Rassismus-Vorfall

Warum das Netz Ex-Nationalspieler Cacau kritisiert

DFB-Integrationsbeauftragter schaut sich den Clip über den Rassismus-Vorfall beim Länderspiel nicht an. Das Netz reagiert empört.

Cacau ist der Integrationsbeauftragte des DFB.

Cacau ist der Integrationsbeauftragte des DFB.

Foto: dpa

Essen. Der frühere Nationalspieler Cacau wird wegen eines Interviews im Internet kritisiert. Gegenüber Focus Online hat der 37-Jährige angegeben, sich das Video über den Rassismus-Vorfall während des vergangenen Fußball-Länderspiels nicht angeschaut zu haben: "Ich habe das Video ehrlicherweise nicht gesehen, aber mit Absicht. Die Reaktionen von beispielsweise Leon Goretzka und anderen Spielern aber schon. Das ist genau der richtige Umgang."

Cacau ist Integrationsbeauftragter des Deutschen Fußball-Bundes. Dass er in dieser Rolle das Video des Basketball-Kommentators André Voigt nicht gesehen hat, empört die Netzgemeinde. "Als Integrationsbeauftragter des DFB würde ich mir ein Video, in dem es um Rassismus bei Länderspielen geht, auch nicht angucken. Genau der richtige Umgang", reagiert Philipp Köster, Chefredakteur des Fußballmagazins 11Freunde, ironisch auf Cacaus Aussage.

Sané und Gündogan rassistisch beleidigt

Cacau erklärt im Interview, dass er nichts davon halte, Vorfälle wie diesen aufzublasen. "Dass solche Dinge nicht ins Stadion gehören, da sind wir uns alle einig. Ob man aber Einzelfälle so groß aufziehen muss, finde ich fragwürdig." Diesen sollte man "nicht so eine große Beachtung schenken".

Nach dem 1:1 gegen Serbien in Wolfsburg hatte der Journalist André Voigt in den sozialen Medien geschildert, wie drei hinter ihm sitzende Männer wiederholt die Nationalspieler Leroy Sané und Ilkay Gündogan rassistisch beleidigt hätten. Von den Zuschauer hätte niemand eingegriffen. Das Video wurde tausendfach geteilt. Nationalspieler Leon Goretzka und DFB-Präsident Reinhard Grindel verurteilten öffentlich den Vorfall. Die Polizei nahm die Ermittlungen auf, die drei Männer stellten sich.

Dass Cacau diesen Vorfall als Einzelfall einschätzt, bringt ihm ebenfalls Kritik ein. Der frühere Stuttgart-Profi würde dadurch Rassismus gegen deutsche Nationalspieler verharmlosen, findet Journalist Frederik Schindler.

"Nicht größer machen, es als es ist"

Cacau glaubt, dass Rassismus kein flächendeckendes Problem in Deutschland sei. Jeder Einzelfall müsse aber bekämpft werden." "Man sollte sich dem entgegenstellen, gleichzeitig aber nicht zu viel Beachtung schenken. Also ich muss nicht immer ein Video drehen, es groß machen", sagt der frühere Stuttgart-Profi. "Ich will André Voigt damit nicht kritisieren. Aber wenn ich jetzt gleich mit meinem Sohn auf dem Sportplatz so etwas erleben würde, würde ich mich dagegen wehren, denjenigen konfrontieren. Aber das war es dann. Ich muss es nicht größer machen, als es ist."