Tischtennis

Mit Anführerin Ekholm will Eastside den Titel

In der Champions League wartet an diesem Sonntag das entscheidende Spiel um den Finaleinzug auf die Berlinerinnen.

Matilda Ekholm

Matilda Ekholm

Foto: Mathias Bergeld / imago/Bildbyran

Berlin/Zagreb. Philip Häfner

Nach der Pleite im Pokalfinale Anfang Januar schwante Andreas Hain bereits Böses. Angesprochen auf seine Spielerin Matilda Ekholm, sagte der Manager des TTC Eastside: „Sie ist nach Berlin gekommen, um Titel zu gewinnen. Gott bewahre, wenn wir in dieser Saison leer ausgehen.“

Hain weiß, wie sehr Ekholm es hasst, zu verlieren. Und dass dann gelegentlich auch der Tischtennis-Schläger fliegen kann. Matilda Ekholm versucht erst gar nicht, diese Charakterschwäche zu verbergen. „Ich bin eine schlechte Verliererin“, sagt sie. Das habe sie überhaupt erst zu der Spielerin gemacht, die sie heute sei: „Jede Niederlage spornt mich an, weiter an mir zu arbeiten und noch besser zu werden.“

Im Hinspiel macht die Schwedin den spielentscheidenden Punkt

Auch im Verein sieht man die gelegentlichen Ausbrüche Ekholms positiv. „Diese Emotionen tun jeder Mannschaft gut. Matilda Ekholm passt mit ihrer kantigen Art sehr gut in die Mannschaft“, sagt Eastside-Präsident Alexander Teichmann. Dagegen seien die anderen Spielerinnen manchmal fast schon zu brav. „Matilda ist eine Anführerin, die auch in schwierigen Situation vorangeht“, sagt Teichmann.

So war es im Halbfinal-Hinspiel in der Champions League vor zwei Wochen. Zum 3:2 gegen Titelverteidiger Dr. Casl aus Zagreb steuerte Ekholm gleich zwei Siege bei, darunter den spielentscheidenden Punkt. Beim Rückspiel am Sonntag in Kroatien wollen die Berlinerinnen diesen Vorsprung verteidigen, um nach einem Jahr Pause wieder ins Endspiel des höchsten europäischen Vereinswettbewerbs einzuziehen.

Bereits vier Mal gewann Eastside den Titel

2012, 2014, 2016 und 2017 hatte Eastside jeweils den Champions-League-Titel gewonnen. Diese Bilanz hatte auch Matilda Ekholm überzeugt. Im Sommer war die 36-Jährige nach Berlin gewechselt, nachdem sie von ihrer Partnerin Georgina Pota ebenfalls nur Gutes über den Klub gehört hatte. Die beiden bilden bei internationalen Turnieren schon länger ein erfolgreiches Doppel und spielen nun auch im Verein Seite an Seite.

Mit Ekholm haben die Berliner eine unkonventionelle Spielerin in ihren Reihen, deren Stil oft eher an die Männer erinnert. Tatsächlich hat die Schwedin in ihrer Heimat bis zu ihrem 20. Lebensjahr fast ausschließlich mit Männern trainiert. So hat sie sich angewöhnt, weiter weg von der Platte zu stehen als die meisten Frauen, was sie zu einer äußerst unbequemen Gegenspielerin macht.

Casl tritt gleich mit sechs gebürtigen Chinesinnen an

Im Duell mit dem Titelverteidiger soll ihre ungewöhnliche Spielweise den Berlinerinnen den Weg ins Finale ebnen. Zwar gilt Dr. Casl mit gleich sechs gebürtigen Chinesinnen im Kader nach wie vor als Favorit, doch Ekholm meint: „Wir sind hungriger als sie.“ Der unbedingte Wille, auf Europas Thron zurückzukehren, war bereits im Viertelfinale gegen Hodonin (Tschechien) zu spüren, als Eastside ein 1:3 aus dem Hinspiel noch umbiegen konnte. „Das hat uns noch einmal einen Extraschub gegeben. Wir sind bereit, wenn es darauf ankommt. Wenn wir jetzt Dr. Casl schlagen, haben wir gute Chancen, auch den Champions-League-Titel zu holen“, sagt Ekholm. Genau dafür ist sie schließlich nach Berlin gekommen.