Handball-WM

Gensheimer und Wolff glänzen bei DHB-Sieg gegen Brasilien

Der Kapitän trifft, der Torwart hält, der Block steht: Das DHB-Team steigert sich im zweiten WM-Spiel und gewinnt klar gegen Brasilien.

Reichlich Grund zu jubeln: DHB-Kapitän Uwe Gensheimer warf gegen Brasilien zehn Tore und wurde als bester Spieler der Partie ausgezeichnet.

Reichlich Grund zu jubeln: DHB-Kapitän Uwe Gensheimer warf gegen Brasilien zehn Tore und wurde als bester Spieler der Partie ausgezeichnet.

Foto: Michael Kappeler / dpa

Berlin.  Die deutschen Spieler tummelten sich am Kreis, hüpften, klatschten und ließen sich von 13.500 völlig euphorisierten Fans in der Mercedes-Benz Arena feiern. Ihnen allen war natürlich bewusst, dass dieses 34:21 (15:8) am Sonnabend gegen Brasilien nur der zweite Vorrundengruppensieg dieser Handball-Weltmeisterschaft war. Aber es war ein Erfolg, der Mut machte. Und einer, dem noch viele folgen sollen.

„Das war bisher mein schönster Tag als Bundestrainer“, sagte Christian Prokop. „Es war mega. Die Fans haben den Auftaktspieltag nochmal getoppt. Wahnsinn.“ Aber auch sein Team hatte sich im Vergleich zum Eröffnungserfolg gegen Korea gesteigert. „Die Mannschaft hat klasse gearbeitet. Von Beginn an“, sagte Prokop. Nervosität ließ die Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB) einfach gar nicht zu. Dafür umso mehr Kampfgeist. Denn den brauchte das Team um Kapitän Uwe Gensheimer gegen diese intensiv aufspielenden Brasilianer.

„Wir wussten, dass es sehr schwer wird, haben dann aber eine super erste Halbzeit gespielt und konnten die Führung nachher noch ausbauen“, sagte Rückraumspieler Steffen Fäth, der nach 23 Minuten zur Acht-Tore-Führung traf. Dass das zweite Spiel kein Selbstläufer werden würde, hatte man schon am Freitagabend erahnen können. Die Brasilianer hatten sich mit Kräften gegen Frankreich gewehrt. Und auch wenn sich der Titelverteidiger am Ende mit 24:22 durchsetze, glänzten die Südamerikaner vor allem im Angriff – mit wuchtigen Würfen aus dem Rückraum, die durch Jose Guilherme Toledo gleich acht Tore einbrachten.

Selbst Abwehrspezialist Lemke gelingt ein Treffer

Doch Bundestrainer Christian Prokop hatte sein Team perfekt auf diese rückraumstarke Mannschaft eingestellt. Mit einer 3-2-1-Formation in der Abwehr zwangen Hendrik Pekeler und Co. die Brasilianer zu weiteren Laufwegen, nahmen dem Gegner seine teils körperliche Überlegenheit und verhinderten so platzierte Würfe auf das Tor von Andreas Wolff. Und wenn dann doch mal einer durchging, stand da ja immer noch der Kieler Torwart. Mit zehn Paraden hatte der 27-Jährige einen nicht unwesentlichen Anteil am zweiten Vorrundensieg.

„Wir waren die deutliche stärkere Mannschaft“, sagte Rechtsaußen Patrick Groetzki. Denn auch im Angriff präsentierte sich die DHB-Auswahl stark verbessert – die von Prokop gegen Korea monierte Chancenverwertung war kein Thema mehr. „Auch wenn wir am Ende einige Bälle weggeworfen haben, zählt, dass die meisten im Ziel gelandet sind“, sagte Kreisläufer Patrick Wiencek. Die Würfe waren durchdachter, die Anspiele präziser und jeder einzelne Spieler schien durch die euphorische Atmosphäre noch ein bisschen mehr Selbstvertrauen bekommen zu haben.

Was sich auch an der Torschützenliste ablesen ließ. Jeder Feldspieler verwandelte mindestens einen seiner Wurfversuche. Selbst Finn Lemke – sonst eher in den defensiven Gefilden zu finden – traf kurz vor Schluss noch per Tempogegenstoß. „Das hat extrem viel Spaß gemacht. Man hat richtig gemerkt, dass die Halle Bock auf das Spiel hatte“, sagte Füchse-Spieler Paul Drux. Als erfolgreichster Schütze glänzte aber mal wieder Kapitän Gensheimer. Mit zehn Treffern (fünf davon per Siebenmeter) ließ sich der 32 Jahre alte Linksaußen auch zum besten Spieler der Partie küren.

Nun wartet mit Russland eine echte Bewährungsprobe

Gensheimer war es, der seine Mannschaft schon nach zwölf Minuten auf vier Tore davonziehen ließ. „Der Abstand war von Anfang an groß, da sind wir gar nicht in den Stressfaktor reingekommen. Die Mannschaft hat immer fokussiert gearbeitet, in der Abwehr geackert und sich gepusht“, sagte Prokop. Und gab zu, dass er die Gegner aus Südamerika unterschätzt hätte, wenn er sie nicht am Freitagabend live in der Halle beobachtet hätte, nur etwas mehr als 20 Stunden zuvor. Ein Vorteil für die deutsche Auswahl. „Man darf nicht unterschätzen, dass Brasilien keine Regenerationszeit hatte“, sagte Pekeler zum engen Zeitplan.

Das DHB-Team hat nun etwas mehr Zeit, bevor „zwei Hammerspiele“ anstehen, wie Torhüter Wolff sagte. Am Montagabend (18 Uhr, ARD) geht es weiter gegen Russland, das sich am Nachmittag mit 34:27 gegen Korea durchgesetzt hatte. Einen Tag später wartet dann Titelverteidiger Frankreich (20.30 Uhr, ZDF). Die ersten beiden echten Bewährungsproben für das deutsche Team.