Handball-WM

Ein Wolff wie eine Wand

Andreas Wolff ist die deutsche Nummer eins. Bei der WM will er zusammen mit der Nationalmannschaft Geschichte neu schreiben.

Andreas Wolff (hinten) zeigte beim WM-Eröfffnungsspiel gegen Korea 13 Paraden und wurde zum Mann des Spiels gewählt.

Andreas Wolff (hinten) zeigte beim WM-Eröfffnungsspiel gegen Korea 13 Paraden und wurde zum Mann des Spiels gewählt.

Foto: Martin Rose / Bongarts/Getty Images

Berlin.  Im Einkaufszentrum neben der Mercedes-Benz Arena gibt es eine Videowand, an der Duelle mit Andreas Wolff möglich sind. Allerdings nur virtuell. Mit kleinen Sandsäcken können sich die Handballfans dort im Siebenmeter-Werfen gegen Deutschlands WM-Torhüter Nummer eins versuchen. Der virtuelle Wolff zieht dann blitzschnell ein Bein so hoch, dass es bis zur Latte des Tores reicht, an seinen flinken Händen ist kein Vorbeikommen. „Viel Glück beim nächsten Mal“, sagt Computer-Wolff süffisant lächelnd.

So ähnlich muss sich das für die koreanischen Spieler am Donnerstag bei ihrer 19:30-Niederlage gegen Deutschland angefühlt haben. Wenn sie sich einmal durch die deutsche Abwehr gekämpft hatten, dann tauchte dieser bärtige Hüne vor ihnen auf. 13 hochkarätige Chancen vereitelte er: viel Glück beim nächsten Mal. Später folgte einer dieser typischen Wolff-Sätze. Geradeaus und mit einem Schuss Ironie getränkt. „Ich freue mich darauf, wenn das Turnier am Samstag richtig losgeht.“ Korea, das war für ihn nur die Aufwärmphase dieser WM. Heute geht es weiter gegen Brasilien (18.15 Uhr, ZDF). „Ich kann kaum erwarten, wenn wir ein Spiel auf Spitz und Knopf erleben werden.“

Einer der wenigen Handballer, die erkannt werden

Solche Spiele haben Wolff zu dem gemacht, der er heute ist: zu einem der wenigen Handballer, die auf der Straße erkannt werden. Zum Europameister 2016. Es war dieses Turnier in Polen, bei dem aus ihm jener Sportstar wurde, der im Anschluss durch Fernsehshows tingelte, sich mit Fußball-Weltmeister Manuel Neuer traf und jüngst Box-Ikone Wladimir Klitschko eines seiner Trikots überreichte. 2016 hatte Wolff die Spanier beim 24:17 im Finale zur Verzweiflung getrieben. Sein Ziel: bester Torhüter der Welt werden.

27 Jahre ist er alt, den entscheidenden Schritt in diese Richtung hätte der Wechsel von der HSG Wetzlar zum THW Kiel bringen sollen. Rekordmeister, Champions-League-Teilnehmer – die perfekte Bühne für Wolff. Richtig glücklich ist er dort aber nie geworden. Weil er das Tor mit dem Dänen Niklas Landin teilen muss. Schon lange steht deshalb der Wechsel zu KS Kielce fest. In Polen gibt es mehr zu verdienen. Aber vor allem will Wolff dort wieder die unangefochtene Nummer eins sein.

Derzeit funktioniert das Gespann mit Silvio Heinevetter

Es war ein Vertrauensbeweis, den Bundestrainer Christian Prokop ihm vor dem WM-Start entgegenbrachte, als er sich früh auf Wolff als Nummer eins festgelegt hatte. „Wenn der Trainer einem sagt, dass er einem vertraut, ist das eine ganz andere Motivation“, sagt Wolff. Der Berliner Silvio Heinevetter (34), Torhüter Nummer zwei, akzeptiert die Rollenverteilung. Derzeit sind die beiden selbstbewussten Schlussmänner im Training und vor Spielen bei Späßchen zu beobachten. Prokop nimmt es erfreut zur Kenntnis: „Wir brauchen ein Torwart-Gespann, das sich ergänzt. Das ist entscheidend fürs Turnier.“

Ob es so erfolgreich verläuft wie die vorangegangene WM in Deutschland? Wolff rollt mit den Augen. „Das Gerede über 2007 nervt. Wir schreiben unsere eigene Geschichte.“

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