American Football

German Bowl in Berlin wird zum Rendezvous mit der Geschichte

Jubiläums-Endspiel im Jahn-Sportpark: Im 40. German Bowl will Frankfurt den Titel in Deutschlands Football-Pionier-Stadt zurückholen.

Frankfurt Universe um Running Back Andreas Betza (2.v.l.) setzte sich im Halbfinale gegen Rekordmeister Braunschweig durch

Frankfurt Universe um Running Back Andreas Betza (2.v.l.) setzte sich im Halbfinale gegen Rekordmeister Braunschweig durch

Foto: imago sport / imago/Rene Schulz

Berlin.  Fast hätte das historische Spiel gar nicht stattgefunden. Gleich mehrmals musste im Herbst 1979 das erste Endspiel um die deutsche Meisterschaft im American Football verschoben werden, nachdem die Platzwarte in Frankfurt am Main erfolgreich interveniert hatten. Erst Mitte November wurde endlich ein Termin gefunden und die Frankfurter Löwen durch ein 14:8 gegen die Ansbach Grizzlies zum ersten deutschen Meister.

Damals war Football hierzulande noch weitgehend unbekannt. Als die Löwen zwei Jahre zuvor gegründet wurden, fand der Verein zunächst keine Gegner, gegen die er antreten konnte. American Football wurde bis dahin lediglich von Teams aus den US-Kasernen gespielt. Erst 1978 kam mit Düsseldorf eine zweite deutsche Mannschaft dazu. Als ein Jahr später die Bundesliga ins Leben gerufen wurde, waren es immerhin schon deren sechs, darunter mit den Berlin Bären, den späteren Berlin Adlern, auch ein Klub aus der Hauptstadt.

In Prenzlauer Berg werden 15.000 Zuschauer erwartet

Seitdem hat die Sportart eine rasante Entwicklung genommen. „Das Potenzial ist riesig“, meint Alexander Sperber, als Mitbegründer der Löwen und erster Präsident des American Football Bundes einer der Pioniere in diesem Sport. Die German Football League (GFL) gilt als die beste Footballliga Europas. Dass das Meisterschaftsfinale, der sogenannte German Bowl, aufgrund der Bedenken der Platzwarte abgesagt wird, wäre heutzutage undenkbar.

Am Sonnabend trifft Titelverteidiger Schwäbisch Hall Unicorns im Berliner Jahn-Sportpark auf das Team von Frankfurt Universe (18 Uhr, Sport1) – nicht wie 1979 vor rund 300 Zuschauern, sondern zum 40. Jubiläum vor über 15.000 Besuchern. Dass das Interesse in Deutschland generell gestiegen ist, liegt auch daran, dass im Fernsehen wieder häufiger die Spiele der National Football League aus den USA zu sehen sind. „Die Sportart hat einfach einen gewissen Sexappeal“, sagt Sperber, „die Ausrüstung macht schön breite Schultern – das gefällt Männern und Frauen gleichermaßen.“

Youngster-Kicker wird zweimal zum Matchwinner

Seine Frankfurter Löwen holten 1980 erneut den Titel, ein Jahr später standen sie noch einmal im Finale. Bald darauf löste sich der Verein auf, der deutsche Footballgeschichte geschrieben hatte. Mit der erstmaligen Finalqualifikation von Frankfurt Universe schließt sich nun der Kreis, passend zum Jubiläums-Bowl. Es ist zudem das erste Mal seit 37 Jahren, dass sich zwei Teams aus dem Süden der GFL im Endspiel begegnen. Die jüngste Bilanz spricht für Schwäbisch Hall. Beide Liga-Duelle gewannen die Unicorns. Das letzte Mal, dass ein Team nach zwei Saison-Niederlagen den Spieß im Finale umdrehte, liegt 14 Jahre zurück.

Im Halbfinale bezwang Frankfurt Rekordmeister Braunschweig (elf Titel) nach zweifacher Verlängerung mit 20:17. Und wie schon zuvor im Viertelfinale gegen die Berlin Rebels gelang dem von der Jugend ins Männerteam gerückten Kicker Marius Duis der entscheidende Treffer. Dieses Spiel war nicht minder dramatisch: In einer wahren Regenschlacht behielt Universe gegen die Berliner knapp mit 6:5 die Oberhand. Nach so viel Dusel traut Alexander Sperber der Mannschaft zu, dass sie auch im Finale als Sieger vom Platz geht. „Die Frankfurter gewinnen, wenn sie die Offensive einfach halten und sich auf ihre Stärken besinnen. Aber wenn sie anfangen herumzutanzen, wenn sie im Angriff inkonsequent werden, dann verlieren sie.“

Final-Gegner Schwäbisch Hall setzt neue Maßstäbe

Für Frankfurt ist es nach der Niederlage gegen Braunschweig im Eurobowl bereits das zweite Finale der Saison. Gleichzeitig könnte es auf längere Zeit auch der letzte Auftritt auf der großen Bühne sein. Die Hessen plagen Verbindlichkeiten in Höhe von rund 1,5 Millionen Euro. Im März hatte der Stammverein den Vertrag mit der für den Spielbetrieb in der GFL zuständigen GmbH wegen finanzieller Probleme gekündigt, seit Juli läuft ein Insolvenzverfahren.

Der Hauptsponsor hat seinen Vertrag zum Jahresende gekündigt und damit für die Saison 2019 eine erhebliche finanzielle Deckungslücke geschaffen. Eine Etatkürzung scheint unvermeidbar – ob Frankfurt in Zukunft weiter oben mitspielen kann, ist deshalb mehr als fraglich.

Schwäbisch Hall ist dagegen längst eine Institution im deutschen Football. Für den Champion von 2011, 2012 und 2017 ist es das fünfte Finale in Folge. Dabei setzen die Einhörner als einer von nur wenigen Klubs der Liga auf einen deutschen Quarterback – Marco Ehrenfried, der seinen amerikanischen Spielmacherkollegen in nichts nachsteht. Auch dank ihm erzielte Schwäbisch Hall in dieser Saison die meisten Punkte aller GFL-Teams. Seit 33 Spielen ist die Mannschaft unbezwungen, im Halbfinale schlug sie Dresden klar mit 23:7. Die letzte Niederlage liegt nun fast zwei Jahre zurück. Länger war noch keine Erfolgsserie in der Geschichte der Bundesliga.