Tennis

Diese Frau wird sogar von der Kanzlerin bewundert

Die US-Amerikanerin Billie Jean King ist mehr als eine Tennis-Ikone. Eine Gratulation zum 75. Geburtstag.

Tennis-Ikone Billie Jean King überzeugt noch heute – mit ihrem unermüdlichen Kampf für Frauenrechte.

Tennis-Ikone Billie Jean King überzeugt noch heute – mit ihrem unermüdlichen Kampf für Frauenrechte.

Foto: Peter Foley / dpa

New York.  Damit sie auch wirklich niemand übersieht, trägt Billie Jean King gerne Blazer und Brillen in grellen Farben. Schließlich ist sie mit ihren 1,64 Meter nicht unbedingt die Längste, in der Tennis-Geschichte aber unbestritten eine der Allergrößten. Am Donnerstag wird die Wimbledon-Rekordsiegerin und nimmermüde Streiterin für Frauenrechte 75 Jahre alt.

Diesmal wurde ausnahmsweise vorgefeiert. Als in New York die Foto-Ausstellung „Billie Jean King: The Road to 75“ eröffnet wurde, gab es vorige Woche eine große Party mit Sportstars wie John McEnroe und Maria Scharapowa sowie Schauspielerin Emma Stone – und die Jubilarin bedankte sich später für einen „unvergesslichen Abend“. Der große Zulauf ist verständlich: Zwölf Grand-Slam-Siege im Einzel hatte King von 1966 bis 1975 gewonnen, sie hat als eine der wenigen Titel bei allen der vier großen Turniere geholt. Ihren letzten Sieg als aktive Sportlerin feierte sie am 6. Juni 1983 als 39-Jährige – King ist damit bis heute die älteste Einzelsiegerin auf der von ihr als Initiatorin und Mitbegründerin im Jahr 1973 ins Leben gerufenen Women’s Tennis Association (WTA).

Schaukampf gegen Wimbledon-Champion Bobby Riggs geht in Geschichte ein

Doch fast ebenso bedeutend wie ihre sportlichen Meriten sind heute das Wirken und die Worte von Billie Jean King abseits des Platzes. Sie gilt als Vorreiterin des professionellen Frauen-Tennis und setzte sich stets für eine Gleichbehandlung gegenüber den Männern ein – nicht nur auf dem Tennisplatz. In die Geschichte ging der Schaukampf ein, der als „Kampf der Geschlechter“ Berühmtheit erlangte und mit Emma Stone und Steve Carell in den Hauptrollen sogar verfilmt wurde. „Battle of the Sexes – Gegen jede Regel“ spielt im Jahr 1973. Der damals 55 Jahre alte frühere Wimbledon-Champion Bobby Riggs – ein selbsterklärtes „chauvinistisches Schwein“, das der Meinung war, dass Frauen in die Küche gehören und auf keinen Fall in den großen Sport – war schon im Tennis-Ruhestand, als er die 29 Jahre alte Spitzensportlerin King zu einem Schaukampf herausforderte. Zuvor hatte er bereits Kings gute Freundin Margaret Court bezwungen und nach dem „Muttertags-Massaker“ getönt: „Jeder halb-demente Mann ist jederzeit in der Lage, die beste Tennisspielerin vom Platz zu fegen.“

King belehrte ihn daraufhin eines Besseren. Das legendäre Geschlechter-Duell wurde vor mehr als 30.000 Zuschauern im Houston Astrodome ausgetragen. Und 50 Millionen schauten weltweit am Fernseher zu, wie King ihren Landsmann in drei Sätzen 6:4, 6:3, 6:3 besiegte.

Auch von den sozialen Netzwerken lässt sie sich nicht abschrecken

King war mit dem Schläger in der Hand eine leidenschaftliche Kämpferin. Und mit Worten kämpft sie auch heute noch. In den sozialen Netzwerken ist sie erstaunlich umtriebig. Zuletzt sprach sie sich für eine gemeinsame Spieler-Organisation mit den Männern aus; nach dem US-Open-Finale und dem Zoff zwischen Serena Williams und dem Schiedsrichter prangerte King unterschiedliche Maßstäbe für Männer und Frauen bei der Bestrafung an. Auch als die Französin Alizé Cornet während des Turniers eine Verwarnung erhielt, weil sie ihr Shirt auf dem Platz auszog, um es umzudrehen und für einige Sekunden im Sport-BH dastand, schimpfte King über veraltete Regeln. Nie hat sich die bald 75-Jährige versteckt, immer hat sie sich positioniert und artikuliert. Einst verheiratet, lebt sie heute in einer lesbischen Beziehung.

Ihr Wort hat Gewicht, und zwar nicht nur in der Welt des Tennis. Sogar Bundeskanzlerin Angela Merkel bezeichnete sie jüngst in der „FAZ“ als Vorbild für Menschlichkeit. „Sie leistet fantastische Arbeit, sie ist ein tolles Beispiel für das, was Frauen erreichen können, wie sie die Welt verändern. Es wäre ein Traum, sie einmal kennenlernen zu dürfen.“

Serena Williams müsste King heute eigentlich einen üppigen Blumenstrauß gönnen. Deren Initiative ist es nämlich zu verdanken, dass die Frauen mittlerweile bei Grand-Slam-Turnieren um das gleiche Preisgeld spielen wie die Männer. Rekordsiegerin Williams verdiente so bereits 90 Millionen.