Skispringen

Kobayashi hat nun seinen Platz in der Geschichte

Der Japaner gewinnt alle vier Springen bei der Vierschanzentournee. Eisenbichler und Leyhe sorgen für doppelten Podestplatz für den DSV

Foto: Alexander Hassenstein / Bongarts/Getty Images

Bischofshofen.  Das ganze Salzburger Land unter einer schneeweißen Decke verdeckt, aber einer fand in Bischofshofen doch noch eine Lücke und sorgte für das vielbeachtete Glanzlicht. Als er gelandet war, blieb Ryoyu Kobayashi unweit des Goldenen Adlers stehen, er konnte sich nach 137,5 Metern ja sicher sein, Gesamtsieger dieser 67. Vierschanzentournee zu sein. Aber auch Grand-Slam-Sieger? Als dritter Skispringer nach Sven Hannawald und Kamil Stoch, dem dieses unglaubliche Kunststück gelingt und der alle vier Springen gewinnt? Die Teamkollegen klopften ihm schon auf den Helm, aber noch standen da ja drei Springer oben auf der Paul-Außerleitner-Schanze.

Eisenbichler wird Zweiter, Leyhe springt auf Platz drei

Und der letzte von ihnen war Markus Eisenbichler, der dem Japaner diesen großen Triumph noch nehmen konnte. Der 27 Jahre alte Oberbayer hob ab – und landete zu kurz, um den vierten Tagessieg Kobayashis verhindern zu können. 131,5 Meter, Eisenbichler fiel auf Platz fünf (265,5 Punkte) sogar noch hinter Stephan Leyhe (266) zurück, sicherte sich mit 62,1 Punkten Rückstand auf den Überflieger dieser Saison aber Platz zwei in der Gesamtwertung (1035,9) vor Leyhe (1014,1). Zwei Deutsche am Ende der Tournee auf dem Siegerpodest – ein nicht für möglich gehaltener Erfolg für die deutschen Adler von Bundestrainer Werner Schuster. „Geil, geil, geil, geil, geil, ohne Scheiß“, jubelte Eisenbichler. „Sensationell, es war meine beste Tournee. Im letzten Sprung haben mir die Nerven geflattert, aber ich bin total zufrieden.“ Und Schuster resümierte: „Wir sind leider wieder an einem Überflieger gescheitert. Aber es war auch für uns eine gute Tournee.“

Bei Kobayashi brachten dann alle Dämme, er hüpfte durch den Schnee. „Es ist unglaublich“, sagte er, nachdem er beinahe im Zielbereich das Häuschen, in dem der Führende wartet, mit seinen Skiern abgerissen hätte. Ob er nervös gewesen sei, als Eisenbichler den Anlauf herunterfuhr? „Nein, ich habe nur noch gewartet, denn ich hatte ja schon alles gegeben.“ Mit seinen Teamkollegen feierte Kobayashi euphorischer, als er sich vor dem Halbkreis von Mikrofonen den Journalisten stellte. Nun gehört der Japaner dem exklusiven Klub der Grand-Slam-Sieger an. „Ich bin völlig entspannt seit dem letzten Jahr“, sagte Hannawald würdigende Worte in Richtung des dritten Mitglieds, „ich heiße aber jeden willkommen, der sich so anbietet wie Kobayashi.“ Und Vorjahressieger Stoch erklärte: „Bravo. Es ist immer unglaublich, wenn jemand so tolle Leistungen vollbringt.“

Es hat nicht viel gefehlt, und Kobayashi wäre doch noch daran gescheitert, es Hannawald (2002) und Stoch (2018) nachzumachen. Aber nicht nur wegen Eisenbichler: Schnee und Wind haben für ein chaotisches Wochenende in Österreich gesorgt. Dass die Qualifikation am Sonnabend erst hinausgezögert und schließlich ganz abgesagt wurde, war weit weniger dramatisch als die Situation für Urlauber und Einheimische, die teilweise in Tälern wegen vollgesperrter Zufahrtsstraßen festsaßen. So wurde die Qualifikation am Sonntag zwischen Probesprung und Wettkampf eingespeist, und weil der Schneefall sich etwas legte, wurden die Befürchtungen von der ersten Dreischanzentournee noch begraben.

Die Zukunft von Bundestrainer Schuster ist offen

So konnte es auch um 18.54 Uhr für Werner Schuster ein besonderer Moment werden, als er Eisenbichler den Flug freigab. Ob der 49-Jahrige auch im nächsten Winter als Bundestrainer ist ungewiss. Schuster will einerseits den erfolgreichen Weg mit den deutschen Adlern fortzusetzen, er hat ihn ja quasi als Entwicklungshelfer, als die Boomjahre mit Hannawald und Martin Schmitt hinter dem deutschen Skispringen lagen, selbst bereitet. Andererseits fordert die berufsbedingte häufige Abwesenheit von der Familie allmählich ihren Tribut. Darum hat der Österreichische Skiverband dieser Tage Schuster öffentlich zu einer Bewerbung nahezu aufgefordert – um eine Stelle, bei der er nicht mehr so viel umherreisen müsste und die trotzdem einen weiterhin sehr zufriedenstellenden Gehaltszettel garantieren würde.

Am 20. Februar beginnt in Seefeld/Österreich die nordische Ski-WM, bis dahin will sich Schuster entschieden, welchen Job er ausüben möchte. Um sich bei der WM wieder aufs Sportliche konzentrieren und um Titel mitspringen zu können. „Jetzt sind aber zwei Deutsche auf dem Podest“, wollte Eisenbichler jedoch den Blick aufs Jetzt lenken, „und deswegen gibt es jetzt erstmal ein sauberes Weißbier.“