Boxen

Warum Axel Schulz auch ohne Titel glücklich wurde

Der Berliner wurde nie Box-Weltmeister. Dafür aber ein Star der Wende. Am Freitag feiert er seinen 50. Geburtstag.

Sein vielleicht bester Kampf: Axel Schulz (r.) wurde im Fight gegen George Foreman um den verdienten Sieg gebracht.

Sein vielleicht bester Kampf: Axel Schulz (r.) wurde im Fight gegen George Foreman um den verdienten Sieg gebracht.

Foto: Carsten Rehder / dpa

Berlin.  Axel Schulz ist immer noch der stets freundliche, breit berlinernde Koloss mit Baseball-Kappe. Am Freitag feiert der ehemalige Schwergewichts-Boxer seinen runden Geburtstag im engsten Familienkreis. Auch beim 50. soll der Rahmen übersichtlich bleiben. „Seit meine Mutter vor Jahren an meinem Geburtstag verstarb, feiere ich diesen Tag nicht mehr groß“, sagte Schulz.

Der ehemalige Schwergewichtsboxer wird mit Ehefrau Patricia und den Töchtern Paulina (12) und Amelina (8) in Potsdam – wo seine große Tochter als Schwimmtalent das Sportgymnasium besucht – essen gehen und mit seiner Frau mit einem Glas Wein anstoßen. Ein kurzer Blick in die Vergangenheit ist dann durchaus in Ordnung. „Man kann mit 50 schon mal einen Strich ziehen, was man erreicht hat oder noch erreichen will.“

Es reichte nie für Max Schmelings Fußstapfen

Erreicht hat Schulz einiges. Seine drei WM-Kämpfe begeisterten 1995 und 1996 ein Millionenpublikum. Im Gedächtnis blieb vor allem der Kampf gegen den damals 45-jährigen George Foreman, den Schulz in Las Vegas nur aufgrund eines umstrittenen Punktrichterurteils verlor. „Um einen Weltmeister im Ausland zu besiegen, musst du ihn K.o. schlagen. Das habe ich nicht geschafft“, sagt Schulz. Das Publikum liebte ihn trotzdem. Sein zweiter Anlauf 1995 gegen den Südafrikaner Francis Botha brachte RTL eine bis heute unübertroffene Top-Quote von 18,03 Millionen Zuschauern.

Schulz hat sich damit abgefunden, nie einen großen Titel gewonnen zu haben: „Natürlich denke ich daran, dass ich dreimal die Chance hatte, in Max Schmelings Fußstapfen zu treten. Das wurmt mich natürlich. Aber für mein normales Leben spielt das eigentlich keine Rolle.“ Auch das schmachvolle Comeback 2006, als er dem unbekannten US-Amerikaner Brian Minto durch technischen K.o. unterlegen war, hat er weggesteckt: „Dass ich dann so auf die Fresse gekriegt habe, war nicht schön, aber eine Lehre. Jetzt, mit 50, brauche ich nicht mehr daran zu denken.“

Noch heute wohnt Schulz in Frankfurt/Oder

All das wäre kaum passiert, hätte es den 9. November 1989 nicht gegeben, den Tag des Mauerfalls und Schulz’ 21. Geburtstag. „Ich hatte eine Party geplant, wartete auf meine Kumpels, aber es kam kaum jemand. Bis ich im Radio hörte, dass die Mauer geöffnet wurde“, erinnert sich Schulz. Erst Tage später fuhr er nach West-Berlin und holte sich die 100 Mark Begrüßungsgeld ab.

Als Boxer blieb Schulz in Frankfurt/Oder, wo er noch heute wohnt, und stieg gemeinsam mit dem späteren Weltmeister Henry Maske ins Profigeschäft ein. „Alle haben uns ausgelacht. Ich hätte in Leverkusen viel mehr Geld als Amateur verdient, wenn ich in einer Staffel geboxt hätte. Wir haben in kleinen Hallen in Frankfurt/Oder geboxt, keine Fernsehverträge gehabt.“ Erst als der TV-Sender RTL Mitte der Neunziger das Potenzial des Boxsports erkannte, ging es richtig los. „Bei RTL war das mit der Formel 1 zusammen ein Riesen-Durchbruch. Da sind zwei Sportarten zusammen hochgeschossen“, sagte Schulz.

Heute ist Schulz mit sich im Reinen, seine Prioritäten hat er klar geordnet. „Heute sind meine Kinder meine große Leidenschaft und meine Familie. Das steht an Nummer eins“, sagt Schulz. Beruflich macht er in Lebensmitteln. Grillsoßen, Grillwürstchen, Spare Ribs. „Das ist mein Leben. Das macht mir wahnsinnig viel Spaß“, sagt er. Und lecker ist es auch.

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