Champions-League-Kracher

Kovac oder Klopp - es kann nur einen geben

Das Duell Bayern gegen München elektrisiert die Fußball-Fans. Es ist auch das Duell der Trainerstars Kovac und Klopp.

Liverpool-Trainer Jürgen Klopp (l.) kämpft um einen Titel, Bayerns Coach Niko Kovac um einen ruhigen Start in sein zweites Vertragsjahr.

Liverpool-Trainer Jürgen Klopp (l.) kämpft um einen Titel, Bayerns Coach Niko Kovac um einen ruhigen Start in sein zweites Vertragsjahr.

Foto: ulmer / imago/ULMER Pressebildagentur

München. Es wird Tore geben diesmal, wenn Bayern und Liverpool erneut aufeinandertreffen - so viel ist sicher. Spätestens in einem möglichen Elfmeterschießen. Niko Kovac prophezeite gestern Nachmittag: „Ein 0:0 wird es nicht.“ Das hatte der Bayern-Trainer allerdings auch vor dem Achtelfinal-Hinspiel gesagt. Die Fans erwartet wohl die zweite Ausgabe der Operation Rasenschach.

Verstecken kann sich in diesem Duell niemand

Wie beim torschussarmen 0:0 an der Anfield Road dürfte die Risikobereitschaft auch beim Rückspiel an diesem Mittwoch (21 Uhr, Sky) auf beiden Seiten minimal sein, mutiger Angriffsfußball klein geschrieben werden. Umschaltsituationen, in denen beide Teams ihre Schnelligkeit ausspielen können, will man tunlichst verhindern.

Ein Abtasten. Wie bei einem Fechtkampf. Ein Schritt vor, zwei zurück. Die Deckung zählt. Wer blitzartig vorprescht und den einen entscheidenden Treffer landet, gewinnt. Fertig zum Gefecht des Jahres? „En garde!“, also: Bereit zum Kampf?!

Kovac kämpft auch um einen ruhigen Start in sein zweites Jahr

Die Frage lautet: Wer hat mehr zu verlieren? Der FC Liverpool als Finalteilnehmer 2018 oder der FC Bayern, der seit der Saison 2011/12 immer mindestens das Viertelfinale erreichte, seit dem Triumph 2013 aber trotz vier Halbfinal-Teilnahmen stets das Endspiel verpasste?

Die Antwort: Beide. Ein Achtelfinal-Aus ist im Selbstverständnis der Klubs nicht vorgesehen.

Und die Trainer? Kovac hat etwas zu gewinnen, im eigenen Hause wie international: Respekt und Anerkennung – plus einen ruhigen Start in sein zweites Vertragsjahr, der angekündigten Umbruch-Saison.

Da könnte jeder noch so international renommierte und anerkannte Trainer auf dem Markt frei werden. Das zigfache Schulterklopfen nach einem Weiterkommen gegen Liverpool würde den nur 1,76 Meter großen Kovac wachsen lassen, der hoch aufgeschossene Klopp (1,91 Meter) hingegen würde durch die unzähligen Trostklapser wieder auf Nicht-Messias-Maß schrumpfen.

Bei seiner Vorstellung kündigte der Ex-BVB-Trainer Titel an

Der 51-Jährige muss liefern, frische Silberware in den Vitrinenschrank des FC Liverpool bringen. Auch am Ende seiner vierten Saison könnte er ohne Titel dastehen. In den heimischen Pokal-Wettbewerben FA Cup und League Cup schieden die „Reds“ bereits aus. Es bleibt die englische Meisterschaft, in der Rivale Manchester City einen Zähler Vorsprung hat.

Und der Henkpelpott. Als Klopp im Oktober 2015 vorgestellt wurde, versprach er: „Wenn ich hier in vier Jahren sitze, so denke ich, haben wir einen Titel gewonnen. Da bin ich mir ziemlich sicher.“

Das hört der Fan gern, erinnert sich jedoch daran, wenn nichts draus wird. Die Stimmung könne sich „schnell drehen“, sagt TV-Experte Didi Hamann, einst bei beiden Vereinen aktiv, „das Ding steht auf der Kippe.“

Klopp verlor seine letzten sechs Finals

Der Ausflug nach München ist für Klopp wie ein Finale. Seine letzten sechs Endspiele hat er verloren. Drei mit Borussia Dortmund, das bitterste war das Champions-League-Finale 2013 - gegen Bayern, 1:2. Drei mit Liverpool, hier bildete das Endspiel der Königsklasse 2018, als die „Reds“ mit 1:3 gegen Real Madrid verloren, den negativen Höhepunkt.

Seine Final-Bilanz habe ihn „nicht zu einem unglücklicheren Menschen gemacht“, sagt Klopp. Doch die Gier nach einer Trophäe sei stetig gewachsen. Parallel dazu der Druck.

Kovac kann positive Endspiel-Bilanz vorweisen

Kovac gewann zwei seiner drei bisherigen Finals. Mit Eintracht Frankfurt das Pokal-Endspiel als Underdog gegen die scheinbar übermächtigen Heynckes-Bayern und die Bundesliga-Relegation 2016 gegen Zweitligist 1. FC Nürnberg. In den Ausscheidungsspielen für die WM 2014 hielt er als kroatischer Nationaltrainer das aufstrebende Island in Schach, führte sein Heimatland zur Endrunde in Brasilien.

An der Säbener Straße hat der immer sachliche und ruhige Kovac in seinem ersten, turbulenten Jahr aus der Herbst-Krise gelernt. Weniger Rotation, mehr Klarheit im Kader durch eine straffere Hierarchie.

Der Leistungsgedanke wurde in den Vordergrund gerückt, nicht der Anspruch, Stars zu besänftigen. Weniger Kumpeltyp, mehr Fußballlehrer. „Ich verspüre keinen Druck. Angst und Druck kenne ich nicht. Anspannung ist immer da, das gehört zum Fußball dazu“, sagte Kovac.

Klopp sieht Bayern stärker als vor dem Hinspiel

Klopp, der aus seiner Emotionalität Kraft zieht und sie laut und gestenreich an seine Mannschaften vermittelt, sagte einst dem „Spiegel“: „Ich spüre nur den Druck, den man sich eben macht, wenn man ein Fußballspiel gewinnen will. Seit meinem fünften Lebensjahr ist das so. Wenn ich mit dem Fahrrad zum Spiel gefahren bin, wollte ich unbedingt gewinnen.“

Er spüre stattdessen stets „die Chance“. So auch jetzt. Man brauche am Mittwoch „eine außergewöhnliche Leistung“. Die Bayern seien „offenkundig in einer anderen Phase als vor dem Hinspiel, es ist ein deutlich besserer Zeitpunkt für sie“, sagte Klopp. Aber: „Wir sind stark genug, ihnen einen guten Kampf zu liefern. Na dann: „Allez!“ - Los!