Basketball

Berliner Wagner in der NBA – Ein Hauch von Wagnermania

Berlins Basketball-Export Moritz Wagner erzielt seine ersten NBA-Punkte und begeistert nicht nur Superstar LeBron James

Kein Typ für falsche Zurückhaltung: Moritz Wagner bei seinem Punkte-Debüt gegen Phoenix

Kein Typ für falsche Zurückhaltung: Moritz Wagner bei seinem Punkte-Debüt gegen Phoenix

Foto: Getty Images / National Basketball Association/Getty Images

Los Angeles/Berlin.  Plötzlich herrschte Ausnahmezustand im Staples Center – dabei war der Heimsieg der Los Angeles Lakers gegen die Phoenix Suns längst gesichert. Die großen Stars des NBA-Klubs hatten am Sonntagnachmittag (Ortszeit) bereits auf der Bank Platz genommen, sprangen nun aber so begeistert auf, als hätten sie in letzter Sekunde ein Play-off-Spiel gewonnen. Basketball-Veteran Tyson Chandler (36), einst Meister an der Seite von Dirk Nowitzki, wies breit grinsend mit dem Zeigefinger auf den Mann an der Freiwurflinie. JaVale McGee (30), zweimal Champion mit den Golden State Warriors, wedelte euphorisch mit seinem Handtuch und animierte das Publikum. Schlussendlich erhob sich auch LeBron James (33) applaudierend von seinem Stuhl, der größte Spieler seiner Generation. Und das alles wegen eines Berliner Jungen. Alles wegen Moritz Wagner.

Wie der Deutsche seine prominenten Kollegen derart verzückt hat? Nun, nüchtern betrachtet mit einem schnöden Freiwurf, den er beim 120:96 im vierten Viertel verwandelte. Nur handelte es sich dabei eben um einen ganz besonderen Korb. Für Wagner war es sein erster Punkt in der nordamerikanischen Profiliga, dem Sehnsuchtsziel eines jeden Basketballers. „Ich habe die Reaktion der Jungs gesehen“, erzählte das 21 Jahre alte Ausnahmetalent fast schüchtern, „das war ein wirklich cooler Moment für mich.“

Dem Alba-Spross gelingen in nur zehn Minuten neun Zähler

Auch die 19.000 Zuschauer, darunter Hollywood-Stars wie Oskar-Preisträger Denzel Washington, erkannten die Bedeutung des Moments und schufen einen Hauch von Wagnermania. Sie alle wussten: Für die ruhmreichen Lakers war sein Freiwurf bestenfalls eine Fußnote, für Wagners NBA-Karriere aber womöglich eine Initialzündung. Angestachelt von Kollegen und Fans legte der Rookie, der nach seiner Knie- und Knöchelverletzung bisher erst drei Kurz-Einsätze absolvierte, einen beeindruckenden Auftritt hin. In knapp zehn Minuten nahm er acht Würfe, traf zwei von drei Dreiern, sammelte zehn Punkte, holte drei Rebounds und bereitete einen Korb vor. Werte, für die andere ein ganzes Spiel benötigen.

„Moe ist einfach ein guter Junge“, sagte Forward Michael Beasley (29): „Niemand möchte sich verletzen, und schon gar, wenn man sein erstes Jahr in der Liga spielt. Uns allen hat das leidgetan, deshalb haben wir ihn angefeuert. Er ist ein witziger Typ, ein Kerl, den man einfach lieben muss.“

LeBron James: „Moe hat gerade gelernt, wie man Fahrrad fährt“

Die Erwartungen nun in die Höhe zu schrauben, wäre allerdings vermessen. Einerseits, weil Gegner Phoenix aktuell das zweitschlechteste Team der NBA stellt, zum anderen, weil Wagner (2,11 Meter, 111 Kilogramm) Sonntag auch reichlich Lehrgeld zahlen musste. In der Verteidigung schob ihn sein massiger Gegenspieler DeAndre Aytum einfach beiseite; im Angriff wurde Wagner zweimal beim Wurf geblockt. Überdies leistete er sich vier Fouls – auch dies ein Wert, für den andere ein ganzes Spiel benötigen. „Er hat gerade gelernt, wie man Fahrrad fährt“, fasste LeBron James zusammen, „aber das war der Moment. Wir sind begeistert.“

Für Wagner wird es nach seinem unglücklichen Saisonstart nun darum gehen, sich weiterzuentwickeln und eine gewisse Konstanz zu finden. Die Voraussetzungen dafür sind bei den Lakers denkbar günstig. „Wir haben eine guten Mix aus jungen und erfahrenen Spielern“, sagte Wagner, „das ist für mich sehr wertvoll. Ich wende mich häufig an die Älteren und frage viel. Für mich ist jede Minute wertvoll.“

Die Lakers befinden sich voll auf Play-off-Kurs

Trainer Luke Walton ist mit seinem Berlin-Import hochzufrieden. „Er spricht viel und spielt hart“, erzählte der frühere Profi. „Moe ist ein echter Wettkampftyp, er setzt gute Blöcke für seine Mitspieler, kann passen, werfen und hat für seine Gegner immer einen Spruch parat.“ Qualitäten, die Wagner schon an der Universität von Michigan gezeigt hat, die er im Frühjahr ins College-Finale führte. Schon damals fiel der Alba-Spross mit seiner leidenschaftlichen Spielweise auf, polarisierte so die halbe Basketball-Nation. Fans der Gegner wünschten ihn bald zum Teufel, aber wer es mit Michigan hielt, schätzte ihn als emotionalen Anführer.

Bei den Lakers ist er trotz seiner überschaubaren Spielzeit inzwischen voll integriert. „Dass ihn Spieler, die seit einer halben Ewigkeit in der Liga sind, so extrem feiern, spricht für unsere Gruppe“, sagte Coach Walton. Überhaupt scheint sich das Team nach dem verkorksten Saisonstart immer besser zu finden. Von den jüngsten 15 Partien gewannen die Lakers elf, in der Western Conference liegen sie auf Rang fünf. Erreicht die Mannschaft im Frühjahr das Play-off, steht Moritz Wagner vor seinem nächsten ersten Mal.

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