Bob-WM in Kanada

Berlinerin Jamanka will den letzten Haken setzen

Binnen kürzester Zeit feierte Olympiasiegerin Jamanka alle Erfolge, die der Bobsport zu bieten hat. Nur der WM-Titel fehlt noch

Mariama Jamanka (l.) und Annika Drazek sind sehr erfolgreich unterwegs

Mariama Jamanka (l.) und Annika Drazek sind sehr erfolgreich unterwegs

Foto: Jeff Mcintosh / dpa

Whistler. Mariama Jamanka ist schnell, sehr schnell. Mit dem Auto ist sie schon mal 240 Sachen gefahren. Im Bob raste sie beim Weltcup 2017 im kanadischen Whistler mit 147 km/h durch die Zielkurve. „Ich mag einfach die Geschwindigkeit“, sagt die 28 Jahre alte Sportsoldatin, die für den BRC Thüringen in Oberhof startet.

Nun geht es zurück in die schnellste Eisrinne der Welt. Atemberaubend. Denn: „Auf so einer Bahn wie Whistler ist Angst ganz, ganz tödlich“, sagt die gebürtige Berlinerin. Doch noch aus einem anderen Grund sind diese Tage in den Bergen nahe Vancouver für die Olympiasiegerin von einer speziellen Magie. Einen Haken muss sie noch setzen, um ihre Karriere im Schnelldurchlauf auf die Spitze zu treiben. Einzig der Weltmeistertitel fehlt Jamanka nämlich noch in ihrer Galerie der Triumphe. Sonnabend und Sonntag (jeweils ab 20.30 Uhr) soll sich das in den vier WM-Läufen ändern.

Schmerzhafte Stürze in der Anfangsphase

Die ehemalige Hammerwerferin („Mit fünfzig Meter war ich da nur Hobbyklasse“) weiß, worauf es in Kanada ankommt. „Es muss alles sehr perfekt laufen, weil man durch die Geschwindigkeit ein sehr schmales Zeitfenster hat, in dem man richtig reagieren muss“, erzählt Jamanka. 2013 setzte sie sich zum ersten Mal in Oberhof in einen Bob. Der einstige Potsdamer Carsten Embach, Ex-Anschieber von Bob-Legende André Lange, hatte damals den Kontakt nach Thüringen hergestellt.

Jamanka hatte Talent an den Lenkseilen – das wurde trotz einiger auch schmerzhafter Stürze bald deutlich. Die junge, leise Frau mit der Brille war ehrgeizig, fleißig und stur. Wichtige Eigenschaften für eine Bobpilotin. Die Kurvenreihenfolge auf den ihr unbekannten Bahnen lernte sie auf Youtube-Videos. Und Jamanka hatte Geduld, bekam im Team die Zeit, sich fahrerisch zu entwickeln.

Mit dem EM-Titel in Winterberg begann die Sammlung

Die Fortschritte kamen schnell, wobei die Startleistung noch immer ihr großes Defizit ist. Sprintfähigkeit lässt sich halt nur bedingt trainieren. Dafür halfen ihr ihre starken Nerven sehr oft. Ende 2015 durfte sie erstmals im Weltcup starten. Mit Platz acht deutete Jamanka ihr Potenzial schon mal an. In ihrer zweiten Saison überraschte die Wahl-Oberhoferin die Szene so richtig mit dem EM-Titel in Winterberg. Weil Konkurrentin Stephanie Schneider (Oberbärenburg), selbst noch eine Fahrschülerin, in Whistler und beim EM-Training stürzte, bekam Jamanka die beste Anschieberin, Annika Drazek, auf den Schlitten.

Die Beiden sind seitdem ein harmonisches Team. Obwohl die Trainer bei Olympia in Pyeongchang trotz einer starken Weltcup-Saison Jamankas auf die startschnellere Schneider setzten. Mit Drazek sollte sie im Bob Deutschland 1 zur Medaille fahren. Jamanka war natürlich enttäuscht. Doch wieder nahm sie die Situation positiv an und bildete mit Lisa-Marie Buckwitz, die nun die Bobschule an den Lenkseilen macht, ein ganz starkes Berliner Duo.

Sternstunde bei den Olympischen Spielen 2018

Als sich Drazek verletzte und Schneider nicht fehlerfrei fuhr, kam die Stunde von Mariama Jamanka. Die Unterschätzten rasten zu Gold. Jamanka war völlig überraschend auf dem Gipfel ihres Sport gelandet. Wer glaubte, dass der plötzliche Ruhm die Tochter einer Deutschen und eines Gambiers („Meine Eltern haben sich früh getrennt“) vielleicht aus der Bahn werfen würde, sah sich getäuscht. Jamanka hakte einfach ungerührt weitere Bob-Kapitel auf ihrer Liste ab.

Auf der Bahn in Sigulda fuhr sie im Dezember zum ersten Mal in ihrem Leben zum Weltcupsieg. Danach folgten mit Drazek noch drei erste Plätze und der Gewinn des Gesamtweltcups in Calgary – einer weiteren Bahn, auf der Jamanka noch nie gefahren war. „Wir freuen uns total über beides, den Gesamtweltcup, aber auch über den Sieg in Calgary. Es war am Anfang schwer einzuschätzen, weil wir noch nie auf der Bahn waren. Ich bin froh, dass es geklappt hat“, sagte Jamanka.

Harte Konkurrenz aus Nordamerika

Auf Facebook klangen sie und Freundin Drazek ein bisschen emotionaler. „Bäääähm!! Weltcupsieg in Calgary, Sieg im Gesamtweltcup – Sensationell!!!“ Vor der WM bremst die Weltbeste verbal ein bisschen. Jamanka ist keine Frau der lauten Töne. Mit der Titelverteidigerin Elana Meyers-Taylor steht ihr schließlich am kommenden Wochenende jede Menge Routine gegenüber. Auch Teamkollegin Schneider ist gefährlich.

„Es werden noch mal harte zwei Renntage und ein schwieriger Wettkampf. Ich denke, dass es wirklich sehr anstrengend wird, gegen die Kanadierinnen, die US-Amerikanerinnen und natürlich gegen Stephanie zu bestehen“, bleibt Jamanka zurückhaltend. Das große letzte Ziel auf Jamankas Liste bleibt vor den vier WM-Läufen am Whistler Mountain unausgesprochen. Doch Mariama Jamanka ist schnell. Sehr schnell.