Biathlon

Preuß will raus aus Dahlmeiers Schatten

Franziska Preuß ist vor dem Weltcup in Oberhof die aktuell beste deutsche Biathletin. Die Fragen nach dem fehlenden Topstar nerven sie.

Franziska Preuß liegt im Gesamtweltcup derzeit auf Rang zehn.

Franziska Preuß liegt im Gesamtweltcup derzeit auf Rang zehn.

Foto: Martin Schutt / dpa

Oberhof.  Kristian Mehringer hatte einiges zu tun, als er vor dem Start der deutschen Biathletinnen ins neue Jahr seine aktuelle Liste an Aus- und Problemfällen präsentierte. Franziska Hildebrand, erwähnte der Frauen-Coach, plagte zuletzt eine Erkältung. Beim Weltcup in Oberhof, der am Donnerstag mit dem Sprint der Frauen beginnt (14.15 Uhr/ZDF), steht die zweimalige Staffelweltmeisterin immerhin im Kader. Fehlen werden dagegen Vanessa Hinz und – erneut – Laura Dahlmeier.

Ganz fidel ist dafür Franziska Preuß, die 24-jährige Oberbayerin, die in Oberhof stets vor einer besonderen Herausforderung steht. Denn ob in der winterlichen Wetterküche am Rennsteig annähernd gleiche Bedingungen für alle Athleten herrschen, ist oft Glückssache. Mit Grausen denkt Preuß („Ich will, dass es fair zugeht“) im Gespräch mit dieser Zeitung zum Beispiel an die Männerstaffel im vergangenen Januar: „Da war es neblig ohne Ende. Und das hat immer so einen blöden Beigeschmack, wenn man nicht das zeigen kann, was man drauf hat – weil man einfach nichts sieht.“

Von der gesundheitlich weiterhin angeschlagenen Dahlmeier war schon bei den ersten beiden Weltcups im Dezember nichts zu sehen. „Weniger ist manchmal mehr!“, erklärte die Doppel-Olympiasiegerin von Pyeongchang nun auf Facebook. Und fügte hinzu: „Ich muss in diesem Winter einfach von Tag zu Tag gucken, wie es mir geht und was möglich ist.“ Die Spitzenkraft des DSV-Teams erlebte einen schwierigen Sommer, mit einer Radsport-Verletzung und einer Weisheitszahn-OP inklusive nachfolgender Infektion. Ende September lag sie für eine Woche im Krankenhaus, konnte nicht mal aufstehen. Sie zweifelte daran, jemals wieder Leistungssport betreiben zu können.

Die Oberbayerin hatte selbst mit Rückschlägen zu kämpfen

Auf dem mühsamen Weg zurück bekam Dahlmeier dann einen Anstoß von Preuß. „Ich habe mit ihr natürlich darüber gesprochen und ihr bei unserem Lehrgang im Oktober auch einen Tipp gegeben, der mir extrem geholfen hatte“, erzählt die Ruhpoldingerin. Über den Inhalt schweigt sie lieber, sagt stattdessen: „Man schaut schon, wo man sich gegenseitig unterstützen kann – gerade, weil ich die Erfahrung selbst schon gemacht habe.“

Die aktuell beste DSV-Skijägerin (Rang zehn im Gesamtweltcup) erlebte ihren Karrieretiefpunkt vor zwei Jahren. Bei der Überwindung einer Steißbeinverletzung und diverser Viruserkrankungen fühlte sie sich zwischenzeitlich „wie ein Wrack“. Mittlerweile kennt Preuß die Bedürfnisse ihres Körpers, hat für sich auf medizinischer Ebene einen ganzheitlichen Weg entdeckt. An ihrem Wissen ließ sie im Herbst nun Dahlmeier teilhaben, die kurz vor Weihnachten, drei Wochen früher als geplant, in Nove Mesto in die Saison einstieg. In ihrem ersten Rennen bescherte die 25-Jährige den mühsam in den Winter gestarteten DSV-Frauen als Sprint-Zweite prompt den ersten Podestplatz. Die entsprechenden Diskussionen um ihre Abhängigkeit von Dahlmeier gehen den deutschen Skijägerinnen seitdem gewaltig gegen den Strich – auch Preuß.

„Biathlon ist eine Einzelsportart. Ob Laura mit im Starterfeld steht oder nicht, das spielt für dich in dem Moment, in dem du an der Startlinie stehst, keine Rolle. Für uns ist das eher ein bisschen nervig, ständig danach gefragt zu werden. Weil es für uns einfach kein Thema ist“, kommentiert die Staffelweltmeisterin von 2015 den langen Schatten der berühmten Teamkollegin. Mit Dahlmeier verbunden fühlt sie sich bei der Thematik Verletzungen und Erkrankungen jedenfalls nicht, trotz ähnlicher Erfahrungen. „Sie hatte eine ganz andere Vorgeschichte als ich. Jeder Fall ist da irgendwie speziell und individuell“, sagt Franziska Preuß.

© Berliner Morgenpost 2019 – Alle Rechte vorbehalten.