Fußball

Für Toni Kroos schlägt die Stunde des Anführers

Trotz Krise im Klub setzt Joachim Löw auf den Mittelfeldmann von Real Madrid. Seine Treue soll sich gegen die Niederlande auszahlen.

Toni Kroos erhielt vom Bundestrainer für das Spiel gegen die Niederlande eine Startelfgarantie.

Toni Kroos erhielt vom Bundestrainer für das Spiel gegen die Niederlande eine Startelfgarantie.

Foto: Dean Mouhtaropoulos / Getty Images

Amsterdam. Es war gerade mal ein paar Stunden her, dass die deutsche Nationalelf am Sonnabend die VW-Stadt Wolfsburg verlassen hatte, als kurz nach der Ankunft in Amsterdam erneut über Autos und Dieselmotoren gesprochen werden musste.

Diesmal war es Toni Kroos, der am Tag vor dem EM-Qualifikationsauftakt gegen die Niederlande (20.45 Uhr/RTL) auf dem roten Pressepodest in der Johan-Cruyff-Arena Platz genommen hatte und direkt mit einer Einschätzung von Bernd Schuster konfrontiert wurde, dass der Real-Star zuletzt in Madrid wie ein „Dieseltraktor“ gespielt habe.

Spanische Zeitungen kritisieren den Madrilenen stark

Kroos, den Scheitel wie immer akkurat nach links ausgerichtet, atmete einmal kurz durch. Dann antwortete der 29-Jährige höflich, aber bestimmt: „Ich bin immer offen für konstruktive Kritik. Aber diese Kritik hatte ja keinen Inhalt. In dem Spiel, nach dem ich kritisiert wurde, hatte ich die meisten Ballkontakte. Die Kritik hat also nichts mit Kritik zu tun. Sie ist Quatsch.“

Knapp drei Wochen war es her, als sich Kroos weiteren „Quatsch“ gefallen lassen musste. 0:3 im Pokal und 0:1 in der Meisterschaft hatte Real Madrid gerade gegen den FC Barcelona verloren, als sich die spanischen Zeitungen im schuster’schen Sinne überschlugen.

Der Deutsche spiele sehr schlecht, ohne Rhythmus im Angriffsspiel und wenig Unterstützung im Abwehrverhalten, schrieb „Marca“. Die „AS“ titelte: „Es gibt den Fall Kroos!“ Und für die Zeitung „Sport“ war der Mittelfeldmann kurz und bündig „eine Null“.

Kroos ist der zweitälteste Nationalspieler

Nun, diese „Null“ soll an diesem Sonntag höchstpersönlich dafür sorgen, dass Deutschland nach dem ersten EM-Qualifikationsspiel statt mit null am besten mit drei Punkten wieder nach Hause fährt. „Toni Kroos ist für diese Mannschaft ein unglaublicher Gewinn, seine Fähigkeiten, ein Spiel zu lenken. Er ist einmalig“, sagte Bundestrainer Joachim Löw. „Für uns ist er unverzichtbar.“

Das Treuebekenntnis des Nationaltrainers überraschte, weil im Zuge der dreifachen Degradierung von Jérome Boateng, Mats Hummels (beide 30) und Thomas Müller (29) auch der gleichaltrige Kroos (29) als möglicher Streichkandidat galt. Eine Kausalkette, mit der Kroos so gar nichts anfangen konnte.

„Das war ja keine Entscheidung des Alters“, konterte der nach Marco Reus (wird Ende Mai 30) zweitälteste Feldspieler. „Das war eine sportliche Entscheidung.“ Und überhaupt: „Mit 29 Jahren kann man noch ganz vernünftig spielen“, betonte Kroos.

Zwei Weltmeister erhalten Startelfgarantie

Ein ähnlich konsequentes Auftreten auf dem Feld wünscht sich Löw von seinem Führungsspieler gegen die Niederlande.„Unsere Mannschaft macht gerade einen Führungsprozess durch“, gab der Bundestrainer zu bedenken – und stellte lediglich zwei Spielern vorab eine Stammplatzgarantie in Aussicht. Seinen beiden letztverbliebenen Weltmeistern von 2014 (wenn man den einsatzlosen Matthias Ginter nicht mitzählt): Torwart Manuel Neuer – und Kroos. „Der Toni wird auf jeden Fall natürlich dabei sein.“

Er spürte immer das Vertrauen des Trainers

Auf jeden Fall natürlich also. Derart deutlich hatte sich Löw selten festgelegt. „Ich hatte immer das Vertrauen des Trainers in den vergangenen Jahren“, sagte der Madrilene, der übrigens als großer Autofan gilt.

Mal fuhr Kroos einen Ferrari 488 GTB mit 670 Doppelturbo-PS, mal einen 354 PS starken Audi SQ5 und mal einen S7 Sportback. Mit einem Dieseltraktor, so viel steht fest, wurde er dagegen weder in Madrid noch in der deutschen Heimat und auch nicht in Amsterdam gesichtet.