Eishockey

Preussen wagt den nächsten Neuanfang mit Uli Egen

Mit dem Eishockey im Westteil soll es wieder aufwärts gehen. Der ehemalige Eisbären-Trainer will dem Oberligisten dabei helfen.

Der ehemalige Eisbären-Trainer Uli Egen ist jetzt Coach beim ECC Preussen

Der ehemalige Eisbären-Trainer Uli Egen ist jetzt Coach beim ECC Preussen

Foto: Joachim Haenisch / FUNKE Foto Services

Berlin.  Die Sache mit dem Video findet Uli Egen auch nach fast 20 Jahren immer noch richtig. In seiner Zeit als Trainer der Eisbären Berlin hatte Egen die Profi-Mannschaft nach einem besonders schwachen Spiel in der Kabine antreten lassen, wo sie sich die gesamte Partie noch einmal als Aufzeichnung anschauen mussten. Die Spieler sollten dafür sogar Eintritt bezahlen um nachzuvollziehen, was sie den Fans mit ihrem lustlosen Auftritt angetan hatten. „Das sind Profis, da kann man so etwas schon einmal machen. Sie bekommen schließlich Geld dafür, aber dann sollen sie auch Leistung zeigen“, sagt Egen.

Beim ECC Preussen, wo der 62-Jährige neuerdings als Trainer tätig ist, würde er eine solche Aktion nicht machen. Die Preussen spielen in der Oberliga, zwei Klassen tiefer als die Eisbären in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL). „Das ist semiprofessionelles Eishockey, die Spieler gehen fast alle nebenbei noch arbeiten oder studieren. Da muss man dann auch Verständnis haben, wenn es einmal nicht ganz so gut klappt“, sagt er.

Was allerdings nicht bedeutet, dass Egen sein Engagement bei den Preussen auf die leichte Schulter nehmen würde. „Ich bin ein großer Verfechter von Disziplin. Und falls die Spieler nicht mitziehen, kann es in der Kabine auch einmal lauter werden. Wenn mir etwas nicht passt, dann sage ich das ganz deutlich.“

Am Freitag starten die Berliner mit einem Auswärtsspiel bei den Hannover Indians in die neue Saison, das erste Heimspiel steigt am Sonntag (16 Uhr, Eissporthalle Charlottenburg) gegen Moskitos Essen. Beides sind ehemalige DEL-Klubs, gegen die die Preussen schon früher angetreten sind, als sie selbst noch in der obersten Liga spielten.

Berlin kennt Egen als Spieler und später als Eisbären-Coach

Uli Egen hatte den Verein 1987 als Kapitän in die Bundesliga geführt. Ein paar Monate danach verließ er Berlin, kehrte aber 1999 als Trainer der Eisbären Juniors in der Oberliga in die Hauptstadt zurück. Im November 2000 wurde er bei den Eisbären zum Cheftrainer befördert. „Ich habe in Berlin nur gute Erfahrungen gemacht“, sagt er. Später war er als Coach unter anderem in Kassel, Kaufbeuren und Duisburg tätig, zuletzt arbeitete er in Herne – alles Klubs, die sportlich und finanziell deutlich über den Preussen stehen.

Trotzdem musste Egen nicht lange überlegen, als der Verein bei ihm anfragte: „Das Projekt hat mich überzeugt“, sagt der ehemalige Nationalspieler. Man wolle die Preussen im Westteil der Stadt wieder voranbringen und etwas Eigenständiges aufbauen. Viele Leute würden gar nicht mehr wissen, dass in Charlottenburg auch Eishockey gespielt wird. „Ich hoffe, dass ich mit meinem Namen da etwas bewegen kann“ sagt Egen.

Der neue Geldgeber Holger Wettlaufer denkt mittelfristig bereits an die DEL 2. In dieser Saison lautet das Ziel aber erst einmal, sich für das Pre-Play-off zu qualifizieren. Dafür müssten die Preussen von 13 Oberliga-Klubs mindestens Zehnter werden.