BVB vs. Union

Favre gegen Fischer ist das Duell Meister gegen Schüler

Die Wege von Dortmunds Trainer Lucien Favre und Unions Urs Fischer kreuzten sich oft. Nun treffen beide Schweizer im Pokal aufeinander.

Urs Fischer, Unions Trainer, hospitierte einst bei Lucien Favre, als der Schweizer Landsmann Cheftrainer von Hertha BSC war.

Urs Fischer, Unions Trainer, hospitierte einst bei Lucien Favre, als der Schweizer Landsmann Cheftrainer von Hertha BSC war.

Foto: dpa Picture-Alliance / Britta Pedersen / picture alliance/dpa

Berlin.  Geschäftsbeziehung ist ein recht kühles Wort. Urs Fischer (52) hat es gerade in den Mund genommen, da scheint es, als könne er die Kälte schmecken. So als hätte er in ein Stück gefrorene Tiefkühlpizza gebissen. Aber Fischer ist ein höflicher Mann. Er spuckt es nicht aus, er versucht es mit einer ausführlichen Erklärung aufzuwärmen. „Er war Trainer der ersten Mannschaft, ich von der U21. Da hatten wir natürlich auch eine Geschäftsbeziehung, das ist ja ganz klar. Aber wir haben auch sehr eng zusammengearbeitet“, sagt der Trainer des 1. FC Union.

Der Mann, über den Fischer spricht, heißt Lucien Favre (60) und hat gerade die derzeit erfolgreichste und aufregendste Fußballmannschaft Deutschlands zu verantworten. Mit Dortmund ist er Tabellenführer der Bundesliga und am Mittwoch auch Gastgeber für Union und Fischer. Dortmund gegen Union, zweite Runde im DFB-Pokal (18.30 Uhr, Sky). Es ist auch das Duell zweier Trainer, deren Wege sich schon häufiger kreuzten.

Kontakt gab es zuletzt nicht

Immer wieder haben sich die Biografien der beiden Trainer in den vergangenen Jahren überschnitten. Nun stehen sie sich als Gegner gegenüber. Die Ausgangspositionen könnten unterschiedlicher nicht sein. „Wir haben überhaupt nichts zu verlieren. Dortmund ist der Favorit“, sagt Fischer. Mit dem branchenüblichen Understatement hat das ausnahmsweise nichts zu tun. Wenn der Erste der Bundesliga, der gleichzeitig auch seine Gruppe in der Champions League anführt und den Dritten der Zweiten Liga empfängt, sind die Rollen klar verteilt. Kontakt mir Favre habe er zuletzt nicht gehabt, erzählt Fischer. Der sei in den letzten zwei, drei Jahren etwas eingeschlafen. Das sagt auch Favre. „Ich kenne ihn schon lange, wir haben zusammen in Zürich gearbeitet. Aber ich habe noch nie ein Training von ihm gesehen, ich kann nicht einschätzen, für welchen Fußball er steht, aber es ist eine schöne Erinnerung“, sagt Dortmunds Trainer.

Es war Anfang der Nullerjahre, als Favre den FC Zürich übernahm und Fischer dort als Trainer der Reserve arbeitete. Später dann hat Fischer Favre in Berlin besucht, als dieser Hertha BSC trainierte. Dort schaute er ihm im Rahmen seiner Ausbildung über die Schulter, adaptierte einige Inhalte, oder schloss andere für sich aus. „Wenn es um Organisation geht, offensiv wie defensiv, sind das Ansätze, die ich von ihm mitgenommen habe“, sagt Fischer. „Aber er hat seine Ansicht von Fußball und ich habe meine.“

Zwei unterschiedliche Arten Fußball

Heute stehen beide Trainer für sehr unterschiedliche Auffassungen. Fischer hat Union sehr viel defensive Stabilität verliehen, keine Mannschaft in der Zweiten Liga bekommt weniger Gegentore. In Sachen Kreativität mangelt es den Berlinern dagegen oft.

Favre gilt nicht erst seit seinem Engagement beim BVB als Feingeist und Liebhaber des schönen, aber auch effizienten Spiels. Bereits bei Hertha und später bei Borussia Mönchengladbach verordnete er seinen Teams eine hohe Ballzirkulation und einen offensiven Grundgedanken. Dortmund ist derzeit die torgefährlichste Mannschaft der Bundesliga (29 Treffer), das Angriffsspiel ist rasant und kaum aufzuhalten. Selbst Atlético Madrid, die vielleicht beste Defensivmannschaft der Welt, musste kürzlich vier Gegentore hinnehmen gegen die Dortmunder.

Mit Blick auf das Spiel am Mittwoch orientiert sich Fischer auch am Berliner Stadtrivalen. „Hertha hat sehr gut gegen den Ball gearbeitet und ein offensives Zweikampfverhalten an den Tag gelegt. Außerdem haben sie vermieden, dass Dortmund immer wieder Tempo aufnehmen kann“, sagt Fischer über das 2:2 des Stadtrivalen am Sonnabend in Dortmund. Wenn das seiner Elf auch gelinge, besäße sie Außenseiterchancen. Wichtig sei, dass seine Spieler das Duell mit Freude und Spaß bestreiten. Man wisse schließlich nie, wann sich solch eine Gelegenheit noch mal ergibt.