Berliner Champions

Maya Tobehn ist eine Spezialistin für alle Lagen im Wasser

Die 16-jährige Berlinerin gilt als größtes Schwimmtalent der Hauptstadt.

Für Schwimmerin Maya Tobehn ist ihre Vielseitigkeit Trumpf.

Für Schwimmerin Maya Tobehn ist ihre Vielseitigkeit Trumpf.

Foto: jörg Krauthöfer /Funke MedienGruppe

Berlin.  Zu viel Erfolg kann irgendwann auch in Stress ausarten. Bei den deutschen Schwimmmeisterschaften im vergangenen Jahr war Maya Tobehn nach dem Finale über 400 Meter Lagen gerade erst aus dem Becken gestiegen, als sie auch schon wieder im Startblock stand für das nächste Finale über 50 Meter Schmetterling. Ein Betreuer ihres Vereins Berliner TSC hatte sie kurz zuvor noch gefragt, für welche der beiden Strecken er sie abmelden soll, doch Tobehn zog ihr Pensum einfach durch und wurde am Ende mit der Bronzemedaille über die Schmetterlingsstrecke belohnt.

Schon häufig ist die 16-Jährige gefragt worden, ob sie sich nicht bald einmal auf einen Schwimmstil spezialisieren wolle. Ihre Antwort: „Wieso sollte ich? Solange ich gewinne, heißt das doch, dass ich schneller bin als alle Spezialisten. Und vielleicht bin ich ja eine Spezialistin für alle Lagen.“

2017 war sie in Berlin die schnellste Deutsche

Vielseitigkeit ist bei der Maya Tobehn Trumpf. Sie und ihr Trainer Martin Dautz sind überzeugt, dass genau darin auch der Schlüssel zu ihrem Erfolg liegt. Bei den deutschen Jahrgangsmeisterschaften gewann sie auch in diesem Jahr wieder sieben Titel in nahezu allen Schwimmarten. Bei den Kurzbahnmeisterschaften der Erwachsenen, die ab Donnerstag in der Schwimmhalle an der Landsberger Allee ausgetragen werden, ist sie ebenfalls für gleich sechs Strecken gemeldet.

Die Lichtenbergerin ist momentan das größte Berliner Schwimmtalent. In diesem Sommer legte sie über 50 Meter Schmetterling noch einen drauf und holte dieses Mal sogar die Silbermedaille. Dabei betreibt sie die Sprintstrecken eigentlich nur nebenbei, am liebsten schwimmt sie die längeren Distanzen. 2017 war sie beim Kurzbahn-Weltcup in Berlin über 400 Meter Lagen als Fünfte sogar die schnellste Deutsche. Bei den nationalen Titelkämpfen auf der kurzen Bahn musste Tobehn im vergangenen Jahr allerdings passen, nachdem sie kurz zuvor von einem wildfremden Mann auf die Tramschienen geschubst worden war und sich dabei am Fuß verletzt hatte.

Diese Karriere von Maya Tobehn war nicht unbedingt abzusehen, auch wenn ihre Mutter – eine frühere Schwimmmeisterin – ihr schon sehr früh das Schwimmen beigebracht hat. Doch als Tobehn das erste Mal zum Training ging, saß sie die ganze Zeit nur heulend am Beckenrand. Bald jedoch fand sie Gefallen an der Sportart und schwamm irgendwann allen in ihrer Altersklasse davon. Körperlich war sie der Konkurrenz überlegen: Schon mit 15 Jahren maß sie 1,84 Meter. Technisch war sie dagegen eher ein Rohdiamant, den man noch schleifen muss – oder wie es Trainer Martin Dautz ausdrückt: „Sie ist teilweise geschwommen wie ein besoffener Seemann.“

Olympia 2020 oder 2024 ist das Ziel der Berlinerin

Also stellte Tobehn ihre Technik um, obwohl sie zu diesem Zeitpunkt mit der alten noch erfolgreich war. Es war keine leichte Zeit für sie, denn zunächst stagnierte ihre Leistung, ehe die Maßnahme nach einigen Monaten endlich fruchtete. Jetzt heißt das Ziel Olympia – ob schon 2020 in Tokio oder doch erst 2024 in Paris, darauf wollen sich beide noch nicht festlegen. „Wir planen langfristig. Es sind schon zu viele Sterne vorzeitig verglüht“, sagt Dautz.

Auch bei der Kurzbahn-DM will sich Tobehn vorab nicht auf Zeiten oder Platzierungen festlegen lassen. „Ich möchte einfach technisch das umsetzen, was mein Trainer und ich uns vorgenommen haben“, sagt sie. Dautz meint: „Sie ist eine Kämpferin. Dass sie alles geben soll, brauche ich ihr nicht zu sagen, das ist für sie selbstverständlich. Ich sage ihr ja auch nicht, dass sie atmen soll.“ Nur bei der Wettkampfanalyse braucht Maya Tobehn immer ein wenig Unterstützung. Im Wasser trägt sie ihre Brille nicht und kann so weder die Konkurrentinnen auf den Bahnen neben sich noch die Ergebnisse auf der Leinwand richtig erkennen. Stress empfindet sie deshalb aber nicht, im Gegenteil. „So kann ich mich ganz auf mich konzentrieren und einfach mein Ding durchziehen“, sagt sie.