Champions League

Der FC Bayern und das Ende der Scheinriesen

Die Münchner wollen in Amsterdam die Krise hinter sich lassen und den Gruppensieg in der Champions League.

Im Hinspiel gegen Ajax kamen Robert Lewandowski (M.) und die Bayern nicht über ein 1:1 hinaus. Das erschütterte das Münchner Selbstverständnis.

Im Hinspiel gegen Ajax kamen Robert Lewandowski (M.) und die Bayern nicht über ein 1:1 hinaus. Das erschütterte das Münchner Selbstverständnis.

Foto: firo Sportphoto/Marcel Engelbrecht / picture alliance / augenklick/firo Sportphoto

Amsterdam.  Ajax, diese ewige Talente-Quelle, die stets auch die Landesvertretung Oranje mit neuen Kräften versorgt, will die Bayern erneut ärgern. Weil die Münchner das Hinspiel (1:1) nicht gewannen und Amsterdam nur zwei Punkte dahinter lauert, rutschen sie bei einer Niederlage an diesem Mittwoch (21 Uhr/Sky) von Tabellenplatz eins der Champions-League-Vorrundengruppe. Kein Drama, München ist ja bereits fürs Achtelfinale qualifiziert. Doch die Ausgangslage würde sich stark ändern für die erste K.o.-Runde im Februar/März.

„Das Spiel ist sehr wichtig, weil uns das theoretisch einen leichten Gegner bringen könnte“, sagte Sportdirektor Hasan Salihamidzic und betonte: „Ein Unentschieden reicht uns, aber wir spielen auf Sieg.“ Leichte Gegner? Als Gruppensieger kämen die jeweils Zweiten der Vorrunde infrage, etwa AS Rom, Lyon oder Donezk.

Thomas Müller ist ein Gewinner der vergangenen Wochen

Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge nannte sie „wohl etwas weniger stark“. Außerdem hätte man als Gruppen-Primus im Rückspiel Heimrecht und die eigenen Fans im Rücken. Verliert Bayern die Poleposition, drohen bereits im Achtelfinale Kaliber wie Titelverteidiger Real Madrid, der FC Barcelona und wohl auch Manchester City, drei der Top-Favoriten auf den Henkelpott. Durch das 3:0 gegen Nürnberg hat man die Krise (vorerst) überwunden, redet man sich ein. „Die Mannschaft hat sich gefunden, es sieht gut aus, da steckt viel FC Bayern drin“, sagte Salihamidzic. Nun soll bei Ajax Schluss gemacht werden mit dem Dasein als Scheinriese. Wer zählt vor dem Duell mit Ajax in der Johan-Cruyff-Arena zu den Krisengewinnern, wer sind die Krisenverlierer?

Die Doppelsechs mit Joshua Kimmich und Leon Goretzka, eine Idee von Trainer Niko Kovac, brachte mehr Kompaktheit und Stabilität. „Wir ergänzen uns da ganz gut auf der Position“, findet Kimmich, „Leon und ich haben auch schon in der Jugend, in der U21 zusammengespielt. Es macht immer Spaß, mit ihm zu spielen.“ Durch die Kovac-Rochaden ist Thomas Müller zurück in seiner geliebten Rolle als offensiver Freigeist. Im Oktober saß er zweimal hintereinander – wie auch in der Nationalelf – auf der Bank. Sein Stern begann zu sinken, dachte man. Jetzt liefert er wieder Torvorlagen, etwa für Robert Lewandowski.

Mats Hummels hat seinen Stammplatz vorerst verloren

Gegen Nürnberg schaffte der Mittelstürmer seinen 42. Bundesliga-Doppelpack. Wegen Müllers neuer, alter Rolle „haben wir im Strafraum mehr Optionen“, freut er sich, „die Automatismen sind wieder da, du kannst wieder Dinge mit geschlossenen Augen machen.“

Auf Rechtsaußen hat sich Serge Gnabry in die Stammelf gespielt. In Bremen (2:1) traf der Nationalspieler doppelt. Ein Außenstürmer für die Zukunft – und die Gegenwart. Die Bayern-Fans wählten den 23-Jährigen soeben erstmals zum Bayern-Spieler des Monats. Mit Rafinha (33) zählt auch ein Oldie zu den Krisengewinnern. Weil Kimmich in die Mitte befördert wurde, hat der Brasilianer nun einen Stammplatz als Rechtsverteidiger. Plötzlich ist eine Vertragsverlängerung über den Sommer 2019 hinaus möglich.

Und die Verlierer? Da ist an erster Stelle Mats Hummels zu nennen: Der Innenverteidiger, bei Bundestrainer Joachim Löw (noch) gesetzt, hatte wegen eines Infekts zwei Spiele verpasst, musste gegen Nürnberg auf die Bank, bleibt Zuschauer. Sein letzter Startelf-Einsatz? Beim 2:3 in Dortmund, als er kränkelnd in die Partie ging. Ein Eigentor. Nun sind Jerome Boateng und Niklas Süle im Abwehrzentrum gesetzt. Weil Kovac nicht mehr rotiert, hat Javi Martinez seinen Stammplatz als alleiniger Sechser verloren. Der Spanier kam bei den letzten drei Siegen nur eine (!) Minute zum Einsatz. Nur noch trauriger Bankdrücker ist das zwischendurch doch so verheißungsvolle Talent Renato Sanches. Wenn der Mittelfeldspieler diese Saison in der Liga von Beginn an spielte, hat Bayern nie gewonnen.

Bleibt die Frage nach den Altstars vom Flügel. Arjen Robben spielt seine zehnte und letzte Saison in München. Der 34-Jährige kämpft um einen würdigen Abschied, fehlt auch in Amsterdam wegen Oberschenkelproblemen – ein Verlierer, der bei voller Fitness wieder wichtig werden kann, siehe sein Doppelpack gegen Benfica (5:1). Ob man den anderen Oldie, Franck Ribéry (35), aktuell zu den Gewinnern oder Verlierern zählen kann, ist Auslegungssache. Momentan hat der Linksaußen trotz nur zwei Pflichtspieltreffern in dieser Saison einen Stammplatz, am Saisonende ist jedoch nach zwölf Jahren Bayern Schluss.