Brexit

Adam Peaty: „Als Europäer habe ich mich nie gefühlt“

Peaty ist einer der größten Schwimmstars der Welt. Ein Interview mit dem Briten über bunte Kulturen, Brexit und die Bedeutung von Geld.

Adam Peaty gehört zu den Athleten, die gern in den Kraftraum gehen und stolz auf ihre Athletik sind. In seiner Heimat wird er „größter Muskel Großbritanniens“ genannt.

Adam Peaty gehört zu den Athleten, die gern in den Kraftraum gehen und stolz auf ihre Athletik sind. In seiner Heimat wird er „größter Muskel Großbritanniens“ genannt.

Foto: courtesy of arena

Berlin. Adam Peaty macht es sich in der Lounge des Grand Hyatt gemütlich. Der Olympiasieger, mehrfache Weltmeister und Weltrekordler über 50 und 100 Meter Brustschwimmen, ist wegen eines PR-Termins mit seinem Ausrüster Arena in Berlin. Der 24 Jahre alte Kraftprotz wirkt gut gelaunt und entspannt beim Gespräch über ein Europa der bunten Kulturen, seinen Wohlstand und seinen Status als britischer Sportstar.

Herr Peaty, wie fühlt es sich an, hierher zurückzukommen?

Adam Peaty Gut natürlich! 2014 bin ich in Berlin meinen ersten Weltrekord über 50 Meter Brust geschwommen. Die Stadt wird also immer einen Platz in meinem Herzen haben.

Warum haben Sie sich ausgerechnet für Brustschwimmen entschieden? Sind die schnelleren Disziplinen wie Kraul oder Schmetterling nicht viel cooler?

Für mich fühlt sich Brustschwimmen einfach natürlich an. Und richtig. Es ist alles viel flüssiger als beim Kraulen. Außerdem ist Brustschwimmen die schwierigste Disziplin, was die Balance von Timing und Kraft angeht.

Sie sind ein Sportstar, nicht nur in Ihrer Heimat. Es ist nicht lange her, da war auch Deutschland eine erfolgreiche Schwimm-Nation. Heute wird kein deutscher Schwimmer mehr auf der Straße erkannt. Haben Sie eine Erklärung für diesen Absturz?

Ich kann nicht für die deutschen Sportler sprechen. Ich finde, es müsste generell mehr Schwimmwettkämpfe geben, nicht nur EM, WM und Olympia, damit sich die Sportart besser präsentieren kann. Dazu kommt, dass es heute, in Zeiten von Social Media, viel wichtiger geworden ist, nicht nur ein erfolgreicher Sportler zu sein, sondern sich auch zu vermarkten.

Sie sind Ordensträger als „Member of the British Empire“, Sie saßen beim Wimbledonturnier in der Königlichen Loge und wurden mehr gefeiert als die Tennisspieler. Sind Ihnen diese Dinge wirklich wichtig oder auch ein Teil der Show und der Vermarktung?

Oh, nein, das ist keine Show. Der Orden bedeutet mir sehr viel, ich war schon als Kind patriotisch und habe mich für mein Land begeistert. Und in der Royal Box sitzen zu dürfen, das war einfach ein großer Spaß für mich.

Sie kommen aus einfachen Verhältnissen. Durch Ihren Sport sind Sie ein reicher Mann geworden, ein Millionär. Hat Sie das verändert?

Nein. Ich denke, Geld ist das Produkt harter Arbeit, das ist ganz okay so. Aber sobald du beginnst, dich über Geld zu definieren, entwertest du dich selbst und entwertest auch deine Marke. Wenn es dir nur noch um Geld geht, hast du schon verloren. Ich tue, was ich tue, weil ich es liebe. Ich liebe den Wettkampf. Ich liebe es zu gewinnen. Das wäre ohne Geld genauso. Natürlich bedeutet der Wohlstand viel für meine Familie und mich. Aber er ist nicht alles. Ich habe ein Umfeld, das nicht fragt, welchen Job ich mache und wie viel Geld ich habe. Du bist, wer du bist.

Sie erwähnten, dass Sie hart für Ihren Erfolg arbeiten. Zu Hause werden Sie der größte Muskel Großbritanniens genannt. Gefällt Ihnen diese Bezeichnung?

Ja, klar! Aber das ist nicht nur meine Leistung. Ich habe Leute um mich herum, die darauf aufpassen, dass ich jeden Tag mein Bestes gebe. Ich verdanke ihnen viel und sie mir. Das Leben ist nicht nur Nehmen, Nehmen, Nehmen. Es ist ein Geben und Nehmen, in dem Fall zwischen mir und meinem Psychologen, meinem Ernährungsberater und meinen Trainern. Bei den besten Athleten der Welt ist das einfach so.

Sie sind in Rio 2016 Olympiasieger geworden. Haben Sie dort auch die aus Syrien stammende Yusra Mardini kennengelernt, die für das Flüchtlingsteam gestartet ist? Kennen Sie Ihre Geschichte?

Ja, ich kenne sie und die Geschichte ihrer Flucht im Boot. Das ist sehr inspirierend. Wir sind befreundet über Instagram. Das macht den Sport so besonders: Dort kommen die unterschiedlichsten Menschen mit ihren Geschichten zusammen. Und nach dem Rennen gibt man sich die Hand. Es ist wichtig, diese Geschichten zu verbreiten, so gut es geht.

Sie haben vorhin schon gesagt, dass Sie ein Patriot sind. Und beim Thema Brexit? Fühlen Sie sich mehr als Europäer oder als Engländer?

Ich habe mich nie als Europäer gefühlt, sondern als Brite. Vielleicht, weil wir auf einer Insel leben und keine richtige Verbindung haben. Es wäre aber schade, durch das Verlassen Europas die Vorteile zu verlieren, die die Gemeinschaft allen bietet. Dazu zählt für mich auch das Zusammensein. Aber wie es immer kommen mag, ich werde damit umgehen und habe keine Angst vor dem, was kommt.

Die Briten sind als Mitglieder des Commonwealth gewohnt, dass Menschen aus allen Erdteilen zu Ihnen kommen und bei Ihnen leben können. Im Rest Europas sind dagegen in letzter Zeit die Stimmen derer sehr laut geworden, die den Zuzug fremder Menschen ablehnen. Wie gefällt Ihnen die kulturelle Vielfalt in England?

Ich liebe sie. Wenn die Leute zusammenkommen, gibt es großartiges Essen. Es gibt großartige Leute und großartige Geschichten. Es kann auch mal Meinungsverschiedenheiten geben, weil es verschiedene Ansichten oder Gedanken gibt. Meiner Meinung nach ist es umso besser, je mehr verschiedene Kulturen wir haben. Sehen Sie London an: Es ist eine der buntesten Kulturen in der Welt und deshalb eine der großartigsten Städte der Welt. In den Straßen gibt es Spanier, Italiener, Südamerikaner, Japaner, Inder – Essen von überall in der Welt. Das finde ich großartig.