Olympia

Olympia 2020: Korruptionsverdacht gegen Japans NOK-Präsident

Gegen Präsident Tsunekazu Takeda vom Japanischen Olympischen Komitee wurden Ermittlungen wegen Korruption bei der Olympia-Vergabe eingeleitet.

Dem IOC und Präsident Thomas Bach (r.) droht ein Skandal: Tsunekazu Takeda, Präsident des japanischen NOKs, steht unter Korruptionsverdacht.

Dem IOC und Präsident Thomas Bach (r.) droht ein Skandal: Tsunekazu Takeda, Präsident des japanischen NOKs, steht unter Korruptionsverdacht.

Foto: dpa pa

Tokio. Thomas Bach stand im verschneiten Oberhof mit schwarz-weißer Wollmütze und dunkler Winterjacke am Schießstand und wollte zu den jüngsten Skandal-Meldungen partout nichts mehr sagen. "Ich möchte jetzt Sport sehen", sagte der deutsche IOC-Präsident beim Biathlon-Weltcup auf SID-Nachfrage.

Die jüngsten Veröffentlichungen über Bestechungsvorwürfe gegen Tokios Olympia-Chef Tsunekazu Takeda dürften den IOC-Chef beim Besuch in der Heimat ziemlich gewurmt haben. Gegen Takeda, Chef des japanischen Olympischen Komitees und Kopf der Bewerbung für Olympia 2020, wurden in Paris Ermittlungen wegen des Verdachts der aktiven Korruption eingeleitet. Damit drohen dem IOC und Tokio weniger als eineinhalb Jahre vor der Eröffnungsfeier schwere Zeiten.

Takeda weißt alle Schuld von sich

Der 71 Jahre alte Takeda, ein Urenkel des früheren Kaisers Meiji und seit 2012 IOC-Mitglied, soll für die Vergabe der Spiele an Tokio ein Bestechungsgeld von rund zwei Millionen Euro bezahlt haben. Japans Hauptstadt hatte sich bei der Vergabe auf der IOC-Session 2013 in Buenos Aires gegen die Mitbewerber Madrid und Istanbul durchgesetzt.

Takeda, der auch Vorsitzender der IOC-Marketingkommission ist, wies am Freitag alle Schuld von sich. Er habe bei seiner Anhörung erklärt, dass er "an keinem Fehlverhalten wie Bestechung beteiligt war". Das IOC sah von Konsequenzen ab, da für sein Mitglied Takeda zunächst "die volle Unschuldsvermutung" gelte. Die Ethikkommission habe sich der Sache angenommen, hieß es.

Spur führt zur Familie Diack

Doch auch das IOC muss einsehen, dass trotz aller Bemühungen die Negativschlagzeilen nicht abreißen. Seit Olympia 2016 kam es nach Verfehlungen von Mitgliedern zu mehreren Rücktritten und Suspendierungen. Zu den prominentesten Fällen gehörten dabei Brasiliens IOC-Ehrenmitglied Carlos Nuzman, Irlands Ex-Exekutivmitglied Patrick Hickey und zuletzt auch Scheich Ahmad Al-Sabah (Kuwait), der großen Anteil an der Wahl von Bach zum IOC-Präsident hatte.

Nun könnte es auch für Takeda eng werden, zumal wieder ein berüchtigter Name auftaucht. Takedas Zahlung soll an Black Tidings in Singapur geflossen sein. Die Consulting-Firma steht in Verbindung mit dem Senegalesen Papa Massata Diack. Der Sohn von Lamine Diack, früherer Präsident des Internationalen Leichtathletik-Verbandes IAAF, gilt in gleich mehreren Korruptionsfällen der jüngsten Sportgeschichte als zentrale Figur.

Schon Anfang 2017 erstmals befragt

Diack junior soll schon Einfluss auf die Stimmenabgabe afrikanischer Länder bei der Wahl von Rio de Janeiro als Ausrichter der Olympischen Sommerspiele 2016 gehabt haben. Der Afrikaner steht seit 2015 auf der Fahndungsliste von Interpol, wird aber vom Senegal geschützt. Die Regierung des afrikanischen Landes weigerte sich bislang, ihn auszuliefern.

Takeda, der als Springreiter bei den Olympischen Spielen 1972 und 1976 teilnahm, wurde bereits Anfang 2017 von den französischen Richtern zu der ominösen Zahlung befragt. Damals konnte die französische Justiz dem Multi-Funktionär jedoch kein Fehlverhalten nachweisen. Nun sind die Ermittler offenbar auf eine neue Spur gestoßen.

Brisanter Entscheidungszeitraum

In Japan hatte das Olympische Komitee vor drei Jahren zur Aufklärung auch eine Kommission gegründet. Erwartungsgemäß sprach diese Takeda jedoch frei. Die Ermittler räumten zwar ein, dass das Geld an eine Agentur in Singapur geflossen sei, allerdings legal für Beraterdienste. Bezahlt wurde in zwei Raten, im Juli und Oktober 2013. Brisant: Die Entscheidung zugunsten Tokios fiel im September 2013.

Neuen Schwung war im Oktober letzten Jahres in die Diack-Affäre gekommen. Nachdem der Senegal den Zuschlag für die Austragung der Olympischen Jugendspiele 2022 erhalten hatte, forderte IAAF-Präsident Sebastian Coe das afrikanische Land auf, bei der Auslieferung von Papa Massata Diack zu helfen. Bach pflichtete Coe seinerzeit bei und erklärte, dass er vom Senegal die Zusicherung erhalten habe, bei der Auslieferung von Papa Diack zu helfen. (sid)