Formel E

In der Formel ist das Auto der Star

Die Formel E startet ihre fünfte Saison. Die Boliden werden schneller, die Akkus stärker – das wird auch in Berlin zu sehen sein.

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Foto: Fia/Venturi

Diriyya/Berlin.  Offiziell steht bei Felipe Massa (37) immer noch die Null. Null Rennen, null Siege, so lautet die Bilanz des früheren Formel-1-Piloten in der Formel E. Inoffiziell hat der ehemalige Teamkollege von Michael Schumacher allerdings schon ein tierisch starkes Debüt in der Elektrorennserie hingelegt. Vor dem Start der neuen Saison an diesem Sonnabend (13 Uhr, Eurosport) in Diriyya in Saudi-Arabien nahm es Massa im direkten Vergleich mit dem schnellsten Tier der Welt auf: einem Wanderfalken, der im Sturzflug Geschwindigkeiten von weit über 300 Stundenkilometern erreicht.

Das Duell mitten in der arabischen Wüste war zwar lediglich eine Werbeaktion, doch in Sachen Nervenkitzel konnte es mit einem regulären Rennen gut mithalten. Im Rückspiegel konnte Massa erkennen, wie der Greifvogel den Köder ins Visier nahm, der am Überrollbügel seines Boliden befestigt war. „Es war eine unglaubliche Erfahrung, die ich so schnell nicht vergessen werde“, so der Brasilianer. Er hofft nun, dass sein offizielles Formel-E-Debüt für das monegassische Team Venturi ähnlich aufregend verläuft.

ARD und ZDF übertragen drei Rennen live

Mit 289 Grand-Prix-Starts und elf Siegen in der Formel 1 gehört Massa zu den erfahrensten Fahrern im Feld. „Es ist sehr wichtig, dass wir in der Formel E solche Fahrer wie Felipe haben, die weltweit bekannt sind. Die Aufmerksamkeit um seine Person ist bereits jetzt enorm“, sagt Venturi-Teamchefin Susie Wolff. Ebenfalls neu sind Ex-Sauber-Pilot Pascal Wehrlein im Cockpit von Mahindra sowie Maximilian Günther (Dragon Racing). Die beiden anderen Deutschen André Lotterer (Techeetah) und Daniel Abt (Audi) sind dagegen schon länger dabei.

Abt siegte im Vorjahr unter anderem beim Berliner Rennen auf dem ehemaligen Flughafen Tempelhof. Dort wird auch am 25. Mai wieder gefahren. ARD und ZDF übertragen in dieser Saison drei Rennen live und den Rest per Livestream, Eurosport zeigt gar alle Rennen. Auch bei dieser Entscheidung dürften Namen wie Massa eine Rolle gespielt haben. Eine Garantie auf einen sofortigen Durchbruch im elektrischen Rennsport gibt es aber auch bei ihm nicht.

Die Wagen kommen in dieser Saison auf 280 Stundenkilometer

Fahrerisch ist die Formel E mit ihren engen Stadtkursen selbst für erfahrene Piloten eine Herausforderung. Sie müssen nicht nur Gas geben, bremsen und lenken, sondern auch noch mit der Energie haushalten. „Gegenüber der Formel 1 ist ein anderer Fahrstil gefragt“, meint Massa. Aufgrund des besonderen Regelwerks gibt es in der Formel E auch nicht nur zwei oder drei Teams, die für einen Sieg infrage kommen. Für zusätzliche Spannung sorgt in der nun fünften Saison die Einführung des sogenannten Angriffsmodus’ (Attack Mode). Dabei steht einem Fahrer kurzzeitig mehr Leistung zur Verfügung, um andere Autos zu überholen – um die zusätzliche Energie zu aktivieren, muss er zuvor jedoch von der Ideallinie abweichen. Es gilt deshalb genau abzuwägen, wann sich der Einsatz wirklich lohnt.

Die größte Änderung in diesem Jahr betrifft jedoch die Rennwagen selbst. Ab dieser Saison wird mit Gen2-Autos gefahren. Diese zweite Generation ist deutlich leistungsstärker als die vorherige: Die Wagen fahren jetzt schneller – 280 statt wie bisher 225 Stundenkilometer –, aber die größte Verbesserung liegt in der gesteigerten Kapazität der Batterie. Der bislang notwendige Fahrzeugwechsel während des Rennens entfällt. Für die Hersteller ist die Serie dadurch noch interessanter geworden, der Wissenstransfer für neue Serienautos ist hier größer als in der Formel 1.

Mercedes-Benz und Porsche steigen im nächsten Jahr ein

Die fehlende Reichweite habe bislang kein gutes Bild für die Elektromobilität gezeichnet, meint BMW-Motorsportchef Jens Marquardt, deshalb habe man in diesem Bereich auf eine Weiterentwicklung gedrängt. „Wir wollen zeigen, dass die Technologie inzwischen ausgereift ist und richtig Spaß bereiten kann“, sagt er vor dem Debüt. Die Münchener haben das bisherige Andretti-Team übernommen und sind in diesem Jahr erstmals mit einem offiziellen Werksteam am Start. Nach guten Test-Leistungen gilt BMW sogar als Geheimfavorit. In der vergangenen Saison hatte Audi triumphiert, Fahrer-Champion wurde der Franzose Jean-Eric Vergne (Techeetah).

Neben BMW ist auch Nissan neu dabei, 2019 folgen Mercedes-Benz und Porsche. „Die Formel E hat sich ihren Platz in der Motorsportwelt erarbeitet. Für mich stehen alle Signale auf Grün“, meint Marquardt. Dass das erste Rennen 2019 ausgerechnet in einem der größten Ölförderländer der Welt stattfindet, darf man durchaus als Ausdruck des gestiegenen Selbstbewusstseins verstehen. Auf die Frage, ob die Formel E bald sogar die Formel 1 als Königsklasse des Motorsports ablösen könnte, winkt auch Felipe Massa jedenfalls nicht völlig ab. Auch er wisse nicht, wann es so weit sein könnte und ob es überhaupt dazu kommt. „Aber ich will es auch nicht komplett ausschließen.“