Fußball-Regionalliga

In dieser Woche entscheidet sich Viktorias Zukunft

Noch hofft der Berliner Traditionsverein auf neue Geldgeber. Die Zeit drängt allerdings.

Für Viktorias Spieler um Pascal Maiwald (l.) ist die Perspektive unklar.

Für Viktorias Spieler um Pascal Maiwald (l.) ist die Perspektive unklar.

Foto: BEAUTIFUL SPORTS/Jan Kaefer / picture alliance / Beautiful Sports

Berlin.  Viel drastischer hätte man die Formulierung nicht wählen können. Unter „Fragen und Antworten zum Insolvenzantrag“ heißt es auf der Internetseite des FC Viktoria 89: Mit dem vorläufigen Insolvenzverwalter werde man prüfen, „ob und wie der Verein auf Dauer erhalten werden kann“. Ein Halbsatz, der lange nachhallt, der nach Wasser bis zum Hals klingt, nach Untergang. Steht eine der größten aktiven Fußball-Abteilungen des Landes tatsächlich vor dem Aus? Trotz ruhmreicher Tradition? Trotz der Erfolge der jüngeren Vergangenheit? Trotz der mehr als 60 gemeldeten Mannschaften? Es wäre ein Desaster im Süden Berlins.

Anruf bei Prof. Dr. Torsten Martini. Nachdem der asiatische Investor Advantage Sports Union (ASU) im November seine Zahlungen an Viktorias Regionalliga-Mannschaft unvermittelt eingestellt hatte, wurde der Rechtsanwalt als vorläufiger Insolvenzverwalter eingesetzt. „Für den Breitensport“, sagt er, „sehe ich über das Jahr keine allzu großen Probleme.“ Die gigantische Nachwuchsabteilung verfüge über zuverlässige Förderer, und die Mitgliedsbeiträge täten das ihrige. Tenor: Damit der Breiten- und Jugendbereich bei Viktoria auf der Strecke bleibt, müsse es schon mit dem Teufel zugehen.

Stürmer Sliskovic hat die Berliner bereits verlassen

Anders sieht es beim Flaggschiff des Klubs aus. Seit dem Einstieg von ASU im Mai 2018 träumten die Himmelblauen von einer Erfolgsgeschichte, selbst das Langzeitziel Bundesliga schien den Machern nicht absurd. Bis der Geldstrom aus Fernost plötzlich versiegte. Ob der Tabellensechste der Nordost-Staffel diese Saison beenden wird, steht seither in den Sternen.

Mit Stürmer Petar Sliskovic (VfR Aalen) hat einer der prominentesten Profis den Klub bereits verlassen. Andere Spieler hängen in der Luft. Bis einschließlich Januar erhalten sie zwar Insolvenzgeld, allerdings ist jenes bei 6000 Euro brutto gedeckelt. „Wir hoffen auf einen positiven Ausgang bei Viktoria, aber natürlich schaut man links und rechts“, sagte Toni Kierakowitz, der die Defensiv-Stammkräfte Christoph Menz (30) und Marko Schikora (24) berät. Er weiß: „Der Winter ist ein ganz schwieriges Transferfenster.“

Spieler sollen bald wissen, wohin der Weg geht

Theoretisch wäre ein Vereinswechsel bis zum 31. Januar möglich. Um den Spielern auch in der Praxis eine Chance zu geben, hat Martini jedoch angekündigt, schon zwischen dem 15. und 20. Januar zu verkünden, wohin Viktorias Reise gehen wird. Bis dahin sucht er gemeinsam mit der Klub-Führung händeringend nach neuen Geldgebern – zwar nicht in der Größenordnung von ASU, aber zumindest in der nötigen Dimension, um das Regionalliga-Team zu retten. Dass der Elf von Trainer Jörg Goslar ein Neun-Punkte-Abzug droht, ist dagegen eher ein Mückenstich als ein Nackenschlag.

Einen ersten Erfolg konnte Martini in dieser Woche bereits verbuchen. Mit dem Autohaus König wurde ein neuer Trikotsponsor gefunden. Ein Anfang, aber längst noch nicht genug. Die Gespräche mit weiteren Geldgebern, die jenseits der Stadtgrenzen angesiedelt sind, laufen. „Ich halte es nicht für aussichtslos, dass wir erfolgreich sind“, sagt Martini. Eines schließt er allerdings aus: dass kurzfristig noch Geld von ASU einzutreiben ist, wenngleich es Viktoria wohl zustünde. „Es gab einen Vertrag“, sagt der Jurist, und im Fall der Fälle wolle er nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens am 1. Februar bis nach Hongkong gehen. Ein weiter Weg.