American Football

Ein deutscher Football-Star ist nicht in Sicht

Die NFL gehört in Deutschland trotzdem zu den beliebtesten TV-Inhalten.

Equanimeous St Brown will in Green Bay durchstarten.

Equanimeous St Brown will in Green Bay durchstarten.

Foto: Michael Conroy / picture alliance/AP Photo

Berlin.  Christopher Ezeala (22) hatte Großes vor. Er wollte nicht weniger als die Position des Fullbacks revolutionieren, sagte der deutsche Footballspieler vor einigen Wochen, als er bei den Baltimore Ravens das Training aufnahm. Was die Revolution angeht, wird sich die Welt noch gedulden müssen. Wenn die Ravens am Sonntag gegen Buffalo (19 Uhr) in die neue Saison der National Football League (NFL) starten, ist Ezeala nicht dabei.

Als die 32 Teams vergangenes Wochenende ihre Kader bekannt gaben, fehlte der Deutsche. Seine Leistungen während der Vorbereitung hatten das Trainerteam nicht überzeugt. Ezeala wurde gecuttet, wie es in der Fachsprache heißt. Bei den NFL-Teams bewerben sich rund 100 Spieler während der Vorbereitung um 53 freie Plätze. Nach und nach werden immer mehr Spieler von der Liste gestrichen, bis am Ende 53 Auserwählte übrig bleiben. Ezeala schaffte es immerhin bis in die letzte Phase.

NFL-Eröffnungsspiel erzielt 8,9 Prozent Marktanteil

Wie ihm erging es auch Moritz Böhringer bei den Cincinnati Bengals, Kasim Edebali (Chicago) und Eric Nzeocha (Tampa Bay). Nur Bruder Mark Nzeocha (San Francisco) und Equanimeous St. Brown (Green Bay) schafften es in ihre Teams. Das heißt, nur zwei Deutsche werden in dieser Saison in der NFL aktiv sein, sollten aus Verletzungsgründen nicht noch irgendwo Plätze frei werden. „Das ist natürlich etwas schade“, sagt Roman Motzkus (49). Motzkus, als Berliner einst für die Spandau Bulldogs und Berlin Adler aktiv, gehört heute zum Expertenteam von ProSieben.

Dort und beim Spartensender ProSieben Maxx läuft die NFL im deutschen Free-TV. Mindestens zwei Spiele gibt es pro Woche in voller Länge zu sehen. Die Quoten sind hervorragend. Beim Eröffnungsspiel zwischen den Philadelphia Eagles und den Atlanta Falcons entsprach der Marktanteil 8,9 Prozent, obwohl die Übertragung mitten in der Nacht stattfand. Zudem hält die Internetplattform DAZN Rechte an der NFL. PR-Chef Matthias Folkmann sagt: „Die NFL gehört zu den beliebtesten Inhalten bei uns.“

Der bisher bekannteste Deutsche beendete vor zwei Jahren seine Karriere

Football boomt in Deutschland. Was noch fehlt, ist ein deutscher Spieler mit hohem Bekanntheitsgrad. Einer, der für American Football eine ähnlich große Bedeutung erlangen könnte, wie sie Dirk Nowitzki für den Basketball-Sport inne hat. Ein echter deutscher Football-Star würde das Wachstum noch stärker beschleunigen. „Es fehlt vor allem jemand auf den Skill-Positions, also Quarterback, Running Back oder Wide Receiver“, sagt Motzkus. Das sind jene Positionen, die für Punkte und Spektakel sorgen. Spieler also, die im Mittelpunkt stehen. Der bisher bekannteste NFL-Profi, Sebastian Vollmer, beendete vor zwei Jahren seine Karriere. Als Leibwächter von Tom Brady gewann Vollmer zweimal den Superbowl mit den New England Patriots. Seine Aufgabe war es, die Gegner vom eigenen Quarterback fernzuhalten. Punkte machten andere.

Equanimeous St. Brown könnte für Green Bay in diese Rolle wachsen. Aber St. Brown ist in den USA aufgewachsen, mit Deutschland verbindet ihn außer der deutschen Mutter wenig. Böhringer, in Stuttgart geboren, würde schon eher als Publikumsliebling taugen, aber er schaffte es nun schon im zweiten Jahr hintereinander nicht ins Team. Viele Möglichkeiten wird er nicht mehr bekommen. „Es von Deutschland in die NFL zu schaffen, ist wie als würde man versuchen, aus der Regionalliga zu kommen und einen Stammplatz beim FC Bayern zu erkämpfen“, sagt Motzkus. Auf einen deutschen Footballstar werden die Fans wohl noch lange warten müssen.

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