Fußball

Die elf ungewöhnlichsten Fußballgeschichten des Jahres

Von Platzwahl per Kreditkarte, Manchester City im ugandischen Gefängnis und ein Transfervertrag mit Ziegen

Die Fußball-Frauen von Jamaika, die Reggae-Girlz, feiern die erstmalige Qualifikation für die WM 2019, die in Frankreich gespielt wird.

Die Fußball-Frauen von Jamaika, die Reggae-Girlz, feiern die erstmalige Qualifikation für die WM 2019, die in Frankreich gespielt wird.

Foto: Getty Images / Getty Images Sport/Getty Images

Berlin.  Wer denkt, dass das Ausscheiden der deutschen Nationalmannschaft bei der WM-Endrunde in Russland das Kurioseste war, was der Fußball in 2018 zu bieten hatte, hat sich getäuscht. Nicht mal der Abstieg in die Zweitklassigkeit der Nations League oder Herthas fulminanter Bundesliga-Saisonstart sind so ungewöhnlich wie die Geschichten, die die Morgenpost aus aller Welt zusammengetragen hat.

What?: Eigentlich hatte Sanchez Watt doch alles richtig gemacht. Der Schiedsrichter hatte ihn nach seinem Namen gefragt, er hatte geantwortet. Und dann die Rote Karte gesehen. What? Der Kicker des englischen Sechstligisten Hemel Hempstead hatte im Spiel gegen East Thurrock den Ball weggeschlagen und sollte deswegen vom Unparteiischen Dean Hulme verwarnt werden. Der verstand Watts Antwort auf die Frage nach seinem Namen allerdings als sarkastische Gegenfrage (What statt Watt) und stellte ihn vom Platz. Ein unschönes Missverständnis, das Hempsteads Kapitän Jordan Parkes aber glücklicherweise aufklären konnte. Der Schiedsrichter nahm den Platzverweis danach sofort zurück. Watt ‘ne Geschichte.


Mit Köpfchen: Was hier natürlich auf keinen Fall fehlen darf, sind die kuriosesten Tore 2018. Der Sieger dieser Kategorie ist in diesem Jahr, nein, nicht Unions Torhüter Rafal Giekiwicz für seinen Kopfballtreffer gegen Heidenheim, sondern ein russischer Schiedsrichter. Auch eine Spezies, die eher selten in diesen Genuss kommt. In einer russischen Amateur-Liga war es der Unparteiische Atay Daudov, der Ende September beim Spiel zwischen den wohlklingenden Teams Keyes DD aus Kizilyurt und Manas aus Dahadaevskiy den Ball ins Tor bugsierte. Nach einem Elfmeter eines Manas-Spielers prallte das runde Leder aus den Händen des Keepers aufs Feld – genau auf den Kopf von Daudov und von dort zurück in die Maschen. Das Tor zählte, war der 3:4-Anschlusstreffer für Manas. Und gab offenbar ordentlich Aufwind. Denn die Partie endete 4:4. Als Torschütze wurde allerdings der Elfmeterschütze geführt, nicht Daudov. Irgendwie schon ein bisschen unfair, aber ­regelgerecht.

Per Karte bitte: Dass Geld die Fußballwelt regiert, ist ja schon länger kein Geheimnis mehr. Beim International Champions Cup im Sommer ging die Liebe zum Kapital so weit, dass sogar die Platzwahl beim Spiel zwischen Mesut Özils FC Arsenal und Paris St. Germain per Kreditkarte entschieden wurde. Wer jetzt denkt, dass der Schiedsrichter seine Münze, die sonst über Anstoß und Seitenwahl entscheidet, nur in der Kabine vergessen hat, der wird leider enttäuscht. Es war eine Marketingaktion eines Sponsors. Natürlich.

Weitsichtig: Natürlich darf bei einem solchen Jahresrückblick die Weltmeisterschaft nicht fehlen. Und weil über die Leistung auf dem Platz ja nun wirklich genug berichtet wurde, schauen wir lieber abseits des Rasens. Während die japanischen Fans in Russland die Tribünen nach dem Spiel gegen Kolumbien wieder aufräumten, fielen ihre südamerikanischen Kollegen auf – zweifelhaft – kreative Weise auf. Eine kleine Gruppe Fans der „Los Cafeteros“ hatte Alkohol ins Stadion geschmuggelt und zwar in einem Fernglas. Vorbei an den ahnungslosen Sicherheitsleuten peppten sie ihre Limo mit Hochprozentigem aus dem Innern ihres Feldstechers auf. Das Spiel verloren die Kolumbianer mit 1:2. Aber zumindest die äußerst weitsichtigen Fans hatten wohl trotzdem gute Laune.


Kreisklasse kurios: Zugegeben, der Sprung vom wichtigsten Fußball-Turnier der Welt in die Kreisklasse Regen im Südosten Bayerns ist extrem groß. Was sich dort im Oktober zutrug, ist aber deswegen nicht weniger kurios. Im Spiel zwischen Untermitterdorf und Habischried simulierte ein Spieler des Gastvereins kurz vor dem Ende einen Abseitspfiff, um den Angriff der Hausherren zu stoppen. Allerdings war die Verwirrung bei seinen Mitspielern so groß, dass Habischried gar nicht merkte, wie Untermitterdorf direkt weiterspielte. Und mit der nächsten Offensiv-Attacke aus 20 Metern den 2:1-Siegtreffer erzielte. Der Unglücksrabe aus Habischried war da bestimmt nicht Mann des Spiels.

