Nations League

Nations League: Deutschland verliert gegen Frankreich

Auch gegen den Weltmeister kann Deutschland in der Nations League nicht gewinnen. Frankreich gewinnt in Paris 2:1.

Frankreichs Antoine Griezmann jubelt

Frankreichs Antoine Griezmann jubelt

Foto: Reuters

Paris. Die Zeichen blieben ungesehen auf dem Platz. Joachim Löw klatschte an der Seitenlinie in die Hände, wirbelte sie in der Luft herum, um seiner Mannschaft zu bedeuten, dass es weitergehen müsse. Dass sie ein gutes Spiel gemacht habe und es keinen Grund gäbe, nicht mehr an sich zu glauben. Kopf hoch, Männer. Aber das war schwer. Frankreich hatte soeben den Siegtreffer erzielt. Das wusste irgendwie jeder. Und unverdient war es auch. Aber für das deutsche Team, welches lange Zeit das ansehnlichste Länderspiel des Kalenderjahres bot, fühlte sich das alles ungerecht an. Mit 1:2 (1:0) ging die zum Schicksalsspiel für den Bundestrainer deklarierte Partie gegen Weltmeister verloren. Der Abstieg droht weiterhin. Aber immerhin: Dieses verjüngte deutsche Team in Paris machte wieder mehr Spaß als zuletzt.

Denn Löw hatte nach dem verheerenden 0:3 in den Niederlanden ein Team auf den Platz geschickt, das den Eindruck von jugendlichem Aufbruch, von Neuanfang umwehte. Löw tauschte das halbe Feldspielerpersonal aus. Der glücklose Thomas Müller, Emre Can, Jonas Hector und Mark Uth fanden sich auf der Bank wieder. Jerome Boateng war ja bereits verletzt abgereist. Für sie auf dem Platz: Niklas Süle, Nico Schulz, Leroy Sané, Thilo Kehrer und Serge Gnabry. Nur noch vier Weltmeister. Altersschnitt gegen die Niederlande: 26,9. Altersschnitt gegen den Weltmeister Frankreich: 24,8. Löw rief den Jugendstil aus – durchaus mit Erfolg.

Zwar war ein banges Momentchen zu überstehen, als Mats Hummels dem französischen Stürmer Antoine Griezmann den Ball nahe des Fünfmeterraums vom einschussbereiten Fuß grätschen musste (9. Minute). Doch dann hatte sich diese junge deutsche Mannschaft offenbar an den Gedanken gewöhnt, in Paris spielen zu müssen, zu dürfen.

Löws Wechsel bringen deutschem Team Geschwindigkeit

Die erhebliche Geschwindigkeit, die Löw durch seine Wechsel verabreicht hatte, machte sich immer wieder bemerkbar. Nach einer ansehnlichen Kombination zwischen Serge Gnabry, schnell, und Timo Werner, schnell, spitzelte N‘Golo Kanté den Ball aufs eigene Tor, was Hugo Lloris zu einem ersten Hechtsprung veranlasste (11.). Zwei Minuten versuchte sich Leroy Sané, schnell, an einer Hereingabe, die aber Presnel Kimpembe an den Oberarm sprang: Elfmeter für Deutschland. Toni Kroos, nicht sehr schnell, aber zielsicher, verwandelte mit etwas Glück (14.). 1:0 für den entthronten Weltmeister. Endlich mal ein Tor. Drei Pflichtspiele lang hatte die Auswahl nicht mehr getroffen.

Und dieses Deutschland machte plötzlich wieder Spaß, weil es Räume vorfand, weil so ungewohnt viel Zug zum Tor vorhanden war. Einem Konter, den Joshua Kimmich so kunstfertig einleitete, dass er einen Platz im Louvre verdient gehabt hätte, verweigerten Sané und Werner durch einen ungenauen Pinselstrich die höchste Weihe (19.). Nicht hübsch, aber gefährlich: Der Schuss von Matthias Ginter nach einer Ecke, den Lloris parierte (24.).

Etwas weniger zwingend: die Franzosen. Und das trotz Superstar Kylian Mbappé, superschnell. Eine Flanke Griezmanns verpasste er knapp (40.). Und Olivier Giroud setzte seinen Schuss am Fünfmeterraum über das Tor (45.).

Nach der Pause war Weltmeister Frankreich gefährlicher

Aber der Weltmeister kehrte als die gefährlichere Mannschaft aus der Pause zurück. Nach einem Stellungsfehler von Niklas Süle tauchte Mbappé frei vor Manuel Neuer auf, doch der Kapitän parierte stark (52.), ehe er kurze Zeit später doch geschlagen war. Griezmann köpfte eine Flanke von Lucas Hernandez zu überraschend, zu wuchtig, zu genau zum 1:1 ins Tor (62.). Die deutsche Mannschaft stemmte sich in dieser Phase leidenschaftlich und erfolgreich gegen den enormen Wirbel der Equipe Tricolore. Eigene Chancen? Selten: Gnabry schloss wuchtig ab, aber Lloris parierte (67.).

Doch der enorme Aufwand, die Lücken zu schließen, die Schüsse zu blocken, die herrenlosen Bälle zu erlaufen und zu verteidigen kostete Kraft. Zu viel Kraft. Ballverluste und Missverständnisse häuften sich. Und so musste Hummels im Strafraum in einen Zweikampf mit Blaise Matuidi. Den fälligen Strafstoß verwandelte erneut Griezmann zum 2:1. Und Löws Zeichen halfen nicht mehr.

© Berliner Morgenpost 2019 – Alle Rechte vorbehalten.