Bundesliga

Mario Basler wird 50: Weltklasse bis zum Hals

Mario Basler war der begabteste Unperfekte der Bundesliga. Nun wird er 50 und ist streitbar geblieben.

Mario Basler wurde mit den Bayern zweimal deutscher Meister und scheiterte im Champions-League-Finale 1999.

Mario Basler wurde mit den Bayern zweimal deutscher Meister und scheiterte im Champions-League-Finale 1999.

Foto: Rauchensteiner/Augenklick / picture alliance / Augenklick/Rauchensteiner

Berlin.  Hertha BSC verlor Mario Basler auf der Toilette. Alles, was danach Geniales, Lustiges aber auch Problematisches passierte im Leben dieses großen Rumtreibers des deutschen Fußballs, fand anderswo statt. Die Geschichte des vielleicht begabtesten Unperfekten der Bundesliga, der am Dienstag 50 Jahre alt wird, begann erst richtig nach seiner Zeit in Berlin (1991-93). Aber dort prophezeite einer schon früh, wie sie laufen würde. Bernd Stange, der Basler 1991 bei Hertha trainierte, sagte einmal über den Pfälzer: „Bis zum Hals Weltklasse, darüber Kreisklasse.“

Die Qualitäten in den Beinen Baslers erkannte auch Otto Rehhagel. Bei einem Hallenturnier in Berlin sprach der Bremer Trainer ihn 1993 auf dem Klo an. Basler wechselte nach zwei Jahren Zweite Liga mit Hertha zu Werder und wurde dort sowie später beim FC Bayern einer der herausragenden Kicker der 1990er-Jahre. Zweimal Meister, zweimal Pokalsieger, Torschützenkönig 1994/95. Sechs Tore des Monats erzielte er (eines für Hertha).

Viel feiern, wenig trainieren

Seine Spezialität war der direkt verwandelte Eckball. Basler war begabt und bescheuert genug, um es vom Eckpunkt zu versuchen. Drei Tore gelangen ihm so mal in einer Saison. Insgesamt sollten es 62 Treffer in 262 Bundesligaspielen werden (79 Vorlagen). Seine Freistöße waren gefürchtet. Aber nicht nur, weil einer davon im Champions-League-Finale der Bayern gegen Manchester United 1999 nicht zum Titel reichte, blieb Basler ein Unvollendeter. „Das Talent von Mario und der Ehrgeiz von Lothar Matthäus – Deutschland hätte einen Weltfußballer mehr gehabt“, sagte einmal Markus Hörwick, der langjährige Pressesprecher der Bayern.

Basler feierte viel und trainierte wenig. Er rauchte und zahlte nach eigenen Angaben in seiner Karriere 400.000 Mark an Strafgeldern für Eskapaden. Nach einem Vorfall in einer Pizzeria suspendierte ihn der FC Bayern 1999. Rückkehr zu seinem Jugendklub Kaiserslautern. Karriereende in Katar 2004. Nur auf 30 Länderspiele kam Basler (zwei Tore), wurde 1996 zwar Europameister, aber ohne Einsatz. Der Fußballer Basler hätte mehr sein können.

Der Entertainer Basler nicht. Er gab sich gern als Klartextprofi. Seine Sprüche waren wie seine Spannstöße: oft flach, aber zielgenau. Fragte ihn ein Reporter, warum er mit dem Schiedsrichter schimpfte, sagte Basler: „Weil er scheiße gepfiffen hat.“ In Kaiserslautern lieh er sich von einem Fan den Hut und wollte einen Eckball damit ausführen.

Kreisklasse waren seine TV-Auftritte

Doch der Fußball ist manchmal hart zu seinen alten Helden. Reicht die Qualität nur bis zum Hals, tun sie sich abseits des Spielfeldes oft schwer. Stefan Effenberg, Matthäus und Basler. Der tingelte als erfolgloser Trainer durch die Republik und durch Trash-TV-Sendungen. Regensburg, Koblenz, Trier, zuletzt Rot-Weiss Frankfurt. Kreisklasse waren seine TV-Auftritte. Bei der WM attestierte er Mesut Özil eine Körpersprache „wie ein toter Frosch“.

Basler ist streitbar geblieben – und ein Komödiant. Mit seiner Bühnenshow „Basler ballert“ bereist er nun das Land und erzählt von früher. Ein Buch schreiben? „Das machen doch alle“, sagt Basler. Er wollte immer anders sein – und verbaute sich damit manches. Nun feiert er mit seinen alten Freunden Matthäus und Thomas Helmer seinen 50. Geburtstag und sagt: „Ich würde heute zu 97 Prozent wieder alles so machen wie damals.“