregon Ducks haben sich bislang jedoch schadlos gehalten: Nach einem klaren 78:40 in Runde eins gegen Portland State bezwang man zuletzt auch Indiana deutlich mit 91:68.

Beide Male hatte Sabally mit 21 beziehungsweise 19 Punkten großen Anteil am Weiterkommen; gegen Portland State gelangen ihr mit 16 Rebounds zudem so viele wie noch nie in ihrer Karriere. „Wenn Satou so spielt, werden wir eine andere Mannschaft“, sagt Coach Graves. „Wir erleben gerade, wie sie vor unseren Augen zu einer der besten Spielerinnen des Landes heranreift.“

Die Schönebergerin wurde auf einem Spielplatz entdeckt

Mit neun Jahren war die Schönebergerin einst auf dem Spielplatz angesprochen worden, ob sie nicht Lust hätte, Basketball zu spielen. Mit 13 Jahren schaffte sie es beim TuS Lichterfelde ins Zweitligateam, mit 15 wurde sie Stammspielerin, mit 17 wechselte sie in die Bundesliga nach Freiburg.

Vor anderthalb Jahren wagte sie schließlich den Schritt ans College. Bereits in ihrer ersten Saison wurde sie dort in der Pac-12-Division zum „Freshman of the Year“ gekürt, zur besten Spielerin, die neu in die Liga gekommen ist.

Dabei hatte sie zunächst Schwierigkeiten, sich auf den amerikanischen Basketball einzustellen. „Der Basketball in den USA ist viel körperlicher, gleichzeitig fahren die Schiedsrichter aber eine härtere Linie. Gerade unter dem Korb wird viel mehr gepfiffen, als ich es aus Deutschland gewohnt war.

Da muss man deutlich smarter spielen als in der Bundesliga, und das musste ich erst einmal lernen“, erzählt sie. Hinzu kommt, dass in den USA jeder noch so kleine Hopser bei der Wurftäuschung abgepfiffen wird, weshalb Sabally bei einem ihrer ersten Auftritte in nur fünf Minuten gleich drei Schrittfehler unterliefen.

Prompt höhnten die gegnerischen Fans, sie solle doch erst einmal die Grundlagen lernen. „Das hat sich nicht schön angefühlt. In solchen Situationen habe ich anfangs schon an mir gezweifelt“, sagt sie. Ihre Mitspielerin Ruthy Hebard meint über Saballys erstes Jahr bei den Ducks: „Am Anfang war sie manchmal noch zu schüchtern.“

Nächster Gegner wartet in der Nacht zu Sonnabend

Doch diese Phase ist längst überwunden. In dieser Saison will es Sabally mit Oregon ins Finalturnier der NCAA (National Collegiate Athletic Association) schaffen, das Anfang April in Tampa Bay in Florida ausgetragen wird. Auf dem Weg dorthin ist zunächst South Dakota in der Nacht zum Sonnabend der nächste Gegner in der Runde der besten 16 Teams.

Bald schon möchte Sabally auf der ganz großen Bühne mitmischen: Als erst vierte deutsche Spielerin kann sie den Sprung in die amerikanische Profiliga WNBA schaffen – so wie es 2018 zuletzt Marie Gülich gelungen ist, die ihre Collegezeit zuvor übrigens bei Oregon State verbrachte, also ausgerechnet beim Lokalrivalen der Universität von Oregon. „Früher war es nur ein Traum von mir, in der WNBA zu spielen. Aber jetzt ist er schon ziemlich greifbar geworden“, sagt Sabally.

Auch der deutschen Nationalmannschaft steht eine große Zukunft bevor

Gülich und sie stehen stellvertretend für den Aufschwung im deutschen Frauenbasketball. In der U18 ist DBB-Auswahl bereits Europameister, bei den Frauen will man in einigen Jahren, wenn die Talente herangereift sind, ebenfalls wieder zu den Spitzenteams gehören. Bis dahin dürfte sich auch herumgesprochen haben, wie man den Namen von Satou Sabally richtig ausspricht.