Neuerungen geplant

Formel-1-Boss Carey: „Wir brauchen Helden und Spannung“

Formel-1-Chef Chase Carey über die Zukunft der Rennserie und den Wunsch, dass Mick Schumacher in die Fußstapfen seines Vaters tritt

Chase Carey ist seit 2017 Chef der Formula One Group. Hier steht er vor einem Bild von Michael Schumacher.

Chase Carey ist seit 2017 Chef der Formula One Group. Hier steht er vor einem Bild von Michael Schumacher.

Foto: FrankHoermann/SVEN SIMON / picture alliance / SvenSimon

Mailand.  Die Verträge sind unterschrieben, Pirelli bleibt bis einschließlich 2023 der Exklusivausstatter der Formel 1. Grund genug für den italienischen Reifenhersteller, den Deal im Rahmen der Präsentation des berühmten Pirelli-Kalenders zu feiern. Die 46. Auflage seit 1964 des nicht frei verkäuflichen - und dadurch zum begehrten Sammlerstück avancierten Kunstwerks - wurde vom schottischen Fotografen Albert Watson (76) unter dem Titel „Träume“ auf 40 Bildern in Miami und New York realisiert. Zusammen mit eintausend geladenen Gästen, die in Mailand von Oscar-Preisträgerin und Ex-Bond-Girl Halle Berry durch den Abend geführt wurden, amüsierte sich auch Formel-1-Chef Chase Carey.

Seit dem 23. Januar 2017 ist der US-Amerikaner Nachfolger von Bernie Ecclestone (88) als Chef der Formula One Group. Hat der 65-Jährige nach zwei Formel-1-Jahren Träume für 2019? „Ich würde das nicht Träume nennen, sondern eher Wünsche oder Ziele realisieren“, so der gebürtige New Yorker nach kurzem Zögern, um dann umso präziser den Blick nach vorn zu richten: „Wir hatten 2017 und 2018 epische Schlachten zwischen Lewis Hamilton und Sebastian Vettel. Das hat mich oft an die früheren Tennis-Matches zwischen Jimmy Connors und John McEnroe erinnert. So etwas wünsche ich mir weiterhin. Allerdings wäre es noch schöner, wenn auch die Underdog-Teams Rennen gewinnen könnten. Wir brauchen Helden, Spannung und gleichzeitig eine möglichst große Ausgeglichenheit unter den Bewerbern.“

Ziele sind Kostenreduzierung und Expansion 2019

Um diese Ziele zu erreichen, stehen der Motorsport-Königsklasse diverse Veränderungen bevor. „Wir müssen uns an einigen Stellen neu aufstellen. Ich bin deswegen froh, dass durch die frühe Vertragsverlängerung mit Pirelli für die Teams in einem wichtigen Aspekt Planungssicherheit herrscht“, so Carey, der selbst nie aktiv Motorsport betrieben hat, sondern als Student der Harvard- und der Colgate-Universität in der jeweiligen Rugby-Auswahl stand.

„Unser Ziel sind deutliche Kostenreduzierungen (Teams wie Mercedes und Ferrari operieren mit Saisonbudgets deutlich jenseits von 300 Millionen Euro, Anm. der Redaktion). Dazu gehört ab 2021 ein neues Motorenkonzept, um auch für neue Hersteller interessant zu werden. Dazu gehören weniger komplizierte Aerodynamik und ein komplett neues Reifenreglement. Gleichzeitig müssen wir sehen, wo unsere Märkte liegen, wo und wie viele Rennen künftig ausgetragen werden. Wir haben für 2020 mit einem Rennen in Vietnam (Hanoi, Anm. der Redaktion) einen weiteren Schritt nach Asien gemacht.“

Auch weibliche Piloten stehen auf dem Wunschzettel

Geht die Expansion zu Lasten der traditionellen europäischen Veranstalter? Chase Carey: „Tradition ist wichtig, aber nicht alles. Die Formel 1 ist weltweit, das stellt Anforderungen an die Veranstalter. Wir wollen neue, junge Zuschauer ansprechen. Deswegen sollten Rennen auch weltweit gut verteilt ausgetragen werden“, sagt der US-Amerikaner. Für die neue Formel-1-Saison 2019 stehen 21 Grands Prix auf dem Programm.

Ein Problem, für das Carey und die Formula One Group noch keine Lösung gefunden haben, ist die Suche nach einer Frau – oder besser mehrerer Frauen – im Starterfeld. Carey hat da aber bereits Ideen: „Das können wir nur mit Hilfe der einzelnen Länder lösen. Es muss gelingen, schon unter dem Nachwuchs viel mehr Mädchen zu etablieren. Je größer deren Zahl, desto eher sind gute Fahrerinnen darunter“, sagt er und nimmt damit die nationalen Verbände in die Pflicht.

Was den männlichen Nachwuchs angeht, genehmigt sich der Formel-1-Boss dann am Ende doch noch einmal so etwas wie das Formulieren eines eigenen Traums: „Es wäre schon eine tolle Geschichte, wenn Mick Schumacher den Sprung in die Formel 1 schaffen würde.“ Der Sohn eines der größten Formel-1-Helden: Michael Schumacher.