Biathlon-Weltcup

Deutsche Frauen erleben in Oberhof ein Debakel

Ohne Laura Dahlmeier fehlt den Biathletinnen beim Weltcup-Sprint in Oberhof ein Volltreffer. Karolin Horchler läuft nur auf Rang 34.

Karolin Horchler kam als beste Deutsche auf einen enttäuschenden 34. Platz

Karolin Horchler kam als beste Deutsche auf einen enttäuschenden 34. Platz

Foto: Martin Schutt / dpa

Oberhof.  Ole Einar Björndalen kam in der Oberhofer Arena nur schleppend voran, so viele Autogrammwünsche musste der norwegische Rekord-Olympiasieger erfüllen. Dabei hat der 44-Jährige seine Karriere schon beendet. Laura Dahlmeier ist als Titelträgerin der Winterspiele von Pyeongchang dagegen noch im Geschäft, hatte allerdings ihren Start beim Biathlon-Weltcup im Thüringer Wald mit dem Hinweis auf eine Erkältung abgesagt.

Aber auch sie war in Oberhof so präsent, als wäre sie am Start gewesen. Denn selten wurde eine Skijägerin so sehr vermisst. So groß die Aufmerksamkeit für beide auch gewesen sein mag, so schlecht sind die deutschen Biathlon-Frauen ins neue Jahr gestartet.

„Jeder läuft sein eigenes Rennen“, sagte Kristian Mehringer als Disziplintrainer der deutschen Frauen auf die Frage, wie sehr Dahlmeier der Mannschaft gefehlt hat. Die siebenfache Weltmeisterin hatte bei ihrem Comeback im Dezember mit Rang zwei im Sprintrennen in Nove Mesto für den bislang einzigen Podestplatz der deutschen Frauen in diesem Winter gesorgt.

Insgesamt zwölf Schießfehler als zu große Hypothek

Nun also erlebten die einheimischen Skijägerinnen beim 7,5 Kilometer langen Sprint als Auftakt des ersten Weltcups des neuen Jahres einen klassischen Fehlstart. Es war das schlechteste Weltcup-Ergebnis der Saison für die deutschen Frauen, die noch nicht einmal unter die besten 30 kamen. Karolin Horchler aus Clausthal-Zellerfeld war vor 9000 Zuschauern mit einem Rückstand von 1:28 Minuten auf Platz 34 die beste deutsche Biathletin an diesem gebrauchten Nachmittag.

Mit einem nahezu identischen Rückstand war die einstige Langläuferin Denise Herrmann aus Oberwiesenthal ins Ziel gekommen. Die 30-Jährige musste allerdings bei beiden Schießeinlagen jeweils zweimal in die Strafrunde. Mit einem fehlerfreien Schießen wäre Herrmann ganz nach vorne gelaufen, weshalb Trainer Mehringer auch von einer guten läuferischen Leistung sprach. Immerhin.

Mit der Waffe aber produzierten die deutschen Frauen unzählige Fehler. Bei den insgesamt 60 Schüssen verfehlten zwölf Patronen die 50 Meter entfernten Scheiben. In einem Sprintrennen eine zu große Hypothek. „Wir sind sehr enttäuscht, denn wir hatten hohe Erwartungen“, sagte der Frauen-Trainer. Franziska Preuss, die dreimal in die Strafrunde musste und nur Platz 45 erreichte, wirkte ziemlich ratlos. „Es war einfach richtig schlecht am Schießstand“, sagte die aktuell beste deutsche Biathletin aus Oberbayern, die nach neun Rennen im Weltcup auf Platz elf liegt und ein wenig amüsiert auf die Fragen nach der fehlenden Laura Dahlmeier reagierte. „Uns nervt es, dass das Thema kein Ende nimmt. Biathlon ist ein Einzelsport.“ Franziska Hildebrand aus Clausthal-Zellerfeld auf Platz 40 und Nadine Horchler (Willingen) als 41. waren ebenso chancenlos wie Anna Weidel (Kiefersfelden), die als 80. sogar das Verfolgungsrennen am Sonnabend verpasste.

Erste Sieg überhaupt für Italienerin Vittozzi

Dabei präsentierte sich das mit Nebel, Wind oder Regen manchmal ziemlich raue Oberhof gestern Nachmittag von seiner besten Seite. Klare Sicht, ausreichend Schnee, kaum Wind und sogar ein paar Sonnenstrahlen zum Ende des Rennens sorgten für perfekte Bedingungen.

Mit diesen Gegebenheiten kam unterdessen Lisa Vittozzi am besten zurecht. Die 23 Jahre alte Italienerin, die noch nie zuvor ein Weltcup-Einzelrennen gewinnen konnte, siegte vor Anais Chevalier aus Frankreich sowie der schwedischen Olympiasiegerin Hanna Oeberg, die am Schießstand allesamt ohne Fehler geblieben waren.

Für das Verfolgungsrennen am Sonnabend müssen sich die deutschen Frauen nun ziemlich weit hinten anstellen. „Wir müssen es schaffen, mit guten Leistungen wieder Selbstvertrauen zu sammeln“, sagt Frauen-Trainer Mehringer. Ansonsten bleibt nur die Hoffnung auf die Rückkehr von Laura Dahlmeier. Wahrscheinlich am Montag will die Olympiasiegerin gemeinsam mit den Trainern entscheiden, ob sie beim am 15. Januar beginnenden Weltcup in Ruhpolding wieder dabei sein wird.

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