Leichtathletik

Lisa Marie Kwayie - Vom Laufsteg zur Goldmedaille

| Lesedauer: 4 Minuten
Philip Häfner
Lisa-Marie Kwayie war im Sprint über 60 Meter die Schnellste in Leipzig

Lisa-Marie Kwayie war im Sprint über 60 Meter die Schnellste in Leipzig

Foto: Jan Woitas / dpa

Nach einem Model-Job für die „Vogue“ sprintet die Berlinerin bei den deutschen Meisterschaften zum Titel, qualifiziert sich für die EM.

Als Überraschungs-Ei hatte Lisa Marie Kwayie im Vorfeld ihren Start bei den deutschen Hallenmeisterschaften bezeichnet, weil sie selbst nicht genau wusste, wozu sie imstande war. Zwei Monate lang hatte die Sprinterin keinen Wettkampf mehr absolviert, zum Wettkampf in Leipzig reiste sie direkt aus dem Trainingslager. Am Ende gab es für die Sprinterin zwar keine Schokolade, doch dafür war das Spielzeug in ihrem Überraschungs-Ei ganz nach ihrem Geschmack.

Mit der Bestleistung von 7,19 Sekunden sicherte sich die Sportlerin von den Neuköllner Sportfreunden die Goldmedaille über 60 Meter und unterbot zudem die Norm für die Hallen-Europameisterschaften Anfang März in Glasgow (Schottland). Es war der erste nationale Titel für die 22-Jährige.

„Das Training hat auf eine gute Zeit hingedeutet, aber man muss das im Rennen natürlich immer auch erst umsetzen“, sagte Kwayie. So ganz konnte sie ihr Glück direkt nach dem Rennen wohl selbst nicht fassen. Zur Moderatorin meinte sie: „Kannst du mich bitte einmal kneifen?!“ Es läuft einfach bei ihr, denn nach der EM-Teilnahme im vergangenen Jahr und der Bronzemedaille dort mit der 4x100-Meter-Staffel war Lisa Marie Kwayie zuletzt auch als Model gefragt: Auf fünf Seiten posierte sie für die deutsche Ausgabe der „Vogue“.

Klosterhalfen stellt Rekord über 3000 Meter auf

Auch sonst waren es die Frauen, die bei den Hallenmeisterschaften die Akzente setzten. Kristin Gierisch (Chemnitz) sprang im Dreisprung mit 14,38 Metern Meisterschaftsrekord, Kugelstoßerin Christina Schwanitz (Thum) steigerte ihre Weltbestleistung auf 19,54 Meter, und über 60 Meter Hürden blieb Pamela Dutkiewicz (Wattenscheid) in 7,90 Sekunden nur eine Hundertstel über ihrer eigenen Weltjahresbestmarke. Weitspringerin Malaika Mihambo (Kurpfalz) musste sich nach ihren 6,99 Metern beim Istaf Indoor dieses Mal zwar mit 6,72 Metern begnügen, fährt aber ebenfalls als Mitfavoritin zur Hallen-EM. Bei den Männern gilt das nur für Europas Jahresbesten David Storl (Leipzig), der sich mit der Kugel auf 21,32 Meter verbesserte.

Für den Höhepunkt sorgte aber Konstanze Klosterhalfen (Leverkusen) mit ihrem Hallenrekord von 8:32,47 Minuten über 3000 Meter, womit sie die alte Bestmarke um fast vier Sekunden unterbot. „Der Plan war heute, ein bisschen zu üben, am Ende schnell zu laufen“, sagte sie fast bescheiden. Der Aufenthalt in den USA scheint ihr gut zu tun: Seit November trainiert Klosterhalfen am Firmensitz ihres Ausrüsters in Portland. „Ich möchte mich weiterentwickeln und bis ganz in die Weltspitze. Deshalb musste ich keine Sekunde nachdenken, als das Angebot kam, in den USA zu trainieren“, sagte sie. Allerdings sind das „Oregon Project“ und dessen Cheftrainer Alberto Salazar umstritten: Nach Vorwürfen, er habe eine ehemalige Läuferin zur Einnahme leistungsfördernder Mittel genötigt, ermittelt die Anti-Doping-Agentur der USA seit Jahren. Klosterhalfen wird jedoch nicht von Salazar, sondern von Pete Julian betreut.

Weil Konstanze Klosterhalfen in Leipzig die 3000 Meter vorzog und dafür auf die halb so lange Distanz verzichtete, ging die Berlinerin Caterina Granz von der LG Nord über 1500 Meter auf einmal als Jahresschnellste ins Rennen. Den möglichen Titel verbummelte sie jedoch im langsamsten Rennen der Meisterschaftsgeschichte, in dem Siegerin Hanna Klein (SG Schorndorf) auf der Schlussrunde die besten Reserven hatte. Für Granz blieb Bronze – „Minimalziel erfüllt, mehr aber auch nicht“, sagte sie. Immerhin hatte sie die Norm für die Hallen-EM schon vorher in der Tasche. Bronze holten außerdem ihre Vereinskollegen Marco Koch (400 Meter) und Deborah Schöneborn (3000 Meter).