Nach Neonazi-Trauerbekundung

Verdacht der Nötigung: Chemnitzer FC erstattet Strafanzeige

Chemnitzer Fans haben eines verstorbenen Neonazis gedacht. Nun distanziert sich der Klub von der Aktion. Er sieht sich als Opfer

Fans des Chemnitzer FC.

Fans des Chemnitzer FC.

Foto: Robert Michael / picture alliance/dpa

Chemnitz.  Fußball-Regionalligist Chemnitzer FC hat nach den umstrittenen Trauerbekundungen vom Wochenende Strafanzeige gegen unbekannt erstattet. Wie der Klub mitteilte, sei die Anzeige am Montagmorgen bei der Staatsanwaltschaft Chemnitz eingegangen.

Grund sind Vorkommnisse rund um das Spiel gegen die VSG Altglienicke (4:4) am vergangenen Samstag, als unter anderem durch eine Choreografie des verstorbenen, mutmaßlich rechtsradikalen Chemnitz-Fans Thomas H. gedacht worden war.

Klaus Siemon, Insolvenzverwalter des Chemnitzer FC, erklärte unter anderem, dass der Ablauf der Partie soweit vom Standard abgewichen war, „dass es zu klären gilt, wie dies geschehen konnte“.

Massive Ausschreitungen angedroht

Vor dem Spiel war auf der Videotafel des Stadions ein Porträt von Thomas H. eingeblendet worden. Wie der MDR berichtete, habe es eine Schweigeminute gegeben, während der ein schwarzes Kreuz und ein Transparent ausgerollt wurden. Zudem wurde eine Pyro-Show abgehalten und H.’s Verdienste für den Verein in einer Rede gewürdigt.

Dieser Abweichung vom normalen Prozedere sollen möglicherweise strafbare Handlungen vorausgegangen sein. „Nach Aussagen der zuständigen Mitarbeiter drohten massive Ausschreitungen. Dieser Umstand begründet zumindest den Anfangsverdacht für eine schwerwiegende Nötigung, der von den zuständigen Ermittlungsbehörden aufzuklären ist“, sagte Siemon, der zudem von der Androhung eines schwereren Landfriedensbruch sprach.

Neonazis aus anderen Städten angereist

Laut Vereinsangaben war ebenso „die Verwendung der sonst üblichen Fahnen von bis zu 99 Fanclubs unterbunden“ worden, um die außerordentliche Choreografie zu ermöglichen.

Wie der Chemnitzer FC darüber hinaus erklärte, sei in Erfahrung gebracht worden, „dass einschlägig bekannte Personen aus der rechtsextremen Szene für diesen Tag aus anderen Städten nach Chemnitz und Sachsen gereist“ seien. Der Tabellenführer der Regionalliga Nord-Ost distanzierte sich in der Folge vom den Geschehnissen und teilte mit, er sei „nicht bereit, vor diesen Ideologien zurückzuweichen und den Fußball in Chemnitz aufzugeben“.

Am Sonntag noch Rechtfertigung

Schon am Sonntag war der Chemnitzer Geschäftsführer Thomas Uhlig als Reaktion auf die Vorkommnisse zurückgetreten. Am selben Tag hatte der Verein die Trauerbekundungen in einer offiziellen Pressemitteilung noch gerechtfertigt.

„Die Ermöglichung der gemeinsamen Trauer stellt keine Würdigung des Lebensinhalts des Verstorbenen dar“, hieß es dort: „Es ist ein Gebot der Mitmenschlichkeit, den Fans des CFC und Hinterbliebenen, die darum baten, die gemeinsame Trauer zu ermöglichen.“

Der Nordostdeutsche Fußballverband will nun Maßnahmen einleiten. Der Verband trete für einen sauberen, fairen und frei von jeglichen Meinungsäußerungen stattfindenden Spielbetrieb ein, betonte Geschäftsführer Holger Fuchs.