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Dardai nimmt Hertha in die Pflicht: Wir brauchen eine Serie

Nach nur einem Punkt aus den letzten beiden Spielen ist der Hauptstadt-Klub auf Rang zehn abgerutscht.

Hertha-Trainer Pal Dardai coacht sein Team in München

Hertha-Trainer Pal Dardai coacht sein Team in München

Foto: Lino Mirgeler / dpa

Berlin. Pal Dardai musste einen Moment nachdenken. Es ging um die Frage, welche Enttäuschung schwerer wiege: Die über die verpasste Chance, beim FC Bayern zu punkten oder über den späten Ausgleich beim 1:1 Werder Bremen. Enttäuschung gegeneinander abzuwägen ist eine Disziplin, die dem Trainer von Hertha BSC nicht behagt. Er entschied sich dann aber für das 1:1 gegen Bremen, erzielt in der fünften Minute der Nachspielzeit, nachdem der Schuss noch dreimal abgefälscht worden war, ehe er im Hertha-Netz landete. „Das war krass gegen Bremen, das tut mehr weh“, sagte Dardai.

Aber auch das 0:1 in München schmerzte. „Nach 42 Jahren hatten wir die Möglichkeit, gegen mental müde Bayern zu gewinnen. Deshalb haben wir die Bayern ordentlich unter Druck gesetzt. Und hatten durch Salomon Kalou und Davie Selke zwei große Chancen.“ Obwohl bei beiden Gelegenheiten der Ball an Nationaltorwart Manuel Neuer bereits vorbei gespielt war, bewahrten Jerome Boateng und Joshuas Kimmich mit ihren Verteidigungsaktionen die Münchener vor einem Rückstand.

Jarstein zum Gegentor: Mein Fehler

Weil Rune Jarstein bei einer Bayern-Ecke daneben griff, Javier Martinez köpfte den Ball ins Hertha-Tor, flogen die Berliner mit einem 0:1 im Gepäck zurück. Der norwegische Nationaltorwart, bisher eine zuverlässige Größe in dieser Saison, sagte: „Es tut mir sehr leid für die Mannschaft. Das Tor geht auf meine Kappe. Ich hätte auf der Linie stehenbleiben müssen.“

Mit der siebten Saison-Niederlagen setzt sich der Hauptstadt-Klub selbst unter Druck. Trotz guter Leistungen in den letzten drei Partien (3:0 in Gladbach, 1:1 gegen Bremen, 0:1 in München) wurden nur vier Punkte geholt. Erstmals in dieser Saison steht Hertha als Tabellen-Zehnter schlechter dar, als es das selbstgesteckte Saisonziel – eine einstelliger Platzierung – vorsieht.

Doch ob derzeit Siebter oder Zehnter, das interessiert den Trainer nach zwei Dritteln der Saison weniger. „Wichtig ist in dieser Phase, dass man möglichst viele Punkte holt“, sagte Dardai. Hertha hat allein gegen Bremen und die Bayern „drei Punkte liegen gelassen“, so Dardai. Aber er wolle der Mannschaft „keinen Vorwurf machen: von der Leistung her, vom System, von der Disziplin, von den Torchancen her war das gut.“ Was Hertha im Moment fehlt, bezeichnete Dardai als „Glück“, „Fortuna“ oder „Fußball-Gott“.

Bereits vier Punkte Abstand auf die Europacup-Ränge

Getreu dem Motto „die Tabelle lügt nicht“, zeigt ein Vergleich der Hin- und der Rückserie die Unterschiede an. Nach den ersten sechs Saisonpartien hatte Hertha 13 Punkte gesammelt. Nach sechs Spielen im neuen Jahr gegen die gleichen Gegner sind es acht Punkte. Folge: Der Abstand auf die Europacup-Ränge (sechs und besser) hat sich auf vier Zähler erhöht.

Über den umstrittenen Platzverweis für Karim Rekik wollte der Trainer nicht weiter diskutieren. Auch wenn sich Manager Michael Preetz in der „BZ“ über Bayerns Torjäger Robert Lewandowski ärgerte („im Leben kein Platzverweis“) und dem Polen vorwarf, wiederholt „den sterbenden Schwan“ gegeben zu haben, beschäftigten Dardai die Auswirkungen. Rekik wird (mindestens) am kommenden Sonnabend im Heimspiel gegen Mainz gesperrt sein. Jordan Torunarigha, sein Stellvertreter, kämpft derzeit mit Achillessehnen-Problemen in der Reha.

Sieben Zähler aus den nächsten drei Spielen

Insofern ist fraglich, ob am Wochenende drei Innenverteidiger zur Verfügung hat, die Hertha für die derzeit favorisierte Dreier-Abwehrkette braucht. Egal, wer zur Verfügung steht: Der Trainer nimmt seine Mannschaft in die Pflicht. Damit Hertha nicht abgeschlagen im Mittelfeld versinkt, „brauchen wir jetzt eine Serie. Das heißt, sechs oder sieben Punkte aus den nächsten drei Spiele“, sagte Dardai. Bis zur Länderspiel-Pause Ende März trifft Hertha auf Mainz (2./Heimspiel), Freiburg (9./auswärts) und Dortmund (16./h).

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