Reggae-Girlz: Und weil bislang definitiv die weibliche Note fehlt, noch eine kleine Geschichte aus Jamaika. Dem Mutterland des – äh, Fußballs wohl nicht. Denn der karibische Inselstaat ist eher für Reggae, Cricket und Sprinter Usain Bolt bekannt. Umso größer war die Sensation, als sich die Frauen-Nationalmannschaft Jamaikas Mitte Oktober erstmals für die Fußball-WM qualifizierte. 2019 feiern die „Reggae-Girlz“, wie sie in ihrer Heimat genannt werden, nun ihr WM-Debüt in Frankreich. Dank eines Zittersieges im Elfmeterschießen beim Gold Cup gegen Panama. Der gelb-schwarz-grünen Glückseligekeit tat das keinen Abbruch.

Tierische Störenfriede: Beim Berliner Landesligisten VfB Hermsdorf hatte man in diesem Jahr gleich zweimal tierischen Ärger. Erst pflügte eine Horde Wildschweine Mitte August den Sportplatz Seebadstraße um. Dann machten auch noch Maulwürfe Anfang Oktober aus dem Naturrasenplatz in Reinickendorf eine Buckelpiste. Zum Glück konnte die Mannschaft für Spiele und Training auf den benachbarten Kunstrasenplatz ausweichen. Der ist garantiert umpflügsicher.

Baby-Hattrick: Und weil ja gerade Weihnachten, das Fest der Liebe und der Familie war, hier noch was für’s Herz. Saido Berahino, einst englische Sturm-Hoffnung, ist in diesem Jahr dreimal Vater geworden. In sieben Wochen. Man muss kein Mathe-Genie sein, um festzustellen, dass da irgendwas nicht ganz stimmt. Los ging es am 30. Mai: Berahinos Ex-Verlobte Stephania Christoforou bringt einen Sohn zu Welt. Das Paar war da schon nicht mehr zusammen, weil der Fußballer von Stoke City versucht hatte, das US-Model Chelsea Lovelace ins Haus zu schmuggeln. Und vermutlich auch ins Bett. Denn genau jene Lovelace war es, die den Afrikaner am 17. Juli dann zum Vater einer Tochter machte. Nur zwei Tage nachdem eine Jugendfreundin des englischen Kickers ebenfalls schon eine Tochter bekommen hatte. Von Berahino. Damit hat der 25-Jährige in diesem Jahr übrigens mehr Kinder bekommen als Tore geschossen. Das kann nun wirklich nicht jeder von sich behaupten.

Apropos Ziege: Der türkische Provinzklub Gülspor hat in diesem Sommer für einen besonders, sagen wir mal interessanten Transfercoup gesorgt. Der Klub verkaufte gleich 18 Spieler, um für 2200 Euro eine Ziegenherde zu verpflichten. Nicht aber zum Fußball spielen. Sondern für den Verkauf von Milch und Käse. Damit will Gülspor die großen Geldsorgen des Vereins ein wenig lindern. Um irgendwann dann auch wieder Spieler unter Vertrag nehmen zu können. Da kann man nicht ­meckern.

Nachgetreten: Wo wir gerade schon bei kuriosen Schiedsrichterentscheidungen sind, diese hier toppt sicher alles. Ausgerechnet im Spitzenspiel zwischen dem FC Nantes und Liga-Primus Paris St. Germain im Januar verlor Schiedsrichter Tony Chapron – gelinde gesagt – die Beherrschung. Der Unparteiische war nach einem Zusammenstoß mit Nantes’ Diego Carlos gestürzt. Viel schlimmer aber, dass Chapron noch im Fallen gegen den Verteidiger nachgetreten hatte. Statt sich selbst vom Feld zu stellen, zeigte er Carlos die Rote Karte. „Das ist ein Witz. Ehrlich, ganz Europa lacht darüber“, sagte Nantes-Präsident Waldemar Kita. Nur der französische Verband fand die Angelegenheit weniger amüsant. Er suspendierte Chapron für drei Monate.

Knast-Kicker: Während sich im Sommer bei der WM in Russland die besten Spieler der Welt um den Titel stritten, spielten Manchester City, Chelsea und der FC Barcelona in einem ugandischen Gefängnis um die Meisterschaft. Oder besser gesagt: um eine Ziege. Denn in einem Vorort von Ugandas Hauptstadt Kampala haben die Häftlinge zwar ihre Freiheit, nicht aber ihre Leidenschaft zum Fußball verloren. Also spielen Drogenbosse, Vergewaltiger und Mörder in Teams von 16 bis 25 Spielern – vorrangig benannt nach den englischen Spitzenklubs – vor mehr als 1500 Mitinsassen auf dem hauseigenen Rasen um nützliche Dinge für den Gefängnis-Alltag. In diesem Jahr holte sich das Knast-Pendant von Manchester City den Titel. Und den Hauptpreis: eine Ziege. Die gibt entweder Milch oder wird zum ­Braten verabeitet. Wer braucht da schon einen Pokal?