Jerome Boateng

"Meine Töchter würde ich nicht nach Marzahn fahren lassen"

Jerome Boateng wurde als Kind wegen seiner Hautfarbe beschimpft. Nun macht er sich Sorgen um seine Zwillingstöchter.

Jerome Boateng

Jerome Boateng

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Fußballprofi Jerome Boateng geht an den Start - im Handel. Am Sonnabend erscheint erstmals das Lifestyle-Magazin "Boa" (4,90 Euro).

In der ersten Ausgabe sorgt Boateng in einem gemeinsamen Interview mit Herbert Grönemeyer für Aufsehen. Boateng berichtet über seine Erfahrungen, die er mit Rassismus gemacht hat. "Wenn ich mich am Rand des Spielfelds warmmache, höre ich öfter, wie Zuschauer Affenlaute von der Tribüne brüllen, obwohl ich für Deutschland so viele Spiele bestritten habe", sagt der gebürtige Berliner.

Rassismus begegnete Boateng als Kind

Der Bayern-Spieler lernte das Fußball-Einmaleins bei Tennis Borussia Berlin, ehe er 2002 zu Hertha BSC wechselte. Der Nationalspieler berichtet, dass er als Kind beleidigt wurde. "Ich erinnere mich noch an ein Pokalspiel beim Köpenicker SC. Da ist der Vater eines Gegenspielers auf unsere Seite gekommen, hat mich die ganze Zeit beleidigt. Irgendwann hab ich angefangen zu heulen."

Nachdem Boateng immer mehr angefeindet wurde, suchten seine Eltern das Gespräch mit ihm. "Als ich jünger war, war das brutal. Meine Eltern sprachen lange nicht mit mir über meine Hautfarbe. Sie war gar kein Thema. Dann ruft dir plötzlich jemand 'Hey, mein kleiner Nigger' zu. Meine Eltern haben mir da erklärt, dass manche Menschen Probleme mit meiner Hautfarbe haben. Ich konnte das nicht glauben. Für ein Kind ergibt das keinen Sinn."

Heute ist Boateng Vater von Zwillingstöchtern. "Sie sind sieben Jahre alt. Bald werde ich mit ihnen über das Thema sprechen müssen." Der Nationalspieler sorgt sich um seine Töchter. Er sagt, dass es Orte in Deutschland gibt, an denen er seine Töchter nicht fahren lassen würde. Boateng spricht in dem Zusammenhang von Marzahn oder Weißensee - "mit anderer Hautfarbe hast du da immer etwas zu befürchten".

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