Ski Alpin

Schwerer Sturz von Gisin überschattet Abfahrt von Gröden

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Der Schweizer Marc Gisin

Der Schweizer Marc Gisin

Foto: STEFANO RELLANDINI / REUTERS

Der Schweizer Marc Gisin ist bei der Abfahrt in Gröden schwer gestürzt. Er musste mit dem Rettungshubschrauber abtransportiert werden

Gröden. Andreas Sander blieb "fast das Herz stehen", als er Marc Gisin hilflos durch die Luft fliegen und regungslos im Schnee liegen sah. "So etwas will man nicht sehen", sagte er angesichts jener furchterregenden Szenen, die am Samstag die Abfahrt auf der Saslong im Grödnertal prägten. Gisin, ein 30 Jahre alter Schweizer, war mit Startnummer 18 schwer gestürzt, sein Teamkollege Beat Feuz wendete sich entsetzt ab, auch der Norweger Aleksander Aamodt Kilde, dem zuvor eine bemerkenswerte Siegerfahrt gelungen war, schlug die Hand vors Gesicht.

"Da wird einem ganz kalt am Rücken", sagte Sander, der auf der traditionsreichen Strecke Rang 19 belegte, hinter Josef Ferstl auf Rang zwölf und knapp vor den überraschend schnellen Manuel Schmid (20.) und Dominik Schwaiger (21.). Gisin wurde mit dem Hubschrauber in das Krankenhaus von Bozen geflogen. Wie seine Schwester Michelle, Olympiasiegerin 2018 in der Kombination, in der Zwischenzeit der Schweizer Zeitung Blick sagte, war er bei Bewusstsein und in einem stabilen Zustand. Über Verletzungen wurde zunächst nichts bekannt.

Makabere Pointe: Gisin, bislang im Weltcup dreimal unter den ersten Zehn platziert, hatte in einer am Samstagmorgen in der Neuen Zürcher Zeitung veröffentlichten Kolumne noch erläutert, wie es sich anfühlt, schwer zu stürzen. Er selbst war schon oft verunfallt, am schlimmsten 2015 beim Super-G auf der Streif in Kitzbühel. Stürze, schrieb Gisin, gehörten zum "Berufsrisiko", "als Leistungssportler muss man immer und immer wieder an seine Grenzen gehen, um Fortschritte zu machen, Grenzen, die in unserem Fall teilweise auch durch Stürze aufgezeigt werden."

Am Samstag auf der Saslong verschlug es Gisin kurz vor den legendären Kamelbuckeln den rechten Ski, beide Skier gerieten übereinander, er hob ab und prallte mit Kopf und Nacken voraus auf die eisige Piste. Das Rennen war daraufhin für 30 Minuten unterbrochen, was sich zunächst als Nachteil für die Rennläufer unmittelbar danach entpuppte. Wind kam auf und beeinträchtigte den Mitfavoriten Aksel Lund Svindal (Norwegen), der nicht an das Spitzentrio Kilde, Max Franz (Österreich/+0,86 Sekunden) und Feuz (+0,92) herankam, oder auch Josef Ferstl.

Ferstl verließ Gröden nach Platz sechs im Super-G und Platz zwölf in der Abfahrt dennoch mit einem "guten Gefühl", zugleich aber auch mit der Erkenntnis, dass es in den schnellen alpinen Disziplinen zunehmend enger zugeht. Und damit auch gnadenloser. "Das heißt für uns alle: Man muss einfach ans Limit gehen. Es passieren dann einfach Fahrfehler und das kann sich sehr böse auswirken", sagte er, aber: "Das ist ein Grenzsport. Man geht noch mehr ans Limit, macht die Kanten noch schärfer, fährt noch gerader. Aber deswegen sind wir auch keine Schachspieler."

Die Fahrt am Limit, an seinem Limit, beherrschte Kilde am Samstag eindrucksvoll. "Ich hatte von oben bis unten ein sehr gutes Gefühl. Gröden ist eine coole Strecke", sagte er, dachte nach dem dritten Weltcupsieg seiner Karriere aber auch an den gestürzten Gisin: "Es ist immer schlimm, wenn jemand so schwer stürzt." Oder, wie der zweitplatzierte Franz betonte: "Das Wichtigste ist, wie es dem Marc geht."

SID th mh

( dpa/BM )