Fußball

Löw holt Herthas Abwehrchef Niklas Stark

Chance für den Berliner nach dem Aus von Jerome Boateng. Bundestrainer begründet, warum er DFB-Chef Grindel vorab nicht informiert hat

Herthas Niklas Stark wurde 2017 mit der deutschen U21-Nationalmannschaft Europameister

Herthas Niklas Stark wurde 2017 mit der deutschen U21-Nationalmannschaft Europameister

Foto: Jan Woitas / dpa

Frankfurt. Bundestrainer Joachim Löw hat erstmals Niklas Stark von Hertha BSC für die deutsche Nationalmannschaft nominiert. Der 23 Jahre alte Innenverteidiger gehört zum Aufgebot für die Länderspiele gegen Serbien (20. März in Wolfsburg) sowie die Niederlande (24. März in Amsterdam). Stark profitiert damit von der Lücke, die in der Nationalmannschaft entstanden ist, nachdem der Bundestrainer den Innenverteidigern Jerome Boateng und Mats Hummels mitgeteilt hatte, dass er künftig nicht mehr auf sie, sondern auf jüngere Spieler setzen werde.

Löw sagte über Stark, den er am vergangenen Wochenende bei Herthas Auftritt in Freiburg (1:2) beobachtet hatte: „Niklas hat schon länger Bundesliga gespielt. Zuletzt fand ich ihn in einer sehr, sehr guten Form.“ Stark hat bei Hertha unter Trainer Pal Dardai eine gute Entwicklung genommen und mitterlweile 116 Bundesliga-Spiele absolviert.

Ohnehin ist der Verteidiger beim DFB kein Unbekannter. Stark hat mit der deutschen U19 und der U21 jeweils den EM-Titel gewonnen.

Niklas Stark sagte: „Jeder Fußballer träumt doch davon, für sein Land spielen zu dürfen. Es war schon etwas Besonderes, mit der U21 und der U19 Europameister zu werden, aber jetzt für die Nationalmannschaft nominiert zu sein, ist eine besondere Auszeichnung und ein großer Schritt für mich. Für mich ist das der Ansporn, weiter Woche für Woche richtig Gas zu geben.“ Michael Preetz, Manager von Hertha BSC, sagte: „Die Nominierung ist eine schöne Bestätigung von Niklas’ Entwicklung und seiner konstant guten Leistungen bei uns. Letztlich ist es auch eine schöne Auszeichnung für Hertha BSC.“

Außerdem wurden erstmals Maximilian Eggestein (Werder Bremen) und Lukas Klostermann (RB Leipzig) in das DFB-Aufgebot berufen. Auch der Ex-Herthaner Nico Schulz (TSG Hoffenheim) gehört weiter zum DFB-Kader.

Das beherrschende Thema der Pressekonferenz war jedoch die Art und Weise, wie der Bundestrainer Thomas Müller, Boateng und Hummels, alle Weltmeister von 2014, deren Ende bei der Nationalmannschaft mitgeteilt hatte.

Löw rechtfertigte sich, die Spieler hätten es verdient, diese Nachricht von ihm persönlich zu erhalten. Er bekräftigte aber, dass er einen Umbruch wolle für die Qualifikation und die EM 2020. Deshalb habe er den drei Münchner ehrlich gesagt: „Ich plane die Qualifikation und die EM ohne euch.“ Alles andere wäre ein „Eiertanz gewesen“, so Löw. Er hätte es nicht in Ordnung gefunden, dem Trio, das sich in zehn Jahren viele Verdienste erworben hat, im Vagen zu lassen: „Mal sehen, in anderthalb Jahren nach der EM, wie dann die Situation ist.“

Löw bestätigte, dass DFB-Präsident Reinhard Grindel vorab von ihm nicht über die Ausbootung der drei Bayern-Spieler informiert wurde. Diese Mitteilung habe Nationalmannschaftsdirektor Oliver Bierhoff an jenem Dienstag Vormittag telefonisch übernommen. „Sportliche Entscheidungen treffe ich autark. Ich habe die absolute Entscheidungshoheit“, stellte Löw klar. „Der Kreis war klein, Oliver Bierhoff plus mein Trainerteam.“ Seine Aufgabe sei, Entscheidungen mit Bierhoff abzusprechen: „Oliver war involviert.“

Zur Torwart-Frage sagte der Bundestrainer, er habe seinen Standpunkt vom vergangenen November nicht geändert: „Manuel Neuer ist aktuell unsere Nummer eins.“ Aber auch der 32 Jahre alte Kapitän müsse „bei uns Leistungen bringen“, ergänzte Löw. Der Konkurrenzkampf, der für die gesamte Mannschaft gelte, würde auch die Torhüter-Position betreffen.

„Marc-André ter Stegen, der mittlerweile genauso auf Weltklasseniveau agiert, wird seine Chancen bekommen. Die werde ich ihm einräumen, dann wird man sehen.“, sagte Löw über den Torwart des FC FC Barcelona